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Was der Erfinder von Hulk, Spidey und Iron Man über Rassismus denkt

Stan Lee ist tot. Der wohl bekannteste Comic-Autor der Welt starb am Montag im Alter von 95 Jahren. Das gab seine Familie in Los Angeles bekannt. (Hollywood Reporter)

Stan Lee hat mit der Hilfe der Zeichner Jack Kirby und Steve Ditko Helden und Geschichten für den Marvel-Verlag erfunden – von ihm stammen Dutzende Figuren, die unsere Kindheit begleiteten. Und die unserer Eltern.

Spider-Man ist von Stan Lee, die X-Men sind es, der unglaubliche Hulk auch. Comics waren lange nur lose Mini-Erzählungen – Stan Lee hat ihnen ab den 1940ern Tiefe verliehen, mit Figuren, die Gefühle zeigen und deren Erlebnisse aufeinander aufbauen.

Mittlerweile sind Dutzende Figuren von Stan Lee auch im Kino zu sehen. Marvel hat ein riesiges Universum geschaffen, in dem die Filme von Spider-Man und Co. alle miteinander verflochten sind. In seinen Arbeiten ging es Stan Lee aber nie einfach nur um knallbunte Action – sondern auch um wichtige Botschaften.

Hier sind 3 Lehren aus den Werken von Stan Lee:

1. Gib Rassismus keine Chance.

Stan Lee wurde als Sohn jüdischer Einwanderer in New York geboren – und wuchs während Hitlers Aufstieg auf. Die Machtergreifung, den Beginn des Zweiten Weltkrieges erlebte er aus der Ferne. Und spürte doch, dass es um alles ging.

Unterdrückung und Ausgrenzung wurden sein großes Thema. Seine Helden sind Außenseiter und Ausgegrenzte, die gegen totalitäre Schurken bestehen. Schon seine erste Comic-Arbeit für Marvel – mit 17 Jahren – ist eine Geschichte über Captain America, jenen Supersoldaten, der gegen die Nazis kämpft.

Seine Comics sollten immer Spiegel der echten Welt sein. Aber deutlich machen, dass Rassismus in dieser Welt keinen Platz hat. In einem Interview sagte Lee:

"Das einzige, was bei uns [in den Comics] keinen Platz hat, sind Hass, Intoleranz und Fanatismus. Der Mann neben dir – er ist dein Bruder. Die Frau da drüber – sie ist deine Schwester. Und der Junge da hinten – hey, vielleicht hat er die proportionale Kraft einer Spinne! Wir sind alle Teil der Familie Mensch."

2. Anders sein ist keine Schande. Sondern ein Segen.

Auch seine X-Men zeigen das. Die X-Men sind Frauen und Männer, die Mutationen aufweisen. Die US-Regierung fürchtet sie, jagt sie, verteufelt sie. Weil sie anders sind, sollen sie in Lager gesperrt werden, Experimente an ihnen durchgeführt werden.

Stan Lee machte aber machte das Anderssein zur Tugend. Wolverine ist ein Typ mit Klauen in den Händen, Cyclops kann Strahlen aus seinen Augen feuern, Storm das Wetter manipulieren. Und sie nutzen ihre Kräfte, um Menschen in Not zu helfen. Logisch, dass viele X-Men nicht nur als Mutanten anders sind – auch Homosexualität und unterschiedliche Herkunft ist hier normal. Helden müssen nicht immer nur weiß, männlich und hetero sein.

3. Die größte Kraft liegt in deiner Fantasie.

Trotz der heimlichen Tiefe – Stan Lee war für allem für seine Fantasie und viel Klamauk bekannt. In seine Welt passt ein nordischer Gott, der durchs Weltall sausen kann, wenn er seinen Hammer wirbelt. Oder ein Typ, der Wände hochkraxeln kann, nachdem er von einer Spinne gebissen wurde. Oder ein genialer Wissenschaftler, der zum grünen Wüterich wird, wenn die Suppe nicht schmeckt.

All diese Figuren haben über die Jahrzehnte unzählige Abenteuer erlebt. Sind gestorben, wiederauferstanden. Sind mal gut, mal auch auf dunklen Pfaden unterwegs. Aber sie bleiben sich dann doch treu. Und bekommen ihre Probleme auf die Reihe. Die haben dann oft weniger damit zu tun, gegen Superschurken zu bestehen – sondern die Miete zu zahlen (Hallo, Spider-Man!) oder die schon wieder gerissene Hose zu flicken (War was, Hulk?).

Die Botschaft dahinter: Wir sind alle nur Menschen. Und alle irgendwie heldenhaft.

 


Gerechtigkeit

Rechte Initiative in Berlin gibt auf, weil zu wenige Menschen zu ihren Demos kommen
"Merkel kann bleiben, wenn ihr das möchtet, alles gut."

Tja. Weil immer weniger Teilnehmer zu ihren Demonstrationen in Berlin kamen, hat das rechte Bündnis "Wir für Deutschland" jetzt bekanntgegeben, dass es keine Demonstrationen mehr organisieren will.

Was ist passiert?

In einem Livevideo auf der Facebookseite von "Wir für Deutschland" hat der Aktivist Kay Hönicke erklärt, dass seine Organisation keine Demonstrationen mehr in Berlin planen wolle. Selbst bereits angekündigte Demonstrationen wurden wieder abgesagt. Es kamen zuletzt einfach zu wenig Teilnehmer: Deutschland sei "einfach noch nicht bereit" und "Widerstand ist sinnlos", so interpretiert Hönicke das.

Am Freitag hatte die rechte Initiative einen "Trauermarsch für die Toten von Politik" organisiert – ausgerechnet zur Reichspogromnacht. Deshalb gab es viel Streit um diesen Trauermarsch (Berliner Zeitung) – und dann kamen auch noch nur 100 Teilnehmer, so wenige wie noch nie (taz).

Was sagt "Wir für Deutschland" genau in dem Video?

"Wir haben es nicht geschafft, den Widerstand auf die Straße zu bringen", sagt Kay Hönicke von "Wir für Deutschland". "Merkel hat uns besiegt und das müssen wir nun akzeptieren. Dass sie zurücktritt, das hat sie gesagt, also haben wir doch das erreicht, was wir wollten. Und wenn sie Bundespräsidentin wird, dann ertragen wir sie eben weiter, mein Gott."

Insgesamt klingt Hönicke müde. "Wir werden nicht mehr sagen 'Merkel muss weg'. Merkel kann bleiben, wenn ihr das möchtet, alles gut." 

Er wolle nicht mehr von der Antifa angeschrien werden. Er sagt, dass "Wir für Deutschland" nur noch auf kommunaler Ebene arbeiten wolle. Er wolle nur noch Bürgerbegehren und Volksentscheide unterstützen oder einzelnen Menschen helfen.

"Das ist ein klarer Erfolg für den andauernden und hartnäckigen zivilgesellschaftlichen Protest der letzten Jahre", sagt Carolin Brenner von "Berlin gegen Nazis" gegenüber der taz

Jetzt bleibe allerdings abzuwarten, ob sich "Wir für Deutschland" auch wirklich an sein Wort hält.