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Ergebnis: Von einer "Islamisierung" kann keine Rede sein.

Europa ist ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen und Religionen, dazu gehören auch Muslime. Ihre Zahl wird in den kommenden Jahren weiter wachsen. 

  • Zum einen, weil weiterhin Flüchtlinge aus mehrheitlich muslimischen Ländern nach Europa fliehen werden.
  • Zum anderen, weil in muslimischen Familien gegenwärtig mehr Kinder geboren werden.

Wie stark sich die Zahl der Muslime in Europa verändern wird, haben nun Forscher in fiktiven Szenarien näher untersucht. 

Das nüchterne Ergebnis: Eine "Islamisierung" wird es nicht geben.
  • Um was für eine Untersuchung geht es?

Um drei mögliche Szenarien, aufgestellt vom US-amerikanischen Institut Pew Research Center. Hier geht's zu den Ergebnissen.

Die Forscher haben sich den Bevölkerungsanteil von Muslimen in allen EU-Staaten sowie der Schweiz und Norwegen angeschaut. Dann haben sie Szenarien für gar keine, wenige und hohe Zuwanderung entwickelt und errechnet, wie stark der Anteil der Muslime am Bevölkerungsschnitt zunimmt.

Achtung

Die Forscher sagen selbst: Ihre Untersuchung ist nur eine "Projektion", was passieren könnte. Es sei auf keinen Fall eine realistische "Prognose". 

Das soll heißen: Die Zahlen sind sehr ungenau.

  • Zu welchen Ergebnissen kommen die Forscher?
1. Die Anzahl der Muslime wird bis 2050 in jedem Fall zunehmen, auch wenn Europa seine Grenzen dicht macht. 

Gäbe es keine Zuwanderung, würde sich ihre Zahl demnach von derzeit knapp 26 Millionen auf 36 Millionen erhöhen. Bei weiterhin hoher Zuwanderung würde er sich auf etwa 75 Millionen verdreifachen.

2. Das Wachstum bleibt aber insgesamt gering – an der Gesamtbevölkerung haben Muslime nur einen kleinen Anteil.

Momentan ist jeder zwanzigste Europäer muslimischen Glaubens (4,9 Prozent der Bevölkerung). Ohne weitere Zuwanderung würde sich der Anteil auf 7,4 Prozent erhöhen, bei mittlerer Zuwanderung auf 11,2 Prozent und bei hoher Zuwanderung auf 14 Prozent. Im extremsten Szenario wäre also jeder siebte Europäer Muslim.

3. Die größten Zuwächse gibt es in Schweden, Deutschland und Frankreich.

In Schweden könnte fast jeder dritte Muslim sein, in Deutschland und Frankreich knapp jeder fünfte – wenn das Szenario mit hoher Zuwanderung eintritt. Die geringe Zuwanderung geht für Deutschland von einem Bevölkerungsanteil von 10,8 Prozent bis 2050 aus.

  • Wie sind die Zahlen zu bewerten?

Schwierig, wie die Pew-Forscher selbst betonen. Da man nur schätzen könne, wie viele Muslime kommen und kaum wisse, wie sich die europäischen Gesellschaften entwickeln werden, sind die Zahlen nur als grobe Orientierung gedacht. 

Die Verschwörungstheorien Rechten und Rechtsradikalen, wonach sich Deutschland "abschaffen" würde oder ganz Europa "islamisiert" würde, lassen sich mit den Zahlen nicht belegen. Selbst das Szenario, das von hoher Zuwanderung ausgeht, ergibt ein anderes Bild. 

Fest steht: Europa muss lernen, damit umzugehen, dass Muslime hier leben und hier bleiben werden. Die Angst vor einer "Überfremdung" bleibt jedoch unbegründet.

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Warum die Glyphosat-Entscheidung die Große Koalition gefährdet
Landwirtschaftsminister Christian Schmidt ignorierte eine Warnung aus dem Kanzleramt – und wird nun bedroht.

Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat hat einen ernsthaften Streit zwischen SPD und CDU ausgelöst – und erschwert nun die Gespräche über eine Große Koalition. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) wird wegen der Entscheidung sogar bedroht. Wie konnte es dazu kommen? Hier sind die Antworten auf die vier drängendsten Fragen.

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Am Montag hat die EU-Kommission darüber abgestimmt, ob das Pestizid Glyphosat weiterhin und trotz der angeblichen Risiken für die Gesundheit auf Feldern genutzt werden darf. Das Ergebnis: Glyphosat wird für fünf weitere Jahre zugelassen. (Handelsblatt

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