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Seine Maschine stand schon zum Abflug bereit, aber geflogen kam Kanadas Premierminister Justin Trudeau dann doch nicht: Der für Donnerstag geplante EU-Kanada-Gipfel ist geplatzt. In Brüssel sollte eigentlich das Freihandelsabkommen Ceta unterschrieben werden. Doch innerhalb der EU gibt es viele Diskussionen um das Abkommen: Derzeit leisten Ceta-Kritiker in Belgien Widerstand. (tagesschau.de)

Ist Ceta jetzt schon gescheitert?

Nein, bereits seit sieben Jahren wird verhandelt und auch Donnerstag geht es mit den Gesprächen in Brüssel weiter. Hinter Ceta stehen alle 28 EU-Regierungen. Sie halten das Abkommen für sehr fortschrittlich.

Genauso sieht es bei den anderen Vertragspartnern aus: "Kanada ist weiterhin bereit, dieses wichtige Abkommen zu unterzeichnen, sobald Europa bereit ist", sagte Alex Lawrence, Sprecher der kanadischen Handelsministerin Chrystia Freeland. (SPIEGEL ONLINE)

Woran hakt es denn gerade?

Gerade sind die Gespräche mit der belgischen Region Wallonie schwierig. Dort sehen viele Ceta sehr kritisch – anders als die belgische Regierung. Sie fordern mehr Klarstellung über die Vertragsinhalte und Garantien für Landwirte.

Solange man sich nicht einigt, bleibt Ceta blockiert: Ohne die Zustimmung der belgischen Regionen und Sprachgemeinschaften darf der belgische Premierminister Charles Michel dem Ceta-Abkommen nicht zustimmen – und ohne Zustimmung aller 28 EU-Regierungen kann Ceta nicht unterzeichnet werden.

Worum geht es bei Ceta noch einmal?
  • Der Handel zwischen der EU und Kanada soll vereinfacht werden. Noch gibt es viele Auflagen, zum Beispiel Zölle.
  • Diese sollen zum Beispiel abgeschafft werden. Der Vorteil für Unternehmen: Sie sparen Geld.
  • Außerdem soll es Arbeitskräften erleichtert werden, jeweils in der EU und Kanada zu arbeiten. Qualifikationen werden gegenseitig anerkannt.
  • Ein Vorteil für Landwirte aus EU-Sicht: Es sollen Milchprodukte aus der EU nach Kanada exportiert werden. Und Schweine- und Rindfleisch in die EU importiert werden.
  • Das sagen Kritiker: Kanda und die EU haben zu große Unterschiede bei den Verbraucherschutzrechten. So dürfen zum Beispiel Rinder in Kanada mit Hormonen behandelt werden. In Deutschland nicht.
  • Das sagen Kritiker noch: Die EU-Kommission arbeite zu intransparent. Die Bürger könnten nicht durchblicken, was auf sie zukommt.

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