Ihnen wird Menschenschmuggel vorgeworfen

Eine Gruppe Rechtsextremer ist seit einiger Zeit mit einem Schiff auf dem Mittelmeer unterwegs. Die Aktivisten der Identitären planen, Flüchtlingsboote abzufangen und die Menschen wieder nach Afrika zurückzubringen. Sie wollen damit angeblich gegen das Schleusersystem kämpfen und Europa vor den Geflüchteten "schützen". (bento

Nun sitzt das Schiff vor Zypern fest, der Kapitän und der Erste Offizier sollen festgenommen worden sein – wegen Schleuserei.

Das bestätigten die Identitären am Mittwochabend auf ihrem Twitter-Account "Defend Europe".

Was ist passiert?

Die Identitären hatten "Defend Europe" im Mai gestartet (bento). Der Grund: Sie glauben, dass die Hilfsorganisationen auf dem Mittelmeer Teil eines riesigen Plans sind. Sie hätten vor, die Geflüchteten in Zusammenarbeit mit den Schleppern nach Europa zu bringen.

Warum das Quatsch ist, erklären wir hier:

Online sammelten die Identitären Geld, um davon ein Schiff kaufen zu können. Anfang Juli gab die Gruppe an, genug Geld zusammenbekommen zu haben – insgesamt 125.000 Euro.

Dann wurde jedoch kein Schiff gekauft, sondern eines gechartert – die "C-Star", die unter mongolischer Flagge fährt. An Bord war eine asiatische Crew, die das Schiff von Dschibuti in Afrika ins Mittelmeer fuhr. In Sizilien sollten die Identitären dann das Schiff in Empfang nehmen und ihre Aktion beginnen. So war zumindest der Plan. Doch nun kam es etwas anders.

Auf diesem Archivbild sieht man die "Suunta" 2012 im Hafen von Kiel. Seit Februar 2017 heißt das Schiff "C-Star".(Bild: Dietmar Hasenpusch/dpa)

Einem Zeitungsbericht zufolge wurde das Schiff dann von den nordzyprischen Behörden festgesetzt. Der Kapitän der C-Star und sein Stellvertreter seien im Hafen von Famagusta in der Türkischen Republik Nordzypern festgenommen worden, berichtet die zyprische Zeitung "Kibris Postasi"

Der Vorwurf lautet demnach Dokumentenfälschung – es geht um die asiatische Besatzung.

An Bord der "C-Star" sollen 20 Migranten gewesen sein. Verschiedene Medien sagen, es handelt sich um Tamilen, eine unterdrückte Volksgruppe aus Sri Lanka und dem Süden Indiens. Die rechten Aktivisten sprechen hingegen von angehenden Seemännern.

Im vergangenen Jahr erzählte uns der Tamil Raj von seiner Flucht von Sri Lanka nach Deutschland:

Laut "Defend Europe" hätten die Männer an Bord für die Fahrt auf dem Schiff gezahlt, um ihre Ausbildung abzuschließen. Sie wollten demnach nie Asyl beantragen.

Doch genau das haben nun einige der Besatzungsmitglieder getan. Hätten sie also dafür bezahlt, nach Europa gebracht zu werden, wäre das Anti-Flüchtlingsschiff plötzlich selbst ein Schlepper-Kahn.

Die Identitären wehren sich gegen die Vorwürfe. Es seien alles nur "Intrigen der NGOs", heißt es in der Stellungnahme. Demnach hätten die NGOs die Seemänner dazu überredet, Asylanträge zu stellen – um die Identitären des Menschenschmuggels zu bezichtigen. Fünf der 20 Männer hätten mitgemacht.

Welche NGOs genau gemeint sind, lassen die Rechten jedoch offen. 

Ob die "C-Star" nun überhaupt in Italien eintreffen wird, ist unklar.

Wer sind die "Identitären"?

Die "Identitäre Bewegung" sind Rechtsextreme, die seit 2012 in Deutschland aktiv sind. Die Gruppierung wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Flüchtlinge und Zuwanderer islamischen Glaubens werden von den "Identitären" in extremer Weise diffamiert. Auf Twitter macht das rechte Bündnis unter "Ein Prozent" Stimmung.

Die "Identitären" sind dagegen, dass sich der Anteil von Migranten in der Gesellschaft weiter erhöht. Im vergangenen August besetzte die Gruppierung kurzzeitig das Brandenburger Tor.


Gerechtigkeit

Gericht sagt: Merkels Grenzöffnung für Flüchtlinge war legal. Ein bisschen

Im Sommer 2015 hat Bundeskanzlerin Angela Merkel für Hunderttausende Flüchtlinge die Grenzen geöffnet. Migranten, die in Balkanländern feststeckten, durften direkt nach Deutschland einreisen.

Die Entscheidung war umstritten. In der Europäischen Union (EU) muss ein Flüchtling dort Asyl beantragen, wo er zuerst europäischen Boden betreten hat – das Prinzip wird Dublin III genannt. Merkels Kritiker sagen, mit ihrer Grenzöffnung habe sie Dublin III ausgehebelt.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat diese zentrale Frage nun geklärt: Die Bundesregierung hat demnach rechtens gehandelt. Zumindest ein bisschen.