Bild: Franziska Gabbert/dpa-tmn/dpa
Drei Fragen, drei Antworten und ein Zitat, das zeigt, wie abgestumpft man werden kann

Manche Menschen sind grausam. Vor allem, wenn sie anonym im Internet unterwegs sind. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Löschzentren von Facebook wissen, wie grausam. Denn ihre Aufgabe ist es, den schlimmsten Mist, den Menschen auf das soziale Netzwerk hochladen, zu suchen, zu begutachten und dann wieder zu löschen. 

Wie hart das ist, was die Mitarbeiter von Facebook da jeden Tag zu sehen bekommen, zeigt jetzt eine ehemalige Mitarbeiterin aus einem Facebook-Löschzentrum in den USA. Sie verklagte Facebook, weil sie traumatisiert ist und Facebook sie ihrer Meinung nach nicht genug geschützt hat.

Was ist passiert?

Dank der Löschzentren, die Facebook in mehreren Ländern hat, sehen wir vieles gar nicht, was an grausamen Inhalten hochgeladen wird. Die Moderatoren, die diese Inhalte von uns fernhalten, sehen sie dafür geballt.

Facebook erklärt, man helfe ihnen, das zu bewältigen. Doch in einer Klage wirft eine Ex-Mitarbeiterin der Firma vor, sich nicht genug zu kümmern

Die Klägerin Selena Scola aus San Francisco arbeitete ab Juni 2017 neun Monate im Auftrag einer Zeitarbeitsfirma für Facebook, später sei bei ihr eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert worden. 

Darum sagen die Anwälte von Selena Scola, das Unternehmen ignoriere seine Pflicht, für die Sicherheit der Lösch-Center Mitarbeiter zu sorgen. Facebook greife beim Ausmisten seiner Plattform auf Zeitarbeiter zurück, die angesichts der schockierenden Inhalte irreparable traumatische Schäden erlitten. 

Die Anwälte streben eine Sammelklage im Namen aller betroffenen Facebook-Mitarbeiter an und fordern unter anderem die Einrichtung eines Fonds für medizinische Tests und Versorgung der Moderatoren.

Was sagt Facebook dazu?

Facebook räumte in einer Stellungnahme ein, dass die Arbeit häufig schwierig sei. "Darum nehmen wir die Unterstützung unserer Moderatoren unglaublich ernst". 

Die Mitarbeiter erhielten spezielles Training, zudem biete man ihnen psychologische Hilfe an. Facebook-Angestellten stehe dies hausintern zur Verfügung, von Partnerfirmen würden ebenfalls entsprechende Ressourcen verlangt. 

Über die Arbeitsbedingungen in Facebooks Löschzentren unter anderem in Asien, aber auch in Deutschland (SZ), hatte es bereits wiederholt negative Medienberichte gegeben.

Ist das denn wirklich so schlimm, was die Moderatoren in den Löschzentren von Facebook zu sehen bekommen?

In den Löschzentren werden unter anderem anstößige Videos und Bilder, Hassrede oder Gewaltdarstellung gesichtet und entfernt. 

Als Zeitarbeiter eingestellte Facebook-Moderatoren würden laut Klägeranwalt täglich tausenden Videos, Bildern und Live-Übertragungen von sexuellem Missbrauch von Kindern, Vergewaltigungen, Folter, Tiersex, Enthauptungen, Suiziden und Morden ausgesetzt.

Auch in Deutschland. Facebook gewährte 2017 einigen wenigen Journalisten Zugang zum Berliner Löschzentrum und betonte auch hier die Maßnahmen zur psychologischen Unterstützung. (SPIEGEL ONLINE)

Gespräche mit Mitarbeiterinnen – in Anwesenheit von Facebook-Vertretern – zeichneten damals ein Bild von Menschen, die mit der Härte des Jobs zu kämpfen haben und zum Teil abstumpfen. 

Ich weiß noch, das erste Enthauptungsvideo - da hab' ich dann ausgemacht, bin raus und hab erstmal ein wenig geheult. Jetzt hat man sich so daran gewöhnt, es ist nicht mehr so schlimm.
Eine 28-jährige Moderatorin im Berliner Löschzentrum von Facebook

Einer der Teamleiter sagte damals auch, Mitarbeiter müssten sich selbst melden, um psychologische Betreuung zu bekommen. "Ich als Teamleiter weiß ja nicht, ob jemand Betreuung braucht oder nicht." 

Zugleich arbeiten die Menschen in den Löschzentren mit dem Gefühl, andere vor Schaden zu bewahren: "Wenn ich jemandem ersparen kann durch meine Arbeit, dass er das sehen muss, dann finde ich das sehr gut", sagte eine der Frauen. 

Mit Material von dpa


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Fahrrad, Bus, Auto – ganz egal! Was zählt ist, wo du damit hinfährst
Manchmal ist der Weg eben nicht das Ziel...

Im Grunde sind wir ja grenzenlos.

"Mobil sein, frei sein, flexibel sein" – ein echt praktisches Mantra. Aber es ist nicht nur praktisch, es klingt auch ziemlich souverän. Gerade auf uns passt es total gut. Immerhin zelebrieren wir unseren digitalen Lifestyle – zwischen tausendundeiner App und Social Media Posts – doch genau so: Always "on", immer bereit, ständig in Bewegung. Und Grenzen? Kennen wir eigentlich nicht. Zumindest, solange irgendjemand funktionierendes WLAN hat.

Aber was heißt eigentlich "mobil" sein? Ich denke, es bedeutet vor allem, individuell zu sein. Und ungebunden. Meinen Samstagabend plane ich ja auch nicht zwei Wochen im Voraus. Wenn ich Bock habe, mit meinen Freunden bis morgens früh feiern zu gehen, gestalte ich das genauso spontan wie meinen gechillten Filmabend auf der Couch. Flexibel bin ich eben nur dann, wenn ich die freie Wahl habe. Deshalb kann ich auch mit Stolz sagen, dass ich Verbindlichkeiten nur dann eingehe, wenn ich sie wirklich sinnvoll finde.