Bild: dpa / Bernd von Jutrczenka
Die Reaktion der Kanzlerin und 8 weitere im Überblick

Am Montag schwiegen sie noch, nun haben sich Politikerinnen und Politiker zu der Gewalt in Chemnitz geäußert. Die wichtigsten Aussagen im Überblick:

1

Was sagt die Bundesregierung?

  • Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte die Krawallen deutlich. Dass es Hetzjagden gegen Migrantinnen und Migranten gab, habe ihres Erachtens nach "mit unserem Rechtsstaat nichts zu tun." (SPIEGEL ONLINE)
  • Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte, er habe kein Verständnis für die Gewalt. Er habe den Sicherheitsbehörden in Sachsen seine Hilfe angeboten. (Handelsblatt)

2

Was sagt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU)?

Kretschmer sagte am Dienstag, dass die "politische Instrumentalisierung durch Rechtsextremisten" abscheulich sei. Er betonte, dass Sachsen handeln könne und Straftäter in die Verantwortung gezogen werden. (SPIEGEL ONLINE)

3

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier?

Steinmeier appelierte, dass die Gewalt in Deutschland geahndet werden müsse, egal von welcher Seite sie ausgehe.

Lassen wir uns nicht einschüchtern von pöbelnden und prügelnden Hooligans. Lassen wir nicht zu, dass unsere Städte zum Schauplatz von Hetzaktionen werden. Hass darf nirgendwo freie Bahn haben in unserem Land.
Frank-Walter Steinmeier

4

Burkhard Lischka, SPD

Der SPD-Innenexperte warnt davor, die Proteste in Chemnitz als "bürgerkriegsähnliche Zustände" zu inszenieren.  Es gebe in Deutschland einen "kleinen rechten Mob, der der jeden Anlass zum Vorwand nimmt und nehmen wird, seine Gewaltfantasien von bürgerkriegsähnlichen Zuständen auf unsere Straßen zu tragen." (Rheinische Post)

5

Julia Klöckner, CDU

Die Bundesministerin für Ernährung- und Landwirtschaft fand klare Worte: Das Verhalten der gewaltbereiten Demonstrantinnen und Demonstranten in Chemnitz "werde niemals 'Leitkultur'" in Deutschland. Sie empfinde die Gewalttaten unter anderem als "abstoßend".

6

Annalena Baerbock, Grüne

Die Bundesvorsitzende des Bündnis 90'/DIE GRÜNEN kritisierte vor allem Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer. Ihrer Ansicht nach zeigen die Demonstrierenden auf der Straße, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren, mehr Rückgrat, als Kretschmer. 

7

Wolfgang Kubicki, FDP

Der stellvertretende FDP-Vorsitzende gibt auch der Bundeskanzlerin Schuld an den Übergriffen. Seines Erachtens nach liegen die Ursprünge der Ausschreitungen auch an der "Wir-schaffen-das"-Mentalität der Kanzlerin. Mit dieser Aussage hat Angela Merkel vor allem während der Flüchtlingskrise geworben. (Zeit)

8

Katja Kipping, Linke

Kipping kritisiert, ähnlich wie Baerbock, Sachsens Ministerpräsident Kretschmer. Die Politik der CDU in Sachsen habe seit Jahren die rechte Gefahr verharmlost

9

Was sagen Alexander Gauland und Alice Weidel (AfD)?

Die AfD-Vorsitzenden hinterfragten vor allem die mediale Berichterstattung: Dass der Tod des Opfers am Sonntag weniger Aufmerksamkeit gegeben werde, als den darauffolgenden Protesten, sei eine "fatale Schieflage."


Gerechtigkeit

Zwei Menschen erzählen, wie sie die Gewalt in Chemnitz erlebt haben

Es war eine Eskalation mit Ansage. Nachdem in Chemnitz am Wochenende ein 35-Jähriger ums Leben gekommen war, nutzten rechte Kreise innerhalb von wenigen Stunden den Vorfall, um ihn für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Bereits am Sonntagabend zogen zahlreiche Hooligans und Neonazis durch die Innenstadt der drittgrößten Stadt Sachsens. Auf Videos war zu sehen, wie Menschen gejagt wurden. Die Polizei war überrumpelt.