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Düsseldorf will erforschen, was Cannabis mit uns macht

Bremen hat es versucht und ist gescheitert, Berlin auch. Nun versucht es Düsseldorf: Als erste deutsche Stadt wollen die Rheinländer legale Ausgabestellen für Cannabis einrichten. Das hatte der Stadtrat mit einer Mehrheit aus SPD, Linken und Grünen bereits vor mehr als einem Jahr entschieden. (WELT)

Am Mittwoch trafen sich nun Experten aus Politik, Justiz und Medizin zu einer Fachtagung in der Landeshauptstadt, um über Chancen und Risiken einer legalen Cannabis-Ausgabe zu diskutieren. (WAZ)

Warum will Düsseldorf legal Cannabis verkaufen?

"Es geht nicht darum, schlicht Drogen zu legalisieren", sagt der Pressesprecher der Stadt, Michael Bergmann. Vielmehr soll herausgefunden werden, "ob mit einer lizenzierten Abgabestelle für Cannabis positive Effekte auf Prävention und Hilfe zu erzielen sind".

Das heißt:

Wenn man mehr darüber weiß, wie Menschen Marihuana konsumieren, könne man auch besser in Hilfsmaßnahmen für Süchtige investieren.

Wie sich die Legalisierung von Cannabis auf die Gesellschaft auswirkt, ist noch nicht hinreichend erforscht, wie die "Arbeitsgemeinschaft Cannabis" des Düsseldorfer Gesundheitsamts findet. Sie versuchen nun, die Genehmigung einer Pilotstudie zu erwirken.

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Wo und welche Menge an Cannabis könnte man denn kaufen?

Wie viel Gramm an den Einzelnen ausgegeben werden soll, ist noch nicht klar. Der Gesundheitsdezernent der Stadt Düsseldorf, Andreas Meyer-Falcke, geht davon aus, dass es sich im Bereich von zwei bis fünf Gramm abspielt – also der Menge, deren Besitz schon jetzt in vielen Orten Deutschlands straffrei ist.

Dass an der Studie nur Erwachsene teilnehmen dürfen, steht laut Meyer-Falcke außer Frage. Vermutlich wird das Mindestalter auf 23 Jahre gesetzt. Eine mögliche Abgabestelle könnten Apotheken sein. Diese verkaufen bereits schon Cannabis – allerdings bisher nur zu medizinischen Zwecken an Menschen mit einer besonderen Erlaubnis.

(Bild: Giphy )
Welche Hindernisse gibt es?

Den Verkauf der in Deutschland meist konsumierten illegalen Droge zu erlauben, ist nicht so einfach. Düsseldorf bräuchte dafür eine Ausnahmegenehmigung vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Dieses hatte ähnliche Projekte bisher verhindert, weil sie gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen.

Berlins Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg wollte vergangenes Jahr vier Coffeeshops errichten, die legal Marihuana an Erwachsene verkauften – und scheiterte aus eben diesem Grund.

Warum könnte es jetzt in Düsseldorf funktionieren?

Die Stadt arbeitet an einer anderen Strategie: Weil das Betäubungsmittelgesetz Cannabiskonsum nur zu medizinischen oder wissenschaftlichen Zwecken erlaubt, wollen sie die Legalisierung als Forschungsprojekt aufziehen. (WDR)

Im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie wäre eine Ausnahmegenehmigung des BfArM wahrscheinlicher. "Eine solche Studie kostet rund eine Million Euro", sagt Bergmann. Über diese Summe müsse der Stadtrat entscheiden. Wann das geschehen wird ist noch unklar.

Was spricht für eine Legalisierung von Cannabis?

Befürworter in Kommunen wie Düsseldorf, Berlin oder Bremen betonen, dass die Freigabe eine Prävention erst ermögliche. Sie hoffen, dass dem illegalen Drogenmarkt durch die Legalisierung Einhalt geboten werden kann. "Mit der kontrollierten Cannabis-Abgabe an Erwachsene wollen wir Teile des Schwarzmarktes schwächen, die Justiz entlasten und mehr Geld für Suchtprävention einnehmen", sagt etwa Wilko Nicht, der drogenpolitische Sprecher der Grünen dem Weser Report.

Was spricht dagegen?

Kritiker sagen, dass die Suchtgefahr von Cannabis häufig unterschätzt wird und dass die Substanz zu schweren gesundheitlichen Schäden führen kann. Das BfAM argumentiert, dass die Legalisierung von Cannabis neue Zielgruppen ansprechen würde, die bisher noch nicht geraucht haben. Cannabis wird oft auch als "Einsteigerdroge" gehandelt, von der dann schnell auf andere, härtere Drogen umgestiegen werde. (süddeutsche.de/Wirtschaftswoche)

Armin Claus warnte in einer offenen Diskussion über Chancen und Risiken in Düsseldorf: "Je größer die allgemeine Konsumverbreitung, desto höher ist die gesellschaftliche Akzeptanz und desto niedriger die Bewertung als potenziell gefährlich." Er leitet die Station zur qualifizierten Entzugsbehandlung für suchtkranke Kinder und Jugendliche "Das Grüne Haus" in Köln. Die Verfügbarkeit von Cannabis werde steigen und der Preis sinken. So zeige es sich in den USA, wo immer mehr Jugendliche Cannabis konsumieren.

Wie geht es jetzt weiter?

In einer Fachkonferenz haben Experten bisher nur skizziert, wie eine Pilotstudie aussehen könnte. Bis Anfang nächsten Jahres soll nun eine Machbarkeitsstudie ausgearbeitet werden, die dann mit Politikern des Stadtrats im Februar diskutiert wird.

Laut Meyer-Falcke wird eine mögliche Studie 500 Teilnehmer umfassen, 250 davon sollen Cannabis legal erwerben, der Rest fungiere als Kontrollgruppe. So soll erforscht werden, wie sich legal erworbener Cannabis im Vergleich zu illegal erworbenem auf die Gesundheit und das Befinden der Menschen auswirkt.

Wie sieht es in anderen Städten aus?

Der Anbau, Erwerb und Handel von Cannabis ist überall in Deutschland verboten. Der Besitz ist es auch – allerdings wird bei so genannten geringen Mengen in einigen Städten von einer strafrechtlichen Verfolgung abgesehen. Wie groß diese Mengen sind, ist von Land zu Land unterschiedlich. In Berlin liegt sie etwa bei 15 Gramm pro Person, in anderen Städten wie Bremen und Hamburg bei sechs.

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Dieser wütende Zettel einer Mutter löst eine Welle von Hilfsbereitschaft aus
​Eine alleinerziehende Berlinerin hängt einen wütenden Zettel auf - und Wildfremde helfen ihr.

Die Geschichte beginnt mit einem traurigen, aber leider alltäglichen Allerweltsdelikt: In einer Berliner U-Bahn stiehlt ein Unbekannter einer alleinerziehenden Mutter ihr Portemonnaie. Bargeld, Fahrkarte, Ausweise, alles weg. Kein Wunder, dass die Frau frustriert ist - doch ihre Reaktion ist durchaus bemerkenswert.