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FDP-Chef Christian Lindner konnte am Sonntagabend gar nicht aufhören zu lachen. Seine Partei hat in Nordrhein-Westfalen mit 12,6 Prozent ihr bestes Ergebnis aller Zeiten erzielt (bento). Er selbst ist in dem Bundesland der beliebteste Politiker. 

Gerade bei den jungen Wählern zwischen 18 und 24 kann sich die Partei über viel Zustimmung freuen. In dieser Altersgruppe haben 15 Prozent der Wähler für die FDP gestimmt.

So haben die 18-24-Jährigen entschieden:
  • SPD: 26 %
  • CDU: 23 %
  • Grüne: 11 %
  • FDP: 15 %
  • Die Linke: 8 %
  • AfD: 7 %

Doch um den Einzug in den Bundestag muss die FDP noch zittern. Laut der jüngsten Umfragen würde die Partei auf 6,3 Prozent kommen und es knapp schaffen. Doch im Bund sind andere Themen gefragt als in NRW, wo die Menschen vor allem mit der Regierung aus SPD und Grünen unzufrieden waren. 

Wir haben die FDP-Anhänger gefragt: Was überzeugt dich an der Partei? Und was muss bis zur Bundestagswahl noch passieren?
André, 21, Auszubildender im Einzelhandel aus Krefeld:
(Bild: Privat)

Ich habe kein Abitur gemacht. Der Druck in der Schule war mit G8 einfach zu groß für mich. Deshalb habe ich nach dem Realschulabschluss erstmal ein Freiwilliges Soziales Jahr an einer Schule absolviert und mit geistig behinderten Kindern zusammengearbeitet. Hier habe ich gesehen: Es gibt noch viel zu tun beim Thema Inklusion. Es kann einfach nicht jedes Kind auf eine Regelschule gehen. 

Das sind Themen, die auch die FDP beschäftigen und die sie für mich nahbar machen. Außerdem habe ich dann etwas bei der FDP bemerkt, dass mir keine andere Partei vermitteln konnte: Kampfgeist und Euphorie!

Junge Leute können Erstwähler ganz anders über Politik informieren.

Anfang des Jahres bin ich dann sogar Mitglied der Partei geworden. Bei Wahlkampfveranstaltungen war ich mit jungen Liberalen unterwegs, und habe mit Jugendlichen gesprochen. Ich denke, das ist ein sehr wichtiger Punkt: Junge Leute können Erstwähler ganz anders über Politik informieren. 

Man sagt ja, dass die NRW-Wahlen die wichtigste Wahl vor der Bundestagswahl ist, insofern glaube ich fest daran, dass wir im September in den Bundestag ziehen werden. 

Laura, 24, Jura-Studentin aus Krefeld
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In den letzten Monaten hat die FDP einfach wahnsinnigen Aufwind bekommen. Natürlich auch durch Christian Lindner. Obwohl ich auch sagen muss, dass ich jetzt nicht unbedingt Fan von ihm bin. Ich finde gut, dass er so offen ist, sich auch in den sozialen Medien zeigt und mit der Zeit geht. Aber ich sehe auch, dass es dabei viel um Selbstinszenierung geht.

Auch wenn es schwierig ist, für die FDP von ihrem elitären Image wegzukommen: Mit ihren Themen Bildung und Digitalisierung zeigen sie, dass sie keine Partei für die oberen Zehntausend ist. Ich selbst bin auch nicht mit einem goldenen Löffel im Mund geboren. Gerade deshalb bin ich für Chancengleichheit. Jeder, egal aus welchem Elternhaus er kommt, egal welche Nationalität oder Religion er hat, sollte die Chance haben etwas aus sich machen zu können. 

Wie es nun weitergeht? Klar, die letzte Bundestagswahl war ganz schön niederschmetternd, hier in Nordrhein-Westfalen hat man Christian Lindner natürlich die ganze Zeit vor Augen, der springt einem von jedem Plakat entgegen, ob das auch im September hilft, wird man sehen. 

Timo, 31, Eventmanager aus Bielefeld
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Ich bin seit Januar FDP-Mitglied. Zwei Themen haben mich besonders überzeugt, in die Partei einzutreten. Bildung und Verkehrspolitik.

Die FDP setzt sich dafür ein, Bauvorhaben in NRW wieder frei zu geben. Es sollen Fördermittel genutzt werden, die vorher nicht abgerufen und dann auf andere Länder verteilt wurden, wie zum Beispiel Bayern. Es ist enorm wichtig im Stauland NRW neue Verkehrswege zu ermöglichen.

Bei der Bildung ist ein wichtiges Thema die Inklusionspolitik. Es sollten wieder Schwerpunktschulen geschaffen werden. Lehrer müssen entlastet werden und sich Zeit nehmen können, Menschen zu fördern, die beim Lernen benachteiligt sind.

Bei uns geht es nicht nur um Wirtschaft und Start-ups, wie man vielleicht denken könnte. Wir haben schon lange andere Themen für uns entdeckt.

Mit Christian Lindner haben die Medien natürlich jemanden gefunden, auf den sie sich fokussieren können – ähnlich wie bei Martin Schulz bei der SPD. Mich überzeugt Lindners Einstellung, dass man nur zum Erfolg kommt, wenn man nur hart genug arbeitet. 

Er zeigt oft, was er hat – ob es die Uhr, die Anzüge oder das Auto sind. Das ist so typisch deutsch, dass man sich mit sowas zurückhält. In den USA ist es anders, da zeigt man Erfolg und wird nicht kritisch beäugt. 

Ich stelle mir ein zweistelliges Ergebnis bei der Bundestagswahl vor, aber das wird viel Arbeit. Aber von NRW kann man nicht auf den Bund schließen – da waren die Themen Bildung und Verkehr wesentlich wichtiger. Ein starkes Signal ist es aber allemal.

Jannis, 29, aus Köln, Pressesprecher einer Fachhochschule
Jannis mit FDP-Chef Christian Lindner (links)(Bild: Privat)

Digitalisierung ist der Schlüssel für die Zukunft in ganz vielen gesellschaftlichen Bereichen – und die FDP vertritt dieses Thema besser als andere Parteien. Das ist sehr nah an der Lebenswelt von uns jungen Menschen.

Ich stehe zum Beispiel zu hundert Prozent hinter Lindners Aussage: "Das Digitalste in der Schule dürfen nicht die Pausen sein, wo sich die Schüler mit dem Smartphone beschäftigen." Ich finde es gut, dass die Partei Lehrern auf diesem Gebiet helfen und weiterbilden möchte und der Umgang mit dem Internet auch auf dem Stundenplan stehen soll. 

Es müssen für vieles ja überhaupt erst technische Grundlagen geschaffen und weiterentwickelt werden. Die FDP will zum Beispiel den Telekommunikationsmarkt öffnen und es auch anderen Unternehmen durch Ausschreibungen ermöglichen, schnelle Glasfaser-Leitungen zu verlegen – nicht nur der Telekom.

Es gibt immer das Vorurteil, dass FDP-Wähler aus einem wohlhabenderen Milieu kommen und die Probleme der Menschen gar nicht kennen. Das sehe ich nicht so. Herr Lindner hat selbst mal ein Unternehmen gegründet und ist gescheitert.

Er hat einmal erzählt, dass er sich von seinem ersten Gehalt einen Porsche gekauft hat und nach einem Monat hätte er ihn nicht mehr finanzieren können. Er ist sehr ehrlich, authentisch und nahbar.

Punktuell hat man das Gefühl, dass es eine One-Man-Show ist. Trotzdem glaube ich, dass die FDP vor allem mit ihren Themen überzeugt. Bei der Bundestagswahl hat man ja nichts zu verlieren, jedes Ergebnis ist ein Erfolg. 


Sport

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