Bild: bento

Ein Gespenst geht um in Deutschlands Großstädten: Der Geist von Hein Blöd und Steve Zissou hat auf den Köpfen des Großstadtmannes Platz genommen – in Form einer Fischermütze.

Was lange nur Arbeitskleidung für Dockarbeiter und Hochseefischer war, hat im Winterbekleidungsrepertoire jener Möchtegern-Seefahrer Einzug gehalten, die glauben, Club-Mate im Start-up Kühlschrank müsse ein Menschenrecht sein.

Kurz zur Erinnerung: Die Fischermütze, häufig schwarz, sitz wie ein kleines Kackhaufen-Emoji (aus Strick, gerne auch mit Rollrand) auf dem Oberkopf und reicht nicht mal bis zu den Ohren.

In der Form erinnert sie an den Besuch beim Friseur unserer Kindheit: Trotz scheuer Bitte, nicht zu viel abzuschneiden, kriegt man doch wieder einen Topfschnitt ab. 

Mehr "Haarmonie" geht nicht.

Als Frisur war das vielleicht nicht schön, aber wenigstens praktisch: Schnell geschnitten, schnell getrocknet, nie gestylt. Für die Mütze gilt das nicht: der Oberkopf ist maximal bis zu den Ohren warm, aber wenn mal ein bisschen steife Brise (wir müssen ja im Slang bleiben) im Berliner Schiller-Kiez oder durch die Hamburger Schanze weht, dann bleiben die Ohren kalt.

Somit wird die Mütze als das entlarvt, was sie eigentlich ist: Ein nicht-funktionales Accessoire.

Klar: nachdem die Gentrifizierung der traditionellen Arbeiterkieze in deutschen Großstädten ja nun fast vollständig geschafft ist, muss man sich ja etwas suchen, was man sich aneignen kann – in diesem Fall eben Arbeitermode als Trend. Das ist nicht neu: Von Holzfällerhemden über Latzhosen und Jeans bis hin zum Lug-Boot hat sich Mode immer gern beim "working man" bedient. Und sie von ihm entfremdet.

Derzeit gehört in diese Reihe auch die trendige Neuauflage der sirenengelben "Friesennerz"-Regenjacke (die völlig zurecht ihren Platz in Marketingkampagne für Horrorfilme und Serien wie Netflix's "Dark" und der Neuverfilmung von "Es" gefunden hat).


Fischermütze und Friesennerz gibt es in zigfacher Ausführung bei vielen hipper Labels, die für absolute Unsummen die Neuauflage eines Klassikers anbieten, der außer der Form nichts mit der Funktionalität des Originals gemein hat, aber gern aus Kaschmir gestrickt wurde oder vom schwedischen Hipster-Label designet.

Den Style von hart arbeitenden Menschen kann dann jeder Trendsetter und -follower an- und auch wieder ausziehen. Hauptsache, der Kopf bleibt warm, wenn man sich im Supermarkt vor dem offenen Tiefkühlschrank zu lange nicht zwischen Gemüsefischstäbchen und Tofu-Fischstäbchen entscheiden kann! Oder?


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