Bild: dpa/Sedat Suna
Was ist passiert?

Bei einer schweren Explosion mitten in der türkischen Metropole Istanbul sind am Dienstag mindestens zehn Menschen getötet und 15 weitere verletzt worden. Laut Außenminister Steinmeier befinden sich acht Deutsche unter den Toten. Zudem seien mehrere Bundesbürger schwer verletzt. Darüber habe ihn die türkische Regierung informiert (Tagesschau).

Die Bombe detonierte am Vormittag auf einem bei Touristen beliebten Platz zwischen der berühmten Hagia Sofia und der Blauen Moschee. Ein Augenzeuge berichtete CNN Türk, die Bombe sei von einem Selbstmordattentäter gezündet worden. Polizisten haben das Gelände weiträumig abgesperrt. (Hürriyet, SPIEGEL ONLINE)

Wo genau ging die Bombe hoch – und was verrät uns der Ort?

Die Explosion ereignete sich im Viertel Sultanahmet. Der Stadtteil beherbergt mit der Hagia Sofia, der Blauen Moschee und dem Topkapi-Palast die drei größten touristischen Highlights der Stadt. Auch viele Hotels befinden sich hier. Wer also Istanbul besucht, besucht mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Sultanahmet.

Nach türkischen Medienberichten explodierte der Sprengsatz zwischen Hagia Sofia und Blauer Moschee – dem beliebtesten Sammelpunkt für Touristen. Augenzeugen berichten, der Täter habe sich in der Nähe einer deutschen Touristengruppe in die Luft gesprengt haben. "Der Attentäter ist direkt an mir vorbei", zitiert der Sender Habertürk die Aussage eines deutschen Touristen, "dann hat er sich in die Luft gesprengt."

Tweet der unabhängigen türkischen Journalistenorganisation "140 Journos" zur Position des Anschlags: unmittelbar nehmen dem Ägyptischen Obelisken neben der Blauen Moschee.

Erdogan spricht von Selbstmordattentäter aus Syrien

Laut dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan hatte der Selbstmordattentäter Verbindungen nach Syrien. Für diese Behauptung lieferte er allerdings keine Beweise. Türkische Sicherheitsbehörden halten es für "sehr wahrscheinlich", dass die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) hinter der Explosion steckt.

Wie wahrscheinlich ist Erdogans Version?

Noch hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt. Da das Anschlagsziel mitten im Touristenviertel liegt, liegt zumindest ein terroristischer Hintergrund nahe. Der IS stellt sich offensiv gegen die Türkei – wie eigentlich auch gegen den Rest der Welt. Schon im vergangenen Jahr hatte der IS einen schweren Selbstmordanschlag in der Türkei verübt. Bei einem Anschlag im südtürkischen Suruc starben 34 Menschen, über 70 wurden verletzt. Der IS drohte der Türkei später in einer Videobotschaft mit weiteren Angriffen.

Das Auswärtige Amt warnt Urlauber aufgrund der Unübersichtlichkeit der Lage, Menschenmassen vorerst zu meiden.

Wie steht die Türkei zum Treiben des IS?

Bis vor einem halben Jahr hatte der IS vom Wohlwollen der türkischen Regierung profitiert: Sein Kerngebiet hat die Miliz in Nordsyrien und Teilen des Irak, beides Grenzländer der Türkei. Kämpfer und Lebensmittel schleust der IS daher über das türkische Grenzgebiet gen Syrien. Auf entgegengesetztem Weg verkauft er Erdöl in die Türkei, um seine Geschäfte zu finanzieren. Da der IS zudem gegen mit der Türkei verfeindeten Kurden kämpft, ignorierte Ankara die Islamisten bislang. (Jihadiwatch)

Das änderte sich mit dem Anschlag in Suruc. Seither hat die türkische Regierung im internationalen Kampf gegen die Terrorgruppe deutlich verstärkt: Von türkischen Stützpunkten aus fliegt eine von den USA angeführte Koalition Luftangriffe gegen IS-Stellungen in Syrien und im Irak. Auch die Bundeswehr unterstützt mit "Tornado"-Aufklärungsflugzeugen diesen Einsatz.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels hieß es, es seien mindestens neun Deutsche unter den Opfern. Das hatte die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf einen anonymen Regierungsvertreter zunächst gemeldet.

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