Bild: dpa; Montage: bento
Eine Fake News teilt sich gerade massiv

Die Tafel in Essen hat beschlossen, vorerst keine ausländischen Bedürftigen mehr aufzunehmen. In der Vergangenheit habe es zu viele Probleme mit Flüchtlingen gegeben, nun soll Deutschen der Vorzug gegeben werden. (bento)

Die Entscheidung wurde in den vergangenen Tagen in sozialen Netzwerken, in den Medien und auch in der Politik diskutiert. Manche hatten Verständnis für die Lösung, andere kritisierten sie als zu radikal. Es müsse andere Wege geben, für Ordnung zu sorgen – Bedürftige dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Die Nachricht, die sich auf Facebook aber am meisten verbreitete, war ein: Fake.

Es handelt sich um einen "Artikel" der Seite Halle-Leaks. Dahinter steckt ein rechter Hetzblog, der gezielt Falschmeldungen im Netz streut, um so viele Likes und Interaktionen zu provozieren. 

Der Titel der Fake News lautete: "Laut Merkel ist Flüchtlingen bei den Tafeln unbedingter Vorrang zu geben – Wir luden sie ein". Auf der Seite 10.000 Flies, die Interaktionen misst, liegt der "Artikel" auf Platz eins – in drei Tagen hat er knapp 62.000 Interaktionen geholt. Allein am ersten Tag sammelte die Meldung laut dem Mediendienst Meedia mehr als 23.700 Interaktionen – mehr als viele andere journalistische Texte an diesem Tag.

Der "Artikel" wurde von einem anonymen Autor verfasst, das angebliche Zitat wird Merkel untergeschoben. Als Quelle wird unter dem Absatz auf Zeit Online verlinkt.

Was stimmt wirklich?

Merkel hat das nie gesagt. Schon der Link auf Zeit Online führt zu ganz anderen Aussagen. Dort wird Bezug auf ein RTL-Interview genommen. Merkel betont darin, dass sie "Kategorisierungen" ablehne und für Gleichbehandlung ist – einen Vorrang für Flüchtlinge hat sie nie gefordert. Wörtlich sagte die Bundeskanzlerin:

Da sollte man nicht solche Kategorisierungen vornehmen. Das ist nicht gut. Aber es zeigt auch den Druck, den es gibt.

Warum ist das wichtig?

Rechte benutzen den Begriff "Fake News" häufig, um journalistische Arbeit zu diskreditieren. Tatsächlich steht die Bezeichnung für das, was der Name sagt: erfundene Meldungen. Davon gibt es im Netz jede Menge, nicht immer sind sie klar zu erkennen.

Das Beispiel mit dem falschen Merkel-Zitat zeigt, wie sich Stimmungen aufheizen lassen und so Lügen in Umlauf geraten. Und es zeigt, dass Facebook immer noch kein Konzept entwickelt hat, solche Lügen zu verhindern. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte im vergangenen Jahr versprochen, Konzepte zu entwickeln, die "Fake News" nicht mehr so prominent an Nutzer ausspielt.

Wir haben andere Tafeln gefragt, wie sie Gedränge bei der Ausgabe verhindern:


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Irgendwann sagt Carina diesen frustrierten Satz: "Ich habe gekündigt hierfür. Geil." Wofür genau? Für ihn hier: