Bild: Getty Images/Carsten Koall

Ein Treffen von Facebook und der AfD. Und das mitten im Bundestagswahlkampf. Was hat das zu bedeuten? Der deutsche Blogger Sascha Lobo sorgt mit einem Tweet für Aufmerksamkeit – und wirft Fragen auf:

Was ist passiert?

Wie die US-amerikanische Nachrichtenseite Bloomberg schon vor knapp einem Monat berichtete, habe es Anfang September ein Treffen in den Berliner Büroräumen von Facebook gegeben. Thema: Der Facebook-Wahlkampf der AfD.

Daran sollen unter anderem Sean Evins, bei Facebook zuständig für politische Angelegenheiten in Europa, und Joshua Canter von der Werbeagentur Harris Media teilgenommen haben. 

Was macht Harris Media?

Harris Media ist eine US-amerkanische Werbeagentur mit Sitz in Austin (Texas), die besonders rechtsnationale Parteien und Personen beim Online-Wahlkampf, berät. Dabei polarisiert das Unternehmen immer wieder mit provokanten, teils menschenverachtenden Botschaften.

Die Werbeagentur war bereits in die Wahlkämpfe von Donald Trump und der rechtsnationalen französischen Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen involviert. Harris Media ist unter anderem für den Werbefilm verantwortlich, der ein von radikalen Muslimen beherrschtes Deutschland zeigt. Auch die AfD engagierte Harris Media für ihren Online-Wahlkampf.

Was bedeutet das?

Im Raum steht der Vorwurf, dass sich Facebook in den Wahlkampf eingemischt und die AfD in Bezug auf ihren Online-Wahlkampf strategisch beraten hat. Das deutet unter anderem auch dieser Twitter-Nutzer an:

Facebook bestreitet die Vorwürfe. bento sagt eine Facebook-Sprecherin: “Facebook ist eine politisch neutrale Plattform. Vor der Bundestagswahl standen wir mit allen größeren Parteien in Kontakt. In allen Gesprächen haben wir dieselben Informationen zur Nutzung von Facebook zur Verfügung gestellt."

Facebook hat die AfD also offenbar darüber aufgeklärt, wie sie die Plattform am besten nutzen kann, wie man bezahlte Werbeanzeigen schaltet, um Wähler für sich zu gewinnen. Dazu kann durchaus auch die Empfehlung zählen, Live-Videos zu machen, die im Facebook-Newsfeed vielen potenziellen Wählern ausgespielt werden

Diesen Service hat Facebook allerdings wohl allen Parteien angeboten.

Die Grünen bestätigten bento, dass auch sie sich mit Facebook getroffen haben. Auf Anfrage sagte Simon Zunk, kommisarischer Pressesprecher der Grünen, dass das Online-Team mit Facebook gesprochen habe. Dabei seien unterschiedliche Werbe-Formate und Zielgruppen-Einstellungen besprochen wurden. Mit einer umfassenden Strategieberatung, wie es Werbeagenturen machen, ist das nicht vergleichbar. bento hat auch die anderen großen Parteien angefragt. Bisher wollten sie sich nicht äußern.

Solche Treffen sind Alltag bei Facebook. Das Unternehmen hilft Organisationen dabei, möglichst effektiv auf der Plattform zu werben und unterscheidet nicht großartig, welcher Art von Organisationen sie hilft. Eine durchaus legitime Position, andere Unternehmen halten es allerdings anders: So möchte die Maritim-Hotelkette keine Räume mehr an die AfD vermieten, weil ihnen die Äußerungen von Björn Höcke nicht gefallen. Der AfD-Fraktionsvorsitzende im Thüringer Landtag hatte in einer Rede in Dresden das Holocausdenkmal in Berlin als "Denkmal der Schande" bezeichnet.

Die Alternative für Deutschland wollte bento kein Statement geben. Die Frage, welche Rolle Facebook im AfD-Wahlkampf genau gespielt hat, bleibt also unbeantwortet. Sie ist nicht unwichtig, schließlich prahlte Joshua Canter von Harris Media im Bloomberg-Artikel mit direkten Verbindungen zu Mitarbeitern von Facebook. Bevor die AfD die Experten von Harris Media angeheuert habe, hätte die Partei keine Kontakte zu Facebook gehabt, heißt es in dem Artikel. 

Welche Rolle spielen Facebook, Google und Co. generell im Wahlkämpfen?
(Bild: Carl Court / Getty Images)

Eine Wahl gewinnt man heute nicht mehr nur mit Gratis-Kugelschreibern und großen Plakaten. Mittlerweile haben auch die Parteien erkannt, dass die sozialen Netzwerke ihnen die Möglichkeit geben, im Wahlkampf neue Wähler zu gewinnen. 

Hier können Parteien und Politiker direkt mit ihren Wählern kommunizieren. Die Medien werden damit übergangen.

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Posted by AfD on Freitag, 27. Oktober 2017

Die Daten, die Facebook, Google und Co. über Herkunft, Alter, Wohnort, politische Interessen, Vorlieben und Kontakte ihrer Nutzer erheben, ermöglichen es den Parteien, gezielt Werbung zu platzieren. Parteien können so zum Beispiel Menschen anwerben, die ihren bisherigen Facebook-Fans sehr ähnlich sind.

Wenn man bei asyl- und ausländerkritischen Beiträgen besonders häufig auf "Gefällt mir" klickt und durch Profile von Euroskeptikern scrollt, speichert Facebook das. In diesem Fall hätte wohl besonders die AfD ein Interesse daran, dass bei diesen Nutzern ihre Anzeigen eingeblendet werden. 

Für diese Aufgabe war im AfD-Wahlkampf die Agentur Harris Media zuständig. Die amerikanischen Werbeprofis sollten über sogenanntes "Mikrotargeting" passgenaue Botschaften an konservative, national denkende Wählergruppen zu senden.

Doch Facebook, Google und Co. verbreiten politische Informationen nicht, um uns vor der Wahl bestmöglich zu informieren. Was zählt, ist der Profit. Werbung im Wahlkampf ist für die Software-Konzerne ein lukratives Geschäft, weshalb sie sich auch mit den Parteien persönlich treffen – wie eben Anfang September mit der AfD


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