Die Autoindustrie hat jahrelang getrickst und verheimlicht, dann kam heraus, wie schlecht es um die Abgaswerte ihrer Fahrzeuge wirklich steht. Nun wird dafür ausgerechnet der Verbraucher bestraft – mit Fahrverboten von Dieselautos in bestimmten Städten. Das finden viele Leute ziemlich unfair. Der Verkehrsminister hingegen feiert sich nun für eine Einigung mit der Industrie und wird direkt im Anschluss in einem Interview hart angegangen.

Worum geht es genau?

Die deutschen Autohersteller haben sich bereiterklärt, Nachrüstungen an älteren Dieselautos zu bezahlen – allerdings nur unter bestimmten Bedingungen und nur bei Kosten bis maximal 3000 Euro pro Fahrzeug. Diese Einigung teilte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer nach einem Treffen mit Branchenvertretern am Donnerstag mit. Die Nachrüstungen gelten für "herstellerspezifische Maßnahmen", also auch Hardware an den Fahrzeugen. 

Vorher war Scheuer immer gegen solche Nachrüstungen. Woher kommt der plötzliche Sinneswandel?

Das fragte sich "heute-journal"-Moderatorin Marietta Slomka am Mittwochabend. In einem Interview sagte sie zu Scheuer: "Sie wissen seit Jahren, dass es dieses Problem gibt und Sie waren derjenige, der das bisher immer gebremst hat." Außerdem habe Scheuer in der Vergangenheit mehrfach betont, dass es Jahre dauern könnte, bis es technische Genehmigungen für die Nachrüstungen gebe. Hardware-Nachrüstungen bezeichnete Scheuer bisher immer als "Investition in die Vergangenheit".

Scheuers Erwiderung: Man habe ein Ergebnis innerhalb der Koalition erzielt und daran halte er sich. Seine politische Überzeugung sei aber: "Moderne Fahrzeuge in den Markt bekommen" und "die Flottenerneuerung hinbekommen". Alles in allem sei das Ergebnis also für ihn eine "frohe Botschaft".

Das sieht Marietta Slomka anders. Sie sagte:

"Nehmen wir mal an, ich wäre jetzt Frau Schmidt oder Frau Huber aus München und ich habe mir vor fünf Jahren einen Diesel gekauft, Euro 5, dafür auch ordentlich gelatzt, habe vor, den viele Jahre zu fahren und jetzt stehen Fahrverbote an. Da nutzt mir auch so eine Umtauschprämie nichts."

Wie reagierte Andreas Scheuer?

Er möchte mit "Frau Slomka" gerne zu einem Autohändler, um zu "schauen, welche Möglichkeiten es da gibt". Darauf hat sie aber herzlich wenig Lust.

"Ich kann doch nicht, wenn ich mir vor vier Jahren ein Auto gekauft habe, mir jetzt einfach sagen lassen: 'Mensch, nimm doch die Prämie, wir gehen zusammen zum Autohändler und dann kauf' dir ein neues Auto für wahrscheinlich weit mehr als 30.000 Euro'", so Slomka.

Die deutsche Automobilindustrie habe nachweislich "getrickst und manipuliert" und damit zu dem "Schlamassel" beigetragen. Die Dieselverbote innerhalb der Städte hätten laut Slomka verhindert werden können, wenn die Industrie zuvor die Schadstoffwerte korrekt angegeben hätte.

Scheuer entgegnete, die Manipulationen hätten nichts mit der Schadstoffsituation und den Fahrverboten in den Städten zu tun. Slomka habe aber recht mit der Kritik an der deutschen Automobilindustrie, sagte er. Diese setze derzeit aber alles daran, "Vertrauen zurückzugewinnen und ordentlich am Image zu arbeiten".

Fazit: Slomka und Scheuer werden wohl keine Freunde.

Scheuer sagte noch, dass mit den Umtauschprämien eine Anschlussmöglichkeit geschaffen worden sei: Für Kundinnen und Kunden gäbe es keine negativen Auswirkungen, man kümmere sich um jedes Anliegen. 

"Dann werden wir mal sehen, ob das dann beim Bürger und beim Autofahrer so ankommt und ob sich die Industrie daran hält", beendete Slomka das Gespräch. 

Das Interview könnt ihr euch hier ansehen:

Mit Material von dpa


Future

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