Bild: Robert Rutkowski/dpa
Wir haben nachgefragt, wie viele Demonstranten die Polizei erwartet.

Am vergangenen Sonntag sind rund 100 Neonazis in Dortmund durch die Straßen gezogen und haben antisemitische Parolen skandiert. Auch heute haben mehrere Bündnisse wieder zu einer Demo aufgerufen (WDR). Es ist nicht die erste Demo von Neonazis in Dortmund. Die Stadt hat sich zur Hochburg von Rechtsextremisten im Westen Deutschlands entwickelt.

Was ist vergangenen Sonntag passiert?

Bei der letzten Demo zogen etwa 100 Rechtsextreme durch die Straßen riefen Parolen wie "Wer Deutschland liebt, ist Antisemit." Die Polizei war zwar vor Ort, griff aber nicht ein. Im Nachhinein erklärte der Innenminister von NRW, Herbert Reul, in Dortmund habe es keine Rufe gegeben, die strafrechtlich relevant gewesen seien. Die Behauptung es sei zu wenig Polizei eingesetzt worden, sei "unsinnig." Laut Reul begeleiteten 86 Polizisten die 100 Demonstranten. (WDR)

Aber wer steckt hinter der Demo?

Die Demonstrationen, sowohl am vergangenen Sonntag, also auch heute hat die rechtsextreme Partei "Die Rechte" angemeldet. Die Partei ist bei weitem nicht das einzige rechtsextreme Bündnis in Dortmund. Derzeit sitzt sogar ein Abgeordneter der "Rechten" im Dortmunder Stadtrat. Die Partei existiert in ihrer heutigen Form erst seit 2012. Das bekannteste Gesicht der Rechten in Dortmund ist Siegfried Borchardt, genannt "SS-Siggi". 

Wie hat sich die Neonazi-Szene in Dortmund entwickelt?

Während der 1980er und 1990er nisteten sich die Rechten in Dortmund besonders in der Nordstadt und im Stadtteil Dorstfeld ein. Noch bis heute sind dort Häuser mit der Aufschrift "Nazi Kiez" zu sehen. Die bekannteste rechte Gruppierung war der "Nationale Wiederstand Dortmund" (NWDO). 

Häuserfronten im Dortmunder Stadtteil Dorstfeld

(Bild: Youtube ARD (Screenshot) )


Der NWDO wurde nach mehreren Razzien und Waffenfunden 2012 vom damaligen NRW-Innenminister Ralf Jäger verboten. Grund für das Verbot sei die "Militanz" gewesen, mit der die Gruppe über Jahre gegen Polizisten und Gegendemonstranten vorgegangen sei.

Nach dem Verbot formieren sich die Mitglieder des NWDO als Partei "Die Rechte". Intern bewertete die Polizei sie als radikaler als die NPD, berichtete die "Huffington Post".

Wofür steht die Partei "Die Rechte"?

Das Parteiprogramm enthälte ultrakonservative, nationalistische und rechtsradikale Ansätze. Die Partei wünscht sich die alten deutschen Grenzen von 1939 zurück. Ebenso will sie Menschen bestrafen, die die "Leistungen und Leiden der Frontgeneration (des Zweiten Weltkriegs, Anm. d. Red.) leugnet oder verächtlich macht." 

"Die Rechte" will Asylbewerber "segregieren", also von der restlichen Gesellschaft trennen. Sie sollen in "Containern anstatt in Wohnungen" untergebracht werden. Derzeit wird Die Rechte sowohl vom Bundesamt, als auch vom Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet.

Wie viele Demonstranten werden heute erwartet?

Auch wenn sie nur ein Prozent bei der letzten Wahl holen konnte, meldet die Partei weiterhin regelmäßig Demos an, so auch Donnerstag. Diese wird allerdings relativ klein ausfallen, erklärt die Polizei Dortmund.

"Laut Veranstalter sind 30-50 Personen angemeldet", erklärte Nina Vogt, Pressesprecherin der Polizei Dortmund auf Anfrage von bento. Sie sieht diese Zahl auch als realistisch an. Zeitgleich sei eine Gegendemo mit 100 Teilnehmern angemeldet, so Vogt weiter. 

Auf die Frage wie viele Polizisten im Einsatz sein werden, gab die Polizei keine Antwort, um sich nicht "berechenbar" zu machen. Dies ist die normale Vorgehensweise bei Polizeieinsätzen.


Fühlen

"Das Schlimmste war, dass ich mich gefragt habe, ob ich mein Kind genug liebe"

Marit war ein Wunschkind. Stefanie und ihr Mann wollten eine Familie gründen, sie freuten sich, dass es mit dem Nachwuchs so schnell geklappt hatte. Dass sie an einer postpartalen Depression erkranken würde, damit hatte Stefanie nicht gerechnet. 

Als Marit gesund zur Welt kam, freuten sich alle über das Baby – nur Stefanie fühlte sich ständig überfordert. Sie sah, wie glücklich andere Mütter in ihrer neuen Rolle waren und fragte sich verzweifelt: Liebe ich mein Kind genug?