Bild: Pablo Blazquez Dominguez/Getty Images / dpa / Montage: bento
Jung, europäisch, sucht Zukunft

Junge Spanierinnen und Spanier haben mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage in ihrem Land zu kämpfen, die Frauenbewegung ist so stark wie kaum anderswo – und seit wenigen Tagen sitzen erstmals Rechtspopulisten im spanischen Parlament. Vor der Europawahl stehen in dem Land vor allem nationale Themen im Vordergrund.

Jung, europäisch, sucht Zukunft

Vom 23. bis 26. Mai wählt Europa ein neues Parlament, mehr als 400 Millionen Menschen sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Was in Europa gewählt wird, das geht auch uns an – und hat Auswirkungen auf unser Leben. 

Von Estland bis Spanien, von Griechenland bis Großbritannien – wie ist die Stimmung, welche Themen interessieren junge Menschen? Wir haben einige Länder unter die Lupe genommen und mit jungen Journalistinnen und Journalisten vor Ort gesprochen.

So ist die politische Lage in Spanien

Erst vor wenigen Wochen wurde in dem Land das letzte Mal gewählt. Die sozialdemokratische PSOE errang dabei die meisten Stimmen, die konservative "Partido Popular" stürzte ab und verlor etwa die Hälfte ihrer Wähler. Ministerpräsident Pedro Sánchez von der PSOE kann seinen Posten wahrscheinlich trotzdem behalten, benötigt aber Unterstützung von der linksgerichteten "Podemos"-Bewegung und regionaler Parteien.

Sánchez ist erst seit 2018 im Amt, nachdem das Parlament dem konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy das Misstrauen ausgesprochen hatte und mehrere ehemalige Führer der "Partido Popular" wegen Korruption zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden waren. (SPIEGEL ONLINE)

Gleichzeitig mit den Europawahlen finden am Sonntag lokale Wahlen statt. Deswegen wurde die Regierungsbildung erst einmal pausiert.

Mit "Vox" sitzt seit April erstmals eine ultrarechte Partei im spanischen Parlament. Laut aktuellen Umfragen wird sie auch mit sechs Abgeordneten ins Europäische Parlament einziehen. Neben islam- und migrationsfeindlichen Positionen fällt Vox vor allem durch Anti-Feminismus auf.

"Ich glaube, Vox ist zum Teil eine Gegenreaktion auf die feministische Bewegung der vergangenen Jahre", sagt Ana Requena. Sie ist Ressortleiterin "Gender" bei dem Newsportal "eldiario.es" und befasst sich schon lange mit der Frauenbewegung in Spanien.

Was in Spanien vor der Europawahl 2019 wichtig ist

Die spanische Politik ist weitaus weiblicher als in den meisten anderen Ländern: 47 Prozent der Abgeordneten im neuen Parlament sind Frauen, mehr als die Hälfte der Ministerinnen und Minister in der aktuellen Regierung sind weiblich. Im vergangenen Jahr gab es Massenproteste, nachdem eine Frau missbraucht worden war, die Täter aber nicht wegen Vergewaltigung verurteilt wurden. Die Regierung brachte ein "Ja heißt Ja"-Gesetz auf den Weg, um Fälle wie diese künftig zu verhindern.

Ana sagt, die rechte Partei Vox schüre Angst vor Einwanderern und stelle Verbindungen her zwischen Kriminalität und dem Druck auf das Sozialsystem. "Aber sie antworten damit nicht auf bestehende Vorurteile in der Bevölkerung, wie in anderen Ländern."

Der Europa-Wahlkampf ist in Spanien in den Hintergrund geraten, gerade wird mehr über nationale Themen debattiert. "So viele Wahlen innerhalb eines Monats sind ein Problem", sagt Ana. "Ich glaube, das wird einen negativen Effekt auf die Europawahl haben."

Wenn es doch um europäische Themen gehe, setzten die linksgerichteten Parteien vor allem auf Klimaschutz und Feminismus. Ana sieht darin ein Problem: Auch die Debatte um Migration müsse eigentlich auf europäischer Ebene geführt werden, um die Probleme zu lösen.

Was junge Spanierinnen und Spanier bewegt

Wirtschaftliche Probleme machen der jungen Generation zu schaffen. Die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien ist mit 33,7 Prozent am zweithöchsten innerhalb der Europäischen Union. Auf dem Arbeitsmarkt gibt es wenige Chancen für junge Menschen und auch die Gehälter sind niedrig. "Viele junge Spanierinnen und Spanier denken darüber nach, ins Ausland zu gehen, um Arbeit zu finden", sagt Ana.

Ein weiteres Problem sei der Wohnungsnotstand: "Gerade in großen Städten wie Madrid und Barcelona ist es sehr schwierig für junge Leute, die Mieten zu bezahlen, weshalb sie viel länger bei ihren Eltern leben." Das habe auch Auswirkungen darauf, wann und ob junge Leute Kinder bekommen, sagt Ana. "Wenn man Anfang 30 ist und keine Möglichkeit hat, sich eine gemeinsame Wohnung zu leisten, keine Stabilität, dann bekommt man keine Kinder."

Auch sexuelle Gewalt sei nach dem "Ja heißt Ja"-Gesetz weiter ein großes Thema. "Es geht nicht nur um Gesetze, sondern auch um einen sozialen Wandel. Junge Frauen wollen ein Leben, das frei von Gewalt ist. Sie wollen nachts nach Hause gehen können, ohne belästigt zu werden."

Unter jungen Männern hat die rechte Vox-Partei viele Anhänger. "Das Profil der Vox-Wähler ist hauptsächlich männlich, zwischen 25 und 54, katholisch und konservativ", sagt Ana. Und: Viele seien erst zu den Ultra-Rechten übergelaufen, nachdem die Partido Popular im Korruptionsskandal untergegangen war.

bento per WhatsApp oder Telegram


Streaming

Traumhochzeit und Klobürstenkleid: Das Staffelfinale von GNTM im Speed-Check

"Nur eine kann Germany's Next Topmodel werden." Diesen Satz haben wir in diesem Jahr zum vorerst letzten Mal gehört. Nach 15 Wochen stand nämlich das große Staffelfinale der Show an. Die selbsternannte Modelmama Heidi Klum musste sich zwischen Sayana, Cäcilia und Simone entscheiden. 

Wer GNTM 2019 gewonnen hat, könnt ihr in unserem Speed-Check nachlesen.