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"Wir hätten das früher tun sollen"

Fast jeder hat in seinem Leben schon eine Nachricht abgeschickt und sich gleich hinterher gewünscht, er hätte es nie getan. Betrunkene Liebeserklärungen, Bewerbungen voller Tippfehler, Trennungsnachrichten. Seiten wie "SMS von gestern Nacht" zeigen seit Jahren, wie wir schreibend scheitern

Auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat es schon getan. Bereits kurz nach der Gründung seines sozialen Netzwerks beschimpfte er die eigenen Nutzer in inzwischen legendären Kurznachrichten als "Idioten" – weil sie ihm vertrauten. Die Nachrichten konnten nicht wieder zurückgerufen werden, durch einen Leak wusste irgendwann die halbe Welt davon. (The New Yorker

Doch aus den Fehlern scheint Facebook gelernt zu haben. Denn wie am Freitag bekannt wurde, schuf das Unternehmen nachträglich Möglichkeiten, um gesendete Nachrichten doch noch zu löschen – allerdings nur für Mark Zuckerberg und andere Führungskräfte. (Techcrunch)

Normale Nutzer haben diese Möglichkeit bis heute nicht.

Sie müssen mit ihren im Messenger verschickten Nachrichten leben. Die Kritik am Vorgehen des Konzerns war deshalb groß. Für viele ist es ein zynisches Beispiel dafür, wie ernst Facebook die Interessen seiner Nutzer nimmt:

Facebook entschuldigte die Ungleichbehandlung zunächst als Reaktion auf einen anderen Hacker-Skandal. Warum die rund zwei Milliarden normale Nutzer keine nachträgliche Lösch-Funktion für ihre Messenger-Nachrichten erhielten, erklärte das allerdings nicht wirklich. Mittlerweile scheint ein Umdenken stattgefunden zu haben.

Facebook will jetzt doch eine Lösch-Funktion für alle Nutzer einführen

Bis die Funktion für alle Nutzer eingeführt ist, könne aber noch einige Zeit vergehen, teilte das Unternehmen mit. Ein Sprecher sagte außerdem: 

Wir hätten das früher tun sollen, und wir entschuldigen uns dafür, dass wir es nicht getan haben.
Facebook-Sprecher

Eine Art von Entschuldigung, die für Facebook bislang ungewohnt war. Seit dem Cambridge-Analytica-Skandal ist das weltweit größte soziale Netzwerk gleich mehrfach in die Schlagzeilen geraten:

  • Bis heute weiß Facebook nicht, welche Daten Cambridge Analytica hat. (bento)
  • Klar ist dagegen, dass es mehr Betroffene gibt, als lange gedacht. (bento)
  • Facebook selbst hat außerdem lange Zeit Telefondaten gesammelt, wovon viele Nutzer nichts wussten (bento)

Wegen der zahlreichen Diskussionen ist Facebook in die Defensive geraten. Erst kürzlich musste sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg deshalb öffentlichkeitswirksam für den Umgang mit Nutzerdaten entschuldigen. (bento)

Mit der Ankündigung, löschbare Messenger-Nachrichten einzuführen, versucht man jetzt wieder Boden gutzumachen.

Bis die Löschfunktion für alle eingeführt ist, will Mark Zuckerberg keine eigenen Nachrichten mehr entfernen lassen. Für ein paar Wochen und Monate muss also auch er wieder aufpassen, sollte er eines Abends betrunken bei Facebook landen. Genau, wie wir alle.


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