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Die größte Müllkippe der Welt nimmt keinen Müll aus dem Ausland mehr: Zum Jahreswechsel hat China den Import von Plastikmüll gestoppt. Die Volksrepublik hat die Qualitätsstandards für importierte Abfälle wie Plastikmüll und auch Elektroschrott und Altpapier angehoben. Ab März werden diese weiter verschärft – dann ist auch der Import von vorsortierten Kunststoffabfällen nicht mehr erlaubt. 

Bisher landeten 56 Prozent aller weltweiten Kunststoffabfälle in China – aus Deutschland gingen im Jahr 2016 etwa 750.000 Tonnen Plastikmüll dort hin. Nun ist Schluss damit. Das stellt auch Deutschland vor ein Problem: Die Kapazitäten für das Recycling von Plastikmüll sind erschöpft und das Plastik, das recycelt wird, will die Industrie nicht haben. Wir haben Christina Dornack, Professorin am Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft an der TU Dresden, gefragt, was das für uns bedeutet. 

Warum hat China ein Importverbot für Plastikmüll verhängt?

“China hat sich mittlerweile ein eigenes Recylingsystem aufgebaut, welches unabhängig von ausländischem Plastikmüll funktioniert“, sagt Dornack. Die große Menge an importiertem Plastikmüll habe zu ersthaften Umweltproblemen geführt, erklärte das chinesische Umweltministerium laut der FAZ.

Beispielsweise ist der Jangtse-Fluss der am stärksten mit Plastikmüll verschmutzte Fluss der Welt (Utopia). Mit dem neuen Gesetz will China das Müll-Problem nun in den Griff bekommen. 

Versinkt Deutschland nun im Plastikmüll? 

Für Deutschland ist es unmöglich, den Plastikmüll einfach in andere Länder zu exportieren, sagt der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE). Die enorme Menge muss ab sofort in Deutschland entsorgt werden. Die Entsorgungsbranche hat also jede Menge zu tun.

Durch ein neues deutsches Gesetz wird der zu recycelnde Plastikmüll noch mehr werden. Denn Anfang nächsten Jahres tritt das Verpackungsgesetz in Kraft, das die Recyclingquoten für Kunststoffe bis 2022 stufenweise auf 63 Prozent steigern soll. Im Moment ist es nur gut ein Drittel, welches wiederverwendet werden muss. “Wir brauchen mehr Recyclinganlagen, um das Gesetz auch anwenden zu können“, sagt Dornack. Laut Umweltbundesamt wurden in Deutschland im Jahr 2015 von insgesamt fast 6 Millionen Tonnen Kunststoffabfällen etwa 2.700.000 Tonnen recycelt, der Rest verbrannt.

Was ändert das neue Verpackungsgesetz?

Am 1. Janaur 2019 tritt das neue Verpackungsgesetz in Kraft und löst damit die Verpackungsverordnung ab. Stufenweise sollen damit die Recyclingquoten für verschiedene Verpackungsmaterialien angehoben werden. Bisher liegt die Quote bei Kunststoff bei 36 Prozent. Ab 2019 sollen dann 58,5 Prozent, ab 2022 63 Prozent der Plastikabfälle wiederverwendet werden. 

Was passiert dann mit dem recycelten Plastik?

Das recycelte Plastik kann als sogenannter Sekundärrohstoff wieder zu verschiedensten Produkten verarbeitet werden. Hier liegt für Dornack das Problem: “Es gibt zu wenig Abnehmer für Recycling-Kunststoff“, sagt die Expertin. Die Industrie würde sich oft gegen den Einsatz des Stoffes entscheiden, weil sie eine schlechtere Qualität ihrer Produkte befürchteten. 

So gibt es ein Überangebot an Recycling-Plastik in Deutschland, welches weiter wachsen wird. “Wir brauchen nicht nur eine Recyclingquote, sondern auch eine Sekundärstoffquote“, fordert Dornack. Die Industrie müsse verpflichtet werden, eine bestimmte Menge an recyceltem anstatt neuem Plastik für seine Produktion zu verwenden – entweder mit politischen Regelungen oder einen Anreizsystem. Die Deutsche Umwelthilfe fordert ebenso, dass Anreize für den Einsatz von recycelten Materialien geschaffen werden, um mehr Abnehmer zu finden.

“Es kann sein, dass sich der Prozess verzögert uns es Übergangslösungen braucht", sagt die Expertin. Eventuell staut sich der Plastikmüll dann auch mal auf den Deponien. Laut Dornack sei dies aber nicht langfristig zu befürchten.

“Wir brauchen nicht nur eine Recyclingquote, sondern auch eine Sekundärstoffquote“
Christina Dornack, Professorin für Abfall- und Kreislaufwirtschaft
Was bedeutet das für uns?

Natürlich sollten wir darauf achten, so wenig Plastikmüll wie möglich zu verursachen. Doch das lässt sich eben nicht immer so leicht umsetzen. Allerdings können wir Verpackungen, die aus mehreren Kunststoffen bestehen, wie zum Beispiel Tetrapacks, vermeiden. Die lassen sich schlecht recyceln.


Das liegt daran, dass meist nur sortenreine Kunststoffabfälle direkt für neue Produkte wiederverwendet werden. Gemischte Kunststoffabfälle müssen zunächst aufwendig getrennt werden, um sie zu recyceln. Mit dem Plastikmüll, der nicht recycelt werden kann, wird übrigens in Müllverbrennungsanlagen Energie gewonnen. Hier fordert die Deutsche Umwelthilfe Festlegung verbindlicher Standards zur Recyclingfähigkeit von Verpackungen, was auch Dornack sinnvoll findet.

Auch stark verschmutze Plastikabfälle sollten nicht im Gelben Sack landen, weil sie sich schlecht recyceln lassen. "Lieber einmal kurz abspülen", empfiehlt die Expertin. Je besser die Qualität des recycelten Plastiks später ist, desto öfter verwendet die Industrie es auch für seine Produkte.

Wird die Entsorgung von Plastikmüll jetzt teurer?

Handel und Industrie befürchten, dass sie durch das Überangebot an recyceltem Plastik in Zukunft mehr für die Entsorgung an die Recyclingunternehmen zahlen müssen. BVSE-Kunststoffexperte Thomas Probst sagte der FAZ, dass seiner Einschätzung nach das chinesische Importverbot die Kunststoffentsorgung in Deutschland teurer machen wird. 

Lass uns Freunde werden!

Ist das tatsächlich der Fall, würden die Kosten von den Unternehmen auf die Kunden umgelegt werden – die Produkte im Supermarkt würden teurer werden. Dornack sieht diese Gefahr allerdings weniger: "Ich sehe das als Chance. Wenn es mehr und effizientere Recyclinganlagen gibt, wird die Entsorgung von Kunststoff langfristig sogar günstiger." Noch gibt es diese benötigten Anlagen allerdings nicht.

EU-Kommissar Günther Oettinger schlug vor Kurzem eine europäische Plastiksteuer vor, damit die Menge an Kunststoffabfällen aus Umweltschutzgründen sinkt. Die Kommission will laut Oettinger bis Mai prüfen, ob sie die Plastiksteuer auch offiziell vorschlägt (SPON).


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