Bild: dpa / Frank Leonhardt
Damit wir alle daraus lernen.

Das alte Fahrrad loswerden oder ein neues günstig kaufen, ein Bett verschenken oder einen coolen Vintage-Sessel für nur 15 Euro ergattern: Für all das nutzen Millionen Deutsche den Online-Marktplatz Ebay-Kleinanzeigen.

Im August 2018 besuchten knapp 30 Millionen Nutzer die Plattform (Statista). Egal, ob als Verkäufer oder Käufer: Die Registrierung ist kostenlos, Angaben wie Name und Wohnort werden bei der Anmeldung nicht überprüft.

Das macht Verkäufe dort unkompliziert, lässt aber auch Raum für Abzocke und Tricksereien. (bento)

bento hat Leserinnen und Leser gefragt: Wurdet ihr schonmal über Ebay-Kleinanzeigen abgezockt?

Aus den vielen Zuschriften haben wir vier dreiste Geschichten ausgesucht:

Ralf und die Vespa

"Im April habe ich meine Vespa bei Ebay-Kleinanzeigen zum Verkauf angeboten. Ich hatte sie mir neu gekauft, mich dann aber in ein Motorrad verliebt und wollte die Vespa wieder loswerden.

Schnell meldete sich ein Interessent, der sich über den Zustand des Rollers informierte. Er rief mich sogar mit unterdrückter Nummer an und schlug vor, dass wir uns zu einer Probefahrt treffen könnten.

Wir trafen uns an einer Pommesbude. Der Interessent lud mich auf einen Kaffee ein, wir plauderten fast eine Stunde. Eigentlich bin ich ein sehr misstrauischer Mensch, aber der Mann machte einen vertrauenswürdigen Eindruck, zeigte mir sogar Bargeld, das er dabei hatte.

Als er dann fragte, ob er eine Runde mit der Vespa drehen könne, wollte ich trotzdem seinen Führerschein als Pfand einbehalten. Der Mann wühlte in seiner Tasche und setzte sich dabei schon auf den Roller. Plötzlich gab er Gas. Ich sah ihn nur noch davon fahren.

Die Polizei war zwar schnell vor Ort, doch trotz der Zeugen aus der Pommesbude werteten die Beamten den Vorfall nicht als Diebstahl. Auf der Anzeigenerstattung steht "Entwendung", weil ich den Käufer ja gekannt hätte. Deshalb zahlt nun auch die Versicherung nicht. 

Das Dreisteste war, dass sich der Dieb am gleichen Abend nochmal bei mir meldete. Er schrieb über einen Internet-SMS-Service, ich solle "kein Palaver" machen und könne den Roller wieder haben: Abzuholen in einer Lagerhalle in den Niederlanden für 3000 Euro. Natürlich bin ich darauf nicht eingegangen und habe mir mittlerweile einen Anwalt besorgt."

Katrin und das Doppelbett


"Ich wollte ein altes Doppelbett für 140 Euro verkaufen. Zusätzlich zu dem Bettgestell habe ich das passende Rollrost und eine Matratze gleich mit angeboten. Schnell meldete sich ein potenzieller Käufer mit dem Namen 'Andreas Schmidt'. 

Wir verabredeten eine Uhrzeit, zu der er das Bett bei mir zu Hause abholen wollte. Kurz vorher schrieb mir 'Andreas', dass er sich um eine ganze Stunde verspäten würde. Das war zwar ärgerlich, aber ich bot ihm sogar an, das Bett schon mal aus dem Keller zu holen. Darauf kam allerdings keine Antwort und ich fand mich damit ab, dass 'Andreas' wohl kein echtes Interesse an dem Bett hatte. Doch dann klingelte es.

Gemeinsam holten 'Andreas' und ich das Bett aus dem Keller. Er verstaute die Einzelteile des Bettes nach und nach in seinem Auto. Während er das letzte Teil nach draußen trug, ging ich zurück in den Keller, um die Matratze nach oben zu tragen.

Als ich damit wieder auf der Straße stand, war 'Andreas' mit seinem Auto und meinem Bett weg. Ich war schockiert.

Ich habe Anzeige erstattet, das Verfahren wurde aber nach vier Wochen eingestellt. Seit dem Vorfall sorge ich dafür, dass eine Freundin oder ein Nachbar dabei ist, wenn ich Käufer empfange."

Annemarie und das Sofa


"Für 30 Euro wollte ich mein altes Zweisitzer-Sofa verkaufen. Schnell bekam ich viele Anfragen, doch niemand wollte die 30 Euro zahlen. Mich nervten diese Nachrichten, aber ich wollte das Sofa endlich los werden.

Schließlich sagte ich einer Käuferin zu, die mir zehn Euro anbot und das Sofa noch am selben Tag abholen wollte. Ich war noch unterwegs und wir machten eine Uhrzeit aus, zu der ich zu Hause sein würde und wir den Verkauf abwickeln könnten.

Doch die Käuferin kam eine halbe Stunde früher und in Begleitung. Nur meine Mitbewohnerin war zu Hause und ziemlich überrascht, als es plötzlich klingelte.

Die Käuferin und ihre Begleitung trugen das Sofa schnell aus der Wohnung und drückten meiner verdutzten Mitbewohnerin fünf Euro in die Hand. Das sei so abgesprochen, sagten sie und verschwanden.

Gerade biete ich meine Winterreifen mit teuren Felgen bei eBay-Kleinanzeigen an. Mir graut es schon vor dem ersten Interessenten."

Ali und das iPad

"Vor knapp zwei Jahren habe ich mein iPad für 270 Euro zum Kauf angeboten. Es gab viele Interessenten, doch die meisten wollten weniger bezahlen. Endlich schrieb mir jemand, dass er die geforderten 270 Euro zahlen und sogar zehn Euro für den Versand draufzahlen würde.

Der Interessent nannte mir seine Adresse und schrieb mehrmals, dass ich das iPad bitte direkt am nächsten Morgen zur Post bringen sollte. Dann schickte er mir einen Screenshot von der Überweisung. Die Kontodaten stimmten, laut dem Screenshot hatte er tatsächlich 280 Euro auf mein Konto überwiesen.

Wir waren bei der gleichen Bank, bis zum nächsten Morgen sollte das Geld wohl auf meinem Konto landen - dachte ich. Weil der Käufer mich nochmals bat, das Paket unbedingt früh am Morgen abzuschicken, wurde ich jedoch misstrauisch.

Am Morgen ließ ich mir Zeit, wollte das Paket erst Mittags zur Post bringen und vorher noch mal checken, ob das Geld wirklich auf meinem Konto gelandet war. Und ich stellte fest: Die 280 Euro waren noch nicht überwiesen.

Bei meiner Bank sagte man mir, dass das Geld längst auf meinem Konto hätte eingehen müssen, wenn der Käufer es tatsächlich am Vorabend überwiesen hätte. Aber man sagte mir auch: "Eine Überweisung kann man auch stornieren." Genau das hatte der Interessent wohl getan. Das iPad habe ich dann natürlich nicht verschickt."




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