Florian* öffnet den Reißverschluss der Arbeitstasche, die ihm von dem vermeintlichen Käufer als Pfand in die Hand gedrückt wurde. Darin seien ein Laptop und ein Handy verstaut. Doch als Florian in die Tasche blickt, sieht er nur eine Fliese und eine kleine Hantel. Ihm ist sofort klar: Er wurde beklaut.

Er schmeißt die Tasche weg und rennt noch die Straße entlang, doch der Mann, 1,90 Meter groß, dunkle Haare und um die 30, ist mit dem Fahrrad längst entwischt. Für 900 Euro wollte Florian es eigentlich über Ebay-Kleinanzeigen verkaufen, doch die sind gerade davongefahren.

Florian bleibt stehen, es hat keinen Sinn. Er könnte schreien vor Wut.

Ist das eine gängige Masche auf Ebay-Kleinanzeigen? 

Interesse bei Kleinanzeigen vorheucheln, sich mit dem Verkäufer verabreden und dann einfach bei der Probefahrt mit dem Fahrrad abhauen? Wir haben Experten bei der Polizei und Ebay-Kleinanzeigen gefragt – und uns von Florian den Vorfall genau schildern lassen. 

Wie lief der Fahrradklau ab?

Weil Florian sich gerade ein neues Fahrrad gekauft hatte, wollte er sein altes loswerden, bevor es im Keller verstaubt. Ein silberfarbenes Rennrad, "poliert, fast ohne Kratzer", erinnert er sich. Es dauerte einige Tage, bis er bei Ebay-Kleinanzeigen Anfragen bekam. Die meisten interessierten sich nur für die einzelnen Räder, einer nur für den Rahmen. Doch dann schließlich auch jemand für das komplette Fahrrad.

"Er schrieb, ob er es sich nach Feierabend einmal anschauen könnte", sagt Florian. Sie verabredeten sich für Freitagabend vor der Wohnung in Hamburg, schrieben ein wenig hin und her. Florian gab ihm schließlich seine Handynummer. Kurz vor der verabredeten Zeit ging er in den Keller, machte das Rad noch einmal sauber. Dann die Nachricht: Der Käufer habe es sich doch anders überlegt. Florian wollte den Keller wieder verlassen. 

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Doch kurze Zeit später klingelte sein Handy, die Nummer ist unterdrückt: 'Ich bin ganz in der Nähe, kann ich mir das Rad anschauen', sowas in etwa habe der Anrufer gesagt. "Da hätte ich schon stutzig werden müssen. Ich habe gar nicht nachgefragt, ob es sich um die gleiche Person handelt, die mir abgesagt hatte. Oder woher er meine Nummer hatte?", sagt Florian.

(Bild: Lukas Schulze/dpa)

Einige Minuten später taucht der Mann auf. "Er hielt noch sein Handy ans Ohr, telefonierte wohl mit jemandem, oder tat nur so. Und sagte zum Abschluss, er wolle sich jetzt ein Rad anschauen und steckte das Handy in seine Tasche." Die beiden unterhielten sich anschließend über technische Fragen, der Mann erzählte sogar dreist, ihm seien kürzlich zwei Fahrräder geklaut worden, jetzt sei er auf der Suche nach einem neuen – und bat schließlich um die vermeintliche Probefahrt.

"Ich habe ihn extra darum gebeten, mir Pfand dazulassen. Er sagte, in der Tasche sei ein Laptop und eben sein Handy. Im Nachhinein hätte ich direkt nach dem Ausweis fragen sollen, aber man glaubt ja eigentlich an das Gute", sagt Florian. Als er einige Sekunden später in die Tasche blickte, war der Dieb schon um die Ecke gebogen.

Florian blieb nur noch der Anruf bei der Polizei, und eine schlaflose Nacht.

"Es fühlt sich schrecklich an, so dreist und vor den eigenen Augen beklaut zu werden."
Florian

Was sagt Ebay dazu?

Vor etwa einem Jahr habe man bei Ebay-Kleinanzeigen zuletzt von einem ähnlichen Fall erfahren. "Da ließ sich der Verkäufer eines teuren Markenrads allerdings keinen Pfand geben, sondern vertraute auf die Rechtschaffenheit des potenziellen Käufers", antwortet Pressesprecher Pierre Du Bois auf Anfrage von bento. Den Fall von Florian bezeichnet er als "ausgesprochen dreist", er sei ihm in dieser Form noch nicht untergekommen. 

Die Tipps von Ebay:

  • "Wir raten bei Probefahrten jeder Art dazu, sich von der Identität des Gegenübers zu überzeugen", sagt Du Bois. Konkret heiße das: Verkäufer sollten sich vor einer Probefahrt in jedem Fall den Ausweis zeigen, besser noch als Pfand aushändigen lassen.
  • "Verkäufer können sich als Faustpfand stattdessen auch den vereinbarten Kaufpreis geben lassen – damit können sie auch einschätzen, ob eine ernste Kaufabsicht besteht", rät Du Bois. In keinem Fall solle man blind auf Angaben des potenziellen Käufers vertrauen.
  • Auch bei Kleinanzeigen selbst greift man zu entsprechenden Maßnahmen: Käufer oder Verkäufer könnten gegebenenfalls vom Handel bei Ebay-Kleinanzeigen ausgeschlossen werden. Wobei es dort leicht ist, sich mit einer anderen Mail-Adresse erneut anzumelden. 
  • Ebay könne außerdem der Polizei bei Ermittlungen helfen und weitere Informationen zur Verfügung stellen. 

Was sagt die Polizei?

Bei der Polizei-Beratung kennt man solche Fälle wie die von Florian. Bei den Experten vom Landeskriminalamt in Baden-Württemberg heißt es aber: Genaue Zahlen, wie häufig diese Masche angewandt werde, habe man nicht. Hier rät man ebenfalls, sich unbedingt den Führerschein oder die Ausweispapiere aushändigen zu lassen – oder ihn abzufotografieren. 

Bei der Hamburger Polizei sind solche Fälle noch nicht häufiger aufgetreten. Die meisten Fahrräder würden schlicht geklaut, indem das Schloss aufgeknackt werde – solch dreisten Vorgehensweisen seien Einzelfälle, heißt es von der Pressestelle.

14.506 Mal wurden Fahrräder 2017 allein in Hamburg geklaut (Polizeiliche Kriminalstatistik). Hier hat die Polizei noch einen zusätzlichen Tipp – und zwar, sein Fahrrad codieren zu lassen. Entweder wird dabei ein Code in den Rahmen gefräst oder an das Rad montiert. 

"Das schreckt erstens Diebe ab, und zweitens können die Räder nach einem Fund wieder an die Besitzerinnen und Besitzer zurückgegeben werden", sagte ein Polizeisprecher. 

Und Florian?

Der hofft jetzt, dass die Versicherung für den Schaden aufkommt – oder dass die Polizei den Dieb tatsächlich ausfindig macht. Lässt sich der Anruf zurückverfolgen? Helfen die Fingerabdrücke auf der Tasche?

Nachts träumt Florian manchmal, dass er etwas schneller gelaufen wäre und den Dieb noch gefangen hätte.

*Florian möchte für diese Geschichte lieber anonym bleiben.

Bist du auch schon mal bei Ebay-Kleinanzeigen abgezockt worden? Dann schreib uns an redaktion@bento.de.


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