Was ist passiert?

Am Montag, dem 24. April, filmte ein 20-jähriger Mann in Thailands Urlaubsort Phuket, wie er seine elf Monate alte Tochter erhängtlive auf Facebook. Kurz darauf brachte er sich selbst um. 

Das Video blieb fast 24 Stunden auf der Plattform, mehr als 380.000 Menschen sahen es an (SPIEGEL ONLINE).

Es ist nicht der erste Fall einer Gewalttat, die über soziale Medien verbreitet wurde. 
  • Am Ostersonntag kündigte der US-Amerikaner Steve Stephens in einem Facebook-Video einen Mord an. Kurz darauf erschoss er einen älteren Mann auf offener Straße und teilte auch davon ein Video auf der Plattform. Am Tag darauf fand die Polizei Stephens tot in seinem Auto und teilte mit, er habe sich umgebracht (BBC).
  • Ende März sahen 40 Menschen auf Facebook live dabei zu, wie sechs Männer eine 15-Jährige vergewaltigten (Mashable). 
  • Im Januar war auf Facebook zu sehen, wie vier Menschen einen Mann quälen ("The Guardian"). 
  • Kurz zuvor hatten zwei Männer im schwedischen Uppsala eine Frau vergewaltigt und ihre Tat auf Facebook gestreamt (SPIEGEL ONLINE).

Auf der Facebook-Konferenz F8 beteuerte Facebook-Chef Mark Zuckerberg kurz darauf, dass sein Unternehmen im Umgang mit Gewalt-Videos noch viel zu tun habe. Wie genau er das angehen will, gab er nicht bekannt. ("Tagesspiegel"). Offiziell arbeitet Facebook an einer Software, die automatisch kritische Inhalte erkennt. Allerdings soll das Experten zufolge sehr schwierig sein (SPlEGEL ONLINE). 

Was soll ich tun, wenn ich auf Facebook Zeuge einer Gewalttat werde?

Facebook selbst erklärt auf seiner Seite, wie Nutzer "unangemessene oder missbräuchliche Inhalte" (beispielsweise Nacktheit, Hassreden oder Gewalt) melden können. Solltest du also ein Facebook-Video sehen, in dem Gewalt offensichtlich erkennbar ist, kannst du den Beitrag und verantwortlichen Nutzer bei Facebook melden. 

Wenn du dich bedroht fühlst, solltest du die Polizei rufen, schreibt Facebook weiter. Das gilt natürlich auch dann, wenn du Zeuge einer Gewalttat wirst. Deutet die Sprache oder etwas anderes darauf hin, dass die Tat in Deutschland verübt wird? Dann kannst auch du die Behörden informieren. 

Bei der Vergewaltigung einer 15-Jährigen in Chicago etwa, sahen 40 Menschen zwar dabei zu, aber keiner meldete es der Polizei. Bei einem ähnlichen Fall in Schweden waren Nutzer aktiv geworden und hatten die Ermittler in einer geschlossenen Gruppe auf Facebook darauf aufmerksam gemacht (SPIEGEL ONLINE).

Warum aber streamt jemand einen Mord oder andere Gewalttaten überhaupt auf Facebook? Wir haben den Kriminologen Christian Pfeiffer gefragt:

"Es geht dabei immer darum, Macht zu demonstrieren. Diese Menschen sind gescheiterte Verlierer ohne Selbstvertrauen, sie haben im realen Leben keine Erfolge oder Zuwendung erlebt, sondern fühlen sich gedemütigt und ohnmächtig. Sie sind schwach und haben das Bedürfnis, sich durch diese Tat stark zu machen. Sie werden dadurch Herr über Leben und Tod und wollen das allen zeigen."

Welche Rolle nehmen die Nutzer, "das Publikum", dabei ein?

"Der Täter braucht die Nutzer und Medien als Publikum, damit seine Tat Sinn macht. Er will Entsetzen erzeugen und berühmt werden. Das ist wie bei einem Amoklauf.

Ein Amokläufer bringt meistens aber viele Menschen um, hier waren es immer einzelne Opfer.

Ja, aber Hunderttausende schauen dabei zu. Die Aufmerksamkeit bekommt der Täter trotzdem. Die meisten Täter bringen sich danach sowieso um oder werden gefasst, aber sie wollen den großen Showdown, der dann bis in den letzten Winkel der Erde kommentiert wird. Und jetzt redet man selbst in Deutschland über sie, sie haben ihr Ziel also erreicht."

Er will Entsetzen erzeugen und berühmt werden. Das ist wie ein Amoklauf.
Wie sollten wir als Nutzer und Journalisten damit umgehen?

"Totschweigen ist die einzig richtige Antwort. Nicht beachten. Denn es besteht auch die Gefahr, dass sich andere die Videos anschauen und sie nachmachen."

Aber wir müssen doch darüber berichten, dass Facebook die Videos oft erst Stunden später löscht und das auch Teil des Problems ist?

"Natürlich soll darüber berichtet werden, aber differenziert und nicht mit Fokus auf die Tat selbst." 

Wie sollte die Politik mit Facebook umgehen?

Facebook muss härter bestraft werden. Was Heiko Maas angekündigt hat, diese Bußgeldstrafen bis zu 50 Millionen Euro für Hasskommentare, Hetze und Falschinformationen, ist nur ein erster Weg. Man muss mehr Erfahrungen sammeln und dafür braucht es eine unabhängige Forschung, die untersucht, ob sich solche Maßnahmen überhaupt bewähren. 


Grün

Forscher haben Füchse zu Haustieren umgezüchtet. Wirklich.

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