Es gibt sie mit Sensoren, roten Warnlichtern, passender App: Überall sieht man Werbung für Hightech-Zahnbürsten. Aber braucht man wirklich eine? Ist die elektrische Zahnbürste überhaupt besser als eine herkömmliche? 

Wir haben nachgefragt und uns die Vor- und Nachteile erklären lassen: von Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. 

Reinigen elektrische Zahnbürste gründlicher? 

"Es gibt dazu unterschiedliche wissenschaftliche Aussagen", sagt Oesterreich. "Im Grunde kommt es aber auf Technik und Gründlichkeit an – und darauf, wie viel Zeit man sich für die Zahnreinigung nimmt. Man kann eine gute Mundhygiene auch mit einer normalen Zahnbürste erreichen." 

Eine elektrische Zahnbürste kann aber dazu führen, dass man länger – und damit gründlicher – die Zähne putzt. Denn viele von ihnen haben eine integrierte Zeitmessung. Wer sich daran hält, putzt je nach Modell mindestens zwei Minuten und wischt nicht nur schnell mit der herkömmlichen Zahnbürste durch den Mund.  

Welche Vorteile können elektrische Zahnbürsten haben? 

Die Zeiterfassung ist also ein Pluspunkt – aber die ist nicht unbedingt nötig. "Als empfohlene Zeitangabe werden häufig drei Minuten genannt. Jedoch ist es individuell sehr unterschiedlich, welcher Zeitrahmen notwendig ist", sagt Oesterreich. "Wer manuell sehr geschickt ist, keine individuellen Probleme aufweist und die Zähne systematisch reinigt, kommt mit dieser Zeit gut zurecht. Andere brauchen dagegen mehr Zeit." Außerdem könnte man sich zur Orientierung natürlich einfach eine Uhr ins Bad stellen, oder am Handy die Zeit stoppen.  

Einige elektrischen Zahnbürsten reagieren auch auf zu hohen Druck. Sie leuchten auf, wenn die Borsten zu fest auf die Zähne gedrückt werden. Ein sinnvolles Feature: "Wir beobachten häufig, dass mit zu hohem Putzdruck gearbeitet wird", sagt der Experte. Und weiter: 

Eigentlich sollte man nur geringen Druck aufwenden, denn weiche Zahnbeläge sind gut zu entfernen.

Wer denkt, dass er mit festerem Schrubben einen größeren Effekt erreicht, dem ist durch eine elektrische Zahnbürste vielleicht geholfen. 

Was bringen Rotation und Schallbewegungen der elektrischen Zahnbürste? 

Mehr als 8000 Rotationen pro Minuten, oszillierende und pulsierende Bewegungen: Die Beschreibungen der Hightech-Bürsten klingen fast etwas beängstigend – braucht man das wirklich? Experte Oesterreich würde das vom Einzelfall abhängig machen, genau wie eine spezielle Form der Borsten. "Studien und offizielle Tests können die Frage immer nur unter Standardbedingungen untersuchen. Es gibt Menschen, bei denen zum Beispiel durch sehr eng zusammenstehende Zähne eine bestimmte Form besonders geeignet sein kann." Hier sollte man wirklich mal den Zahnarzt fragen, ob es für die eigenen Zähne eine bestimmte Empfehlung gibt. 

Können elektrische Zahnbürsten auch die Zahnzwischenräume putzen? 

Nein, leider nicht. "Zahnzwischenräume sollten gesondert gesäubert werden", rät Oesterreich. 

Bei jungen Erwachsenen ist Zahnseide die beste Lösung dafür.

Denn die kommt selbst in die kleinen Zwischenräume, bei denen die Borsten der besten Bürste keine Chance haben. Wer ziemlich große Zahnzwischenräume hat, für den sind spezielle Zwischenraumbürsten eine gute Lösung. "Mit denen erreicht man sogar noch mehr Flächen als mit Zahnseide", sagt Oesterreich. Er empfiehlt, einmal täglich die Zwischenräume zu reinigen – ob morgens oder abends, ob vor oder nach dem Zähneputzen, das ist dabei egal. Hauptsache, man macht es. Denn wenn sich in den Zwischenräumen Rückstände sammeln, kann das zu Karies führen. 

(Bild: Unsplash/Alex )

Welche Zahnputz-Technik ist die beste? 

Mit elektrischer Zahnbürste oder komplett manuell: Um die Zähne gründlich zu reinigen, kommt es auf die richtige Technik an. "Wichtig ist es, dass alle Flächen gut erreicht und gereinigt werden: Kauflächen, Außenflächen und Innenflächen.“ Und nicht überall sollte man gleich vorgehen. "Die Kauflächen kann man ruhig schrubben, auf den Außen- und Innenflächen sollte man vorsichtiger sein. Hier ist es am besten, vom Zahnfleischrand hin zur Kaufläche zu reinigen – am besten in einer fegenden Bewegung", rät Oesterreich. Denn so entfernt man die Beläge vom Zahnfleisch. Kreisendes Putzen eignet sich dafür nicht, weil man dann auch immer die Bewegung in die falsche Richtung ausübt. Wichtig außerdem: nicht zu viel Druck ausüben. Oesterreich sagt: 

Das Ziel ist es nicht, Kaffee- oder Rotweinbeläge zu entfernen, das schafft man nicht.

"Aber Bakterien, die Karies auslösen, sind abwischbar – dafür ist nur geringer Druck nötig." Wenn man die Bürste zu stark aufdrückt oder die Zähne richtig abschrubbt, kann das die Zahnsubstanz angreifen. Außerdem ist es möglich, dass sich durch eine zu aggressive Putzweise das Zahnfleisch zurückzieht.

Wie oft muss man die Zahnbürste wechseln?

Das gilt sowohl für klassische als auch elektrische Varianten: Nach zwei bis drei Monaten muss eine neue Zahnbürste her. "Man sollte die Zahnbürste immer wieder kontrollieren und erkennt dann selbst, wann sie ausgetauscht werden sollte", sagt Oesterreich. "Wenn sich die äußeren Borsten nach außen neigen, dann können sie rein mechanisch keine optimale Reinigung mehr durchführen." Man erreicht nicht mehr alle Stellen mit der Bürste – also ist es Zeit für einen Wechsel.

Hier gibt es Putzgeräte

Auf der Suche nach einer elektrischen Zahnbürste? Es gibt Modelle, die gut aussehen und weniger gut putzen, es gibt Versionen mit Internet-Anschluss und App – und es gibt einfach gute elektrische Zahnbürsten, die ohne viel Aufhebens das tun, was sie sollen. Zum Beispiel von Oral-B die Pulsoni Slim Luxe 4100 für rund 70 Euro oder die Philips Sonicare ProtectiveClean 4500 für rund 90 Euro. 

Wer lieber händisch putzt und dringend die Bürste wechseln muss: Von Curaprox gibt es weiche (und superbunte) Zahnbürsten im Dreierpack für rund 10 Euro.

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Ist eine professionelle Zahnreinigung nötig? 

Zahnärzte raten einem gern zur professionellen Zahnreinigung in der Praxis – ist das wirklich sinnvoll oder geht es dabei nur ums Geld? "Das hängt ganz vom Einzelfall ab: Je besser die eigene Mundhygiene, desto geringer die Notwendigkeit einer professionellen Reinigung", sagt Oesterreich. Wer also regelmäßig mit der richtigen Technik putzt und auch die Zwischenräume beachtet, kann das Problem selbst in den Griff bekommen. 

Aber es kommt auch darauf an, wie es im Mund aussieht: "Wer viele Füllungen und häufig Probleme mit Karies hat, der sollte auf den Rat des Arztes hören und eine professionelle Zahnreinigung durchführen", sagt der Experte. "Auch, wenn man unter Zahnfleischblutungen leidet oder die Zahnfleischtaschen vertieft sind, dann kann das ein Zeichen sein, dass man die gründliche Reinigung alleine nicht in den Griff bekommt."

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Gerechtigkeit

Wie Indymedia funktioniert und warum es so leicht ist, auf Falschmeldungen reinzufallen

Ein Bekennerschreiben zum Überfall auf den AfD-Politiker Frank Magnitz teilten Hunderte innerhalb weniger Stunden. Medien und Abgeordente verschiedener Parteien kommentierten die Erklärung für den Angriff auf den rechtspopulistischen Politiker

In der Überschrift hieß es: "Wer Hass sät, wird Gewalt ernten". Und weiter: "Der Antifaschistische Frühling Bremen gibt bekannt, dass wir den AfD-Politiker F. Magnitz am Montag (...) von seinem faschistischen Gedankengut befreien wollten. Magnitz (...) gehört mundtot gemacht."

Aber auf Indymedia kann jede und jeder anonym Texte veröffentlichen. 

Das angebliche Bekennerschreiben enthielt nur bereits öffentlich bekannte Informationen. Das Wort "mundtot" ist unüblich in linken Kreisen. Von den Autoren sind bislang keine weiteren Einträge auf Indymedia zu sehen.

Warum bekam die Erklärung dann dennoch so viel Aufmerksamkeit? Und welche Rolle spielt Indymedia bei den Auseinandersetzungen radikaler politischer Gruppen?

1 Wie Indymedia funktioniert

Indymedia, kurz für "Independent Media Center", ist ein Netzwerk verschiedener linksradikaler Internetseiten und Gruppen. Entstanden ist es 1999 bei Protesten gegen eine Konferenz der Welthandelsorganisation in Seattle. Zwei Jahre später entstand der erste deutsche Ableger. Inzwischen gibt es weitere, der bekannteste ist inzwischen de.indymedia.org

Die Macher des Projekts sitzen an verschiedenen Orten, kommuniziert wird über verschlüsselte Chats und E-Mail-Verteiler. Eines der Grundprinzipen: Im Bereich "Openposting" kann grundsätzlich jede und jeder Interessierte anonym selbst Inhalte auf die Seite stellen. Eine Anmeldung oder Verifizierung ist nicht notwendig. Nur selten werden Inhalte von den Betreibern gelöscht.

2 Weshalb die Seite so umstritten ist

Neben Veranstaltungshinweisen und Berichten finden sich auf Indymedia auch immer wieder Bekennerschreiben und Aufrufe zur Gewalt. Die ursprünglich in Süddeutschland entstandene Abspaltung "linksunten.indymedia.org" wurde deshalb kurz nach den Krawallaen beim G20-Gipfel 2017 in Hamburg vom Bundesinnenministerium verboten und abgeschalten.