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Das Landgericht Köln hat am Dienstag einen Antrag des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan gegen den Journalisten Mathias Döpfner zurückgewiesen. Der Präsident hatte gegen den Chef des Axel Springer Verlages eine einstweilige Verfügung beantragt. Dabei ging es erneut um das Schmähgedicht von Jan Böhmermann.

Die Pressekammer des Gerichts begründete die Entscheidung mit dem grundrechtlich gewährleisteten Recht Döpfners auf freie Meinungsäußerung. Gegen das Urteil ist sofortige Beschwerde beim Kölner Oberlandesgericht möglich. (SPIEGEL ONLINE)

Warum wollte Erdogan überhaupt gegen den Springer-Chef klagen?

Döpfner hatte das Schmähgedicht von Jan Böhmermann unterstützt. In einem offenen Brief in der "Welt am Sonntag" schrieb er: "Ich finde Ihr Gedicht gelungen. Ich habe laut gelacht." Außerdem betonte der Konzern-Chef: "Ich möchte mich, Herr Böhmermann, vorsichtshalber allen Ihren Formulierungen und Schmähungen inhaltlich voll und ganz anschließen und sie mir in jeder juristischen Form zu eigen machen."


Gerechtigkeit

Wenn islamische Gelehrte Social Media entdecken
Fünf Fatwas und ihre Folgen

Der Islam ist in den Augen vieler Kritiker eine mittelalterliche Religion mit in Stein gemeißelten Regeln. Die Scharia, die islamische Rechtssprechung, gilt als Gesetzbuch voller Verbote und Verneinungen. Die Fatwas, einzelne Gesetze, gelten als Aufrufe zu Steinigungen und Ehrenmord.

Richtig ist beides nicht: Die Scharia bedeutet im Arabischen "Straße", gemeint ist damit der Weg, den ein Gläubiger einschlagen muss, um tugendhaft zu sein. Dazu gehört die Beachtung aller Gesetze, die aber unter den Gelehrten ständig in Diskussion und Wandel sind. Denn: Der Koran ist zwar eine Grundlage, aber schon Jahrhunderte alt. Auf moderne Fragen ("Kann ich beim Beten Nagellack tragen?") kennt er keine Antworten. Hier kommen Religionsgelehrte zusammen – und diskutieren neben dem Koran auch andere Quellen, um Regeln aufzustellen.