Alle freuen sich, dass der deutschtürkische Journalist Deniz Yücel frei ist. Nach 367 Tagen ist er aus dem türkischen Gefängnis entlassen worden, in dem er ohne Anklage festgehalten worden war (hier sind die Details).

Alle freuen sich? Nein, die AfD freut sich nicht. Die hetzt nun munter gegen den Journalisten.

Alice Weidel bezeichnete Yücel in einem Facebook-Post als "antideutschen Hassprediger".

  • Die Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion regt sich darüber auf, dass der Journalist vermeintlich mit einer deutschen Regierungsmaschine aus der Türkei nach Berlin geflogen worden sei (das stimmt nicht, "Die Welt" hat nach eigenen Angaben das Flugzeug gechartert).
  • Für Weidel steht fest: Yücel sollte kein deutscher Staatsbürger sein dürfen. Und Journalist sei er schon gar nicht.

Abgesehen davon, dass der Vorwurf absurd ist: Journalist ist in Deutschland aus gutem Grund keine geschützte Berufsbezeichnung. Das ist eine Lehre aus der Nazizeit. Denn so kontrolliert der Staat nicht, wer sich Journalist nennen darf und von der Pressefreiheit profitiert.

Andere AfD-Politiker veröffentlichten ähnliche PostsAndererseits ist das auch gar keine Überraschung: Schon als Yücel ins Gefängnis kam, applaudierte die AfD.

Der Grund: Den Rechten und Rechtsextremen ist Yücel nicht nationalistisch genug. Worüber sich die AfD besonders aufregt: Yücel hatte vor sieben Jahren eine Kolumne geschrieben. "Der baldige Abgang der Deutschen aber ist Völkersterben von seiner schönsten Seite", hieß es darin.

Die Kolumne ist satirisch gemeint, es hilft, sich die gesamte Kolumne durchzulesen. Die AfD reißt den Satz seit Jahren aus dem Kontext und macht so Stimmung gegen Yücel, der dazu ja auch noch einen Namen trägt, der für AfD-Ohren nicht deutsch klingt. Das allein scheint zu genügen, um die AfD zu triggern:

In ihrer Argumentation sind die AfD-Politiker dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan auffällig ähnlich. So sagte AfD-Politiker Jörg Meuthen, es wäre schön, wenn Yücel die Haft "zur Besinnung genutzt hätte". (MDR)

Zur Besinnung genutzt? Auch Erdoğan hofft wohl, dass die zum Teil langen Haftstrafen für Journalisten und Oppositionelle diese Menschen zur Besinnung bringen. Es ist das klassische Denkmuster autoritärer Herrscher.

Auf Twitter streiten sich Journalisten nun, ob man die Äußerungen der AfD überhaupt weiterverbreiten sollte, indem man über sie berichtet. In der Tat haben sich AfD-Politiker schon in der Vergangenheit immer wieder möglichst skandalös geäußert, um so Aufmerksamkeit zu erregen.

Andreas Petzold, Herausgeber des "Stern", weist auf das Gegenargument hin: Lässt man jede Grenzüberschreitung der AfD unkommentiert, "könnten diese Leute noch auf die Idee kommen, sie seien der Mainstream".


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