Bild: Imago/Pacific Press Agency

Donald Trump ist US-Präsident. Ein Populist, der Frauen verachtet und Einwanderer mit einer Mauer fernhalten will, führt das mächtigste Land der Welt in die Zukunft. Endstation Katastrophe.

Erste Gefühle: Schock. Angst. Resignation. Aber auch: Wut. Wie konnte das passieren? Und warum? Seit das Wahlergebnis feststeht, protestieren in New York, Washington und Chicago Tausende Menschen, unter ihnen viele Studenten (bento). "Nicht mein Präsident", rufen sie.

Donald Trump ist auch nicht unser Präsident. Trotzdem sind hier viele wütend. Ich bin wütend, meine Freunde sind wütend. Viele fragen sich: Was können wir tun? Können wir etwas tun? Können wir diejenigen überhaupt erreichen, die sich jetzt einen deutschen Trump wünschen? Ich finde: Wir müssen es zumindest versuchen.

Lasst uns aus unserer Wut etwas machen.

Der Austritt Großbritanniens aus der EU. Die Erfolge der AfD bei Landtagswahlen. Der Wahlkampf in den USA. Die vergangenen Monate haben mich politisiert.

Ich twittere mehr als jemals zuvor: Ich teile Leonardo DiCaprios Film über den Klimawandel; schaut ihn euch an, schreibe ich darüber, das ist wichtig. Ich teile Analysen über die Auswirkungen der Brexit-Abstimmung; das betrifft auch uns!

Und ich spreche mit Menschen über Politik, gegenüber denen ich das Thema vorher eher vermieden habe – aus Bequemlichkeit oder weil ich Angst hatte, sie könnten einer radikal anderen Meinung sein. Wenn mein Opa bei der Familienfeier sagt, dass er Merkels Flüchtlingspolitik falsch findet, verstecke ich mich nicht mehr hinter meiner Teetasse, sondern frage ihn: Warum? Und: Was ist denn deiner Meinung nach die Alternative?

Ja, diese Dinge hat Trump wirklich gesagt:

Über mexikanische Einwanderer sagte Trump:
Über Frauen, mit denen er Sex hatte:
Über sich selbst:
Über Hillary Clinton:
Über den IS und Obama:
Über eine Mauer zu Mexiko:
Über einen Chinesen, dem er eine Wohnung verkauft hat:
Über Politiker in Washington:
Über Verlierer:
Über Bio-Essen:
Über Schwarze:
Über seine Kindheit:
1/12

Dass die Amerikaner jetzt Donald Trump zu ihrem Präsidenten gewählt haben, zeigt mir: Ich muss damit weitermachen.

Denn ich habe Angst, dass wir in Deutschland etwas Ähnliches erleben könnten. Seien wir ehrlich: Die AfD ist unser Donald Trump, und bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr könnten wir genauso schockiert vor den Wahlergebnissen stehen – und uns beschweren, dass die Alten unsere Zukunft kaputt machen.

Wir können aber mehr machen, als uns hinterher zu beschweren. Und zwar jetzt.

Am Mittwochmorgen schickte mir meine beste Freundin eine Nachricht – die Frau, mit der ich normalerweise vor allem über Männer, Essen und Arbeit rede und eher selten über Politik. "This isn’t what we meant when we said Orange is the New Black", dazu ein Foto von Trump mit orangefarbenen Gesicht, daneben Barack Obama. Meine Mutter schrieb: "Der Trump gewinnt tatsächlich. Was bedeutet das?", dazu ein trauriges Emoji.

Als Barack Obama vor vier Jahren wiedergewählt wurde, bekam ich solche Nachrichten nicht – weil die Tragweite der Entscheidung damals eine andere war, aber auch weil Politik inzwischen immer mehr in meinem Alltag ankommt.

Das ist eine Chance.

Wir müssen jetzt nicht alle sofort in eine Partei eintreten, jedes Wochenende bei Demos mitlaufen oder Geflüchteten Deutschunterricht geben. Es hilft schon, erst mal bei sich selbst anzufangen. Sich zu fragen: Was ist eigentlich meine Meinung – und warum denke ich so? Welche Vorurteile habe ich und was kann ich tun, um sie abzubauen?

Und es hilft, Diskussionen nicht aus dem Weg zu gehen. Wir müssen unsere Meinung sagen – und vor allem: erklären, warum wir dieser Meinung sind. Und zwar nicht nur beim Bier mit Freunden, die sowieso das Gleiche denken. Sondern gerade gegenüber denen, vor deren Meinung wir Angst haben. Die unbequem werden.

Wie das funktionieren soll? Indem wir genau hinhören, Fragen stellen, hinterfragen – die anderen und uns selbst. Es geht nicht darum, anderen eine Meinung aufzuzwingen. Es geht darum, aufeinander einzugehen, zu begründen, zu erklären. Lasst uns wieder dahin zurückkehren, wo der mit den besten Argumenten gewinnt – und nicht der, der am lautesten schreit.

Ein Button am Rucksack kann helfen: "Kein Platz für Nazis" oder "Refugees Welcome". Und manchmal ist es vielleicht auch notwendig, auf die Straße zu gehen – für Klimaschutz, gegen die AfD.

Am Ende geht es nicht um "wir" und "die", es geht um uns.

Am Donnerstagmorgen schrieb ich einem Freund, der nächstes Jahr zum ersten Mal bei einer Bundestagswahl wählen darf. Ich weiß, dass er Bands hört, die eine rechte Vergangenheit haben. Ich weiß auch, dass er offene Grenzen wesentlich skeptischer sieht als ich. Ich habe Angst, dass er AfD wählen könnte.

Ich fragte ihn, welche Partei er wählen will. Weiß ich noch nicht, sagte er, ich muss mich da mal noch informieren. Ich habe mir vorgenommen, ihm dabei zu helfen.

Ihr werdet heute mehr gebraucht als jemals zuvor. Ergreift den Mantel der Geschichte. Denn dies ist eure Zeit.

Das schrieb Winston Churchill in seiner Autobiographie "My Early Life" an junge Menschen, damals seine eigene Generation. Alte Worte.

Ein Appell, der aktueller nicht sein könnte.

Noch mal zusammengefasst: So war der Wahlkampf

Beide müssen sich zunächst innerhalb der Republikanischen und Demokratischen Partei gegen Mit-Kandidaten durchsetzen – der Vorwahlkampf beginnt. Und er ist schmutzig.
Früh wird klar, dass Trump ein Sexist ist. Im August 2015 beschimpft er die Journalistin Megyn Kelly, "Blut komme aus ihrem wasauchimmer":
Hillary Clinton bekommt im Frühjahr 2016 Ärger wegen ihrer E-Mail-Affäre: Sie soll als Außenministerin Staatsgeheimnisse über private Mail-Server verschickt haben. Das FBI ermittelt.
Spätestens ab August beginnt der Schmutz: "Dick Pics" von Anthony Weiner werden veröffentlicht. Er ist der Mann von Clintons persönlicher Assistentin Huma Abedin.
Auch ein Schwächeanfall von Clinton – ausgerechnet am Jahrestag von 9/11 – wird zum Thema.
Trump sagt daraufhin im ersten TV-Duell, Clinton fehle die Kraft für das Präsidentenamt.
Beim zweiten und dritten TV-Duell dreht sich daher auch viel um den Sexismus und Populismus von Trump. Clinton gilt nun als Favoritin.
Erst am Sonntagabend ruderte FBI-Chef James Comey zurück. Doch die zwei Wochen haben ausgereicht, um Trump in den Umfragen noch mal aufschließen zu lassen.
1/12

Food

Wir haben unser Würstchen in diesen Brunnen gehalten
Der Currywurstbrunnen im Test

An einem guten Nachtisch-Buffet darf ein Schokobrunnen nicht fehlen. Aber irgendwie ist das süße Highlight auch schon in die Jahre gekommen. Jetzt gibt es eine neue Variante: statt Schoko fließt Currysoße. Wir haben einen Pop-Up-Store mit dem Soßenbrunnen in Hamburg besucht und nicht nur Wurst in die Ketchup-Fälle gedippt. Wie das aussah und schmeckte, erfahrt ihr im Video.