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Was hinter der Regel steckt – und wie andere Tafeln reagieren.

Die Essener Tafel will zurzeit nur noch Deutsche aufnehmen – denn der Anteil nicht-deutscher Kunden liegt mittlerweile bei 75 Prozent. Die Regel soll vorübergehend greifen.

Die Tafel Essen hat rund 6000 Nutzer, etwa 4500 davon sind Flüchtlinge und Zuwanderer.

Besonders ältere Tafel-Nutzerinnen und alleinerziehende Mütter hätten sich von der Vielzahl junger, fremdsprachiger Männer abgeschreckt gefühlt, sagte der Vereinsvorsitzende Jörg Sartor der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". 

Eine Hinweistafel an einer Ausgabestelle der Tafel(Bild: dpa / Christian Schultz)

Noch vor drei Jahren sah es demnach umgekehrt aus: 2015 lag der Anteil nicht-deutscher Kunden bei der Essener Tafel 35 Prozent.

Wieso hat die Zahl so zugenommen?

Viele Bedürftige aus dem Ausland waren zuerst in städtischen Unterkünften untergebracht. Dort wurden sie mit Lebensmitteln versorgt. Als dann viele Geflüchtete in Deutschland anerkannt wurden, erhielten sie auch Anspruch auf Sozialleistungen. 

Wer Hartz IV, Wohngeld oder Grundsicherung erhalte, werde bei der Tafel aufgenommen, erklärte Sartor. So wurden immer mehr Asylbewerber auf das Angebot aufmerksam. Doch die Einrichtung bemerkte bald, dass sich die Atmosphäre in der Tafel veränderte.

Bei der Essensausgabe habe es immer wieder Geschubse und Gedränge gegeben. Umfragen unter Kundinnen hätten ergeben, dass diese sich bei der Essensausgabe unsicher fühlten. Daraufhin habe der Verein beschlossen, vorerst nur Kunden mit einem deutschen Personalausweis aufzunehmen. 

"Wir wollen, dass auch die deutsche Oma weiter zu uns kommt", sagte Jörg Sartor. Aber: Die Entscheidung sei keinem der Vereinsmitglieder leicht gefallen. 

Wie sieht die Situation bei anderen Tafeln in Deutschland aus? 

Ist ein Aufnahmestopp für eine bestimmte Gruppe Bedürftiger die einzige Möglichkeit, um Situationen wie die in der Essener Tafel zu vermeiden? Wir haben bei Tafel-Betreiberin in Berlin und Hamburg nachgefragt.

  • So funktioniert es in Berlin:

In Berlin gibt es 45 Ausgabestellen, die monatlich bis zu 50.000 Bedürftige mit Lebensmitteln versorgen. Dabei sei das wichtigste Kriterium bei der Abgabe immer die Bedürftigkeit der Menschen, nicht deren Nationalität, sagt Antje Trölsch, Geschäftsführerin der Berliner Tafel.

Antje Trölsch, Geschäftsführerin der Berliner Tafel(Bild: Berliner Tafel)

In vielen Berliner Tafel Einrichtungen gibt es ein einfaches System, das die Lebensmittelausgabe regelt, sagt Trölsch: "Um Situationen zu vermeiden, in denen sich Bedürftige gegenseitig verängstigen und bedrängen könnten, haben wir ein Farbsystem entwickelt." 

"Den Bedürftigen wird eine von vier Farben zugeteilt: Rot, Grün, Gelb oder Blau. Für jede Farbe gibt es eine feste Ausgabezeit, zu der sie ihre Lebensmittel abholen können." 

Dieses System entschärfe die stressigen Situationen, die entstehen können, wenn alle Bedürftigen zur gleichen Zeit ihre Lebensmittel abholen wollen. Für alle gelten die gleichen Regeln. 

Warenausgabe in einer Ausgabestelle der Tafel in Berlin-Tempelhof(Bild: die tafel / Dagmar Schwelle)
  • Und so funktioniert es in Hamburg:

In Hamburg gibt es 26 Einrichtungen der Tafel. Christian Tack, Geschäftsführer der Hamburg Tafel, sagt, sie haben sich gegen das "Windhundprinzip" entschieden, bei dem der Erste in der Schlange auch zuerst bedient wird.

Christian Tack, Geschäftsführer der Hamburger Tafel (Bild: Hamburger Tafel)

"Stattdessen gibt es bei uns ein Losverfahren. Jeder, der herkommt, zieht ein Los, das entscheidet darüber, wann er die Lebensmittel entgegennehmen kann." 

Einen Aufnahmestopp für Menschen einer bestimmten Nationalität zu verhängen, hält Tack für nicht tragbar. "Wenn eine unserer Einrichtungen regelmäßig überfüllt ist, gibt es einen Aufnahmestopp für alle. Und wir kümmern uns darum, dass wir so schnell wie möglich eine weitere Einrichtung eröffnen, damit sich die Leute verteilen", sagt Tack. 

So regelt es auch die Berliner Tafel. Dort haben zurzeit vier Einrichtungen einen Aufnahmestopp verhängt, der aber auch hier für alle Bedürftigen gilt. 

Ehrenamtliche und Bedürftige in der Einrichtung "Steilshooper Büd'l" der Hamburger Tafel (Bild: dpa / Markus Scholz)

Die Essener Tafel möchte die Aufnahmesperre für nicht-deutsche Bedürftige so lange beibehalten, bis die Waage wieder ausgeglichen sei, sagte der Vorsitzende Sartor gegenüber der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".

Auf eine Anfrage von bento hat die Essener Tafel am Donnerstag nicht reagiert.


Today

Dieses Opossum sagt, was sich sonst keiner auszusprechen traut
Zumindest kann man ihm einiges in den Mund legen.

Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht. 

Und da man dabei nicht unbedingt auf die Bild-Zeitung verlassen sollte, muss manchmal jemand anders her. Zum Beispiel ein Opossum.

"Sand Mountain Sam" ist ein Opossum, also eine in den USA weit verbreitete Beutelratte. Sam ist allerdings nicht nur irgendeine Beutelratte. Das liegt erstens an seinen übersinnlichen Fähigkeiten: Sam kann nämlich das Wetter voraussagen. Oder zumindest sagt man ihm das nach. 

Die Einwohner seiner Heimat, dem Tennessee Valley, glauben nämlich, dass, wenn Sam an einem bestimmten Tag im Februar seinen eigenen Schatten sieht, noch sechs weitere Wochen Winter herrscht. (Sandmountain Reporter)