Bild: Screenshot/Instagram
Ein Video zeigt, was wirklich passiert ist.

Rechtsextreme Seiten streuen seit Tagen die Behauptung, die Hitlergrüße in Chemnitz seien in Wahrheit das Werk linker Provokateure. Im russischen Fernsehen wiederholte auch der AfD-Vizechef in Sachsen, Maximillan Krah, diese Verschwörungstheorie – ohne irgendeinen Beleg. (Twitter

Jetzt hat die Diskussion einen neuen Höhe- (oder Tiefpunkt) erreicht. Am Montagabend twitterte "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt:

Das Bild zeigt Jan "Monchi" Gorkow, den Sänger der Punkband "Feine Sahne Fischfilet" mit ausgestrecktem Arm vor dem Karl-Marx-Monument in Chemnitz. 

Offensichtlich entstand das Bild im Umfeld des Protestkonzertes "Wir sind mehr", das am Montagabend mit mehr als 65.000 Menschen stattfand. (bento)

Bereits in den vergangenen Tagen war viel über den Auftritt der Band beim Konzert gegen Rechtsextremismus diskutiert worden. Vor allem konservative und rechte Politiker und Medien hatten kritisiert, das mit "Feine Sahne Fischfilet" eine Gruppe eingeladen werde, die in der Vergangenheit vom Verfassungsschutz beobachtet worden und deshalb linksextrem sei (Hier haben wir über die Diskussion berichtet).

Die Diskussion um den vermeintlichen Hitlergruß hätte jedoch leicht verhindert werden können. Ein kurzer Blick ins Instagram-Profil von "Monchi" zeigt, dass das Bild des "Bild"-Chefredakteurs keine Montage ist, sondern ein Screenshot aus einer Instagram-Story. In Bewegung sieht die Szene so aus:

Das Video zeigt: Der Sänger von "Feine Sahne Fischfilet" hat in einem Videogruß tatsächlich kurz den rechten Arm gehoben, aber offensichtlich keinen Hitlergruß gemacht. Die verschiedenen Bilder der Szene zeigen nur verschiedene Ausschnitte des Videos.

Dass die Diskussion um Hitlergrüße auf eine linke Band gelenkt wurde, dürfte ins Kalkül vieler Rechtsextremer passen. Weil Hass und Gewalt in Chemnitz klar erkennbar wurden, besteht die Strategie vieler Rechter derzeit offensichtlich vor allem darin, Zweifel an der Glaubwürdigkeit ihrer Kritiker zu säen. So wurden bereits in der vergangenen Woche wurden bereits Falschmeldungen über vermeintlich inszenierte Hitlergrüße verbreitet (Mimikama).

Warum Julian Reichelt in diesen Tagen eine leicht zu widerlegende Verschwörungstheorie als vermeintliche Frage verbreitete, anstatt zwei Minuten zu recherchieren, blieb vorerst unklar. Bereits in der Vergangenheit hatte der "Bild"-Chef mit dem Retweet eines rechtsradikalen Accounts für Diskussionen gesorgt (Bildblog).

Den Hinweis auf das kurze Video, das die Wirklichkeit zeigt, erhielt Julian Reichelt übrigens von einem seiner eigenen Mitarbeiter. 

Hinweis: Wir haben den Text nachträglich um zwei Sätze zu weiteren Provokationen der vergangenen Woche ergänzt. 


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