Bild: picture alliance / Bram Janssen

Mehr als 117.000 Menschen haben in diesem Jahr versucht, von der libyschen Küste über das Mittelmeer nach Italien zu kommen. Mehr als 2400 sind laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) dabei ertrunken.

Um das zu verhindern, retten NGOs wie "Sea-Eye", "Ärzte ohne Grenzen" oder "Jugend Rettet" regelmäßig tausende Flüchtlinge aus überladenen und sinkenden Gummibooten. Nur wird die Situation auch für sie immer gefährlicher. Am Wochenende zogen gleich mehrere Organisationen ihre Rettungsschiffe ab. (SPIEGEL ONLINE)

Was ist passiert?

Die libysche Regierung hat offenbar eigenmächtig ihre Kontrollgewalt auf internationale Gewässer ausgeweitet und eine eigene Such- und Rettungszone errichtet. Rettungsschiffe warnte sie davor, diese Zone ohne Erlaubnis zu befahren. NGOs befürchten nun, von der libyschen Küstenwache beschossen zu werden, sollten sie die Drohung ignorieren. (Tagesschau)

  • Die Hilfsorganisationen "Save the Children" und "Sea-Eye" stellen daher ihre Rettungseinsätze vorerst ein.
  • "Ärzte ohne Grenzen" zog ihr größtes Schiff "Prudence" ab. 

Der Präsident der deutschen Sektion von "Ärzte ohne Grenzen", Volker Westerbarkey, weiß aus Erfahrung, dass man Drohungen der libyschen Seite ernst nehmen sollte. In einem Interview mit Deutschlandfunk sagte er: 

Die libysche Küstenwache hat teilweise schon Warnschüsse abgegeben, gefährliche Manöver auf See gefahren und unsere Teams und Teams von anderen NGOs in Gefahr gebracht, und das ist eine Gefahr, die wir nur sehr, sehr schwer einschätzen können und vermeiden müssen.

Ob die Ausweitung der Kontrollzone überhaupt rechtens ist, ist unklar.

Die lybische Küstenwache geht offenbar davon aus, dass ihr Vorgehen mit internationalem Recht übereinstimmt. Normalerweise wäre in dem proklamierten Gebiet allerdings die Sennotrettungsleitstelle in Rom zuständig. Ob rechtens oder nicht: Sie sprach daraufhin eine Sicherheitswarnung für Rettungsorganisationen aus. 

Das aber ist nur eines der Gründe, warum NGOs ihre Schiffe zum Teil abziehen.

  • Ärzte ohne Grenzen etwa will sich nicht in ein System integrieren lassen, "in dem Libyen die Seenotrettung koordinieren kann" und Anweisungen geben kann, gerettete Menschen zurück nach Libyen zu bringen. 
  • Außerdem ist unklar, wie groß das Gebiet genau ist, das Libyen für sich proklamiert hat. (Tagesschau)
Warum droht Libyen den Seenotrettern?

Libysche und italienische Behörden werfen den Helfern vor, mit Schleppern zusammenzuarbeiten – beziehungsweise selbst zu Schleppern zu werden, indem sie in Not gerate Flüchtlingsboote retten und die Insassen nach Italien bringen. Schlepper profitieren von ihrer Not und lassen sich ihren "Service" teuer bezahlen. 

Libyen und Italien hatten zuletzt den Druck auf die Helfer deutlich erhöht und einen Verhaltenskodex für Flüchtlingsrettung vorgelegt, denn alle auf dem Mittelmeer aktiven NGOs unterzeichnen sollten. Die meisten aber weigerten sich. (bento)

Durch die Nichtunterzeichnung werden die Organisationen aus dem "organisierten System zur Rettung auf See" ausgeschlossen, heißt es in der Pressemitteilung des Innenministeriums. Es könne so nicht mehr für die Sicherheit der Boote garantiert werden. 

Wie geht es jetzt weiter?

NGOs befürchten, dass jetzt noch mehr Menschen im Mittelmeer ertrinken werden. 

"Ärzte ohne Grenzen" zieht sich daher auch nicht vollständig vom Mittelmeer zurück: Ein Team der Organisation soll weiter an Bord der "Aquarius" bleiben, ein von der NGO SOS Méditerranée gechartertes Schiff.


Tech

In diesem Retro-Game spielst du eine Flucht aus Syrien nach

Abdullah steht im dunklen Wald. Er ist auf der Flucht und sein Schleuser hat ihn mitten im Nirgendwo abgesetzt. Es gibt keine Orientierung. Vorsichtig drücke ich die Pfeiltasten der Tastatur. Die kleine, pixelige Figur läuft umher – und steht plötzlich Nase an Nase mit einem bewaffneten Mann. Der Bildschirm färbt sich rot. 

"Oh Gott, ich habe ihn getötet", denke ich. "Na toll, du hast mich getötet", sagt der echte Abdullah, dessen Gesicht im Spiel erscheint und mich vorwurfsvoll anguckt. Denn das Spiel "Path out" mischt Realität und Fiktion: Zu Grunde liegt eine wahre Geschichte – Abdullahs wahre Geschichte.