Bild: Britta Pedersen/ dpa
Verratet mir eure Ideen!

Der Abstieg von der neuen Kanzler-Hoffnung bis hin zum – scheinbar! – aussichtslosen Kandidaten dauerte nur ein paar Wochen. Erst sah es so aus, als hätte Deutschland einen Politik-Star wie Emmanuel Macron oder einen Justin Trudeau. Einen, der sogar junge Wähler begeistern kann: Martin Schulz.

Kurzzeitig wollten fast 50 Prozent der Wähler den SPD-Schulz als Kanzler. Aktuell liegt die SPD aber wieder abgeschlagen bei rund 24 Prozent, die CDU bei 38 (bento). Alles schon aussichtslos für Schulz?

Ich sehne den Schulz-Hype zurück!

Nicht wegen Schulz, sondern weil damit die Hoffnung verbunden war, der Wahlkampf könnte spannend werden. (Worum es beim Phänomen Schulzzug ging, lest ihr hier.)

Nein, ich bin weder SPD-Parteimitglied noch großer Schulz-Fan. Ich bin die typische Wechselwählerin. 

Wen ich am 24. September wählen soll? Ich weiß es einfach noch nicht. Und weil es keinen Wahlkampf gibt, weiß ich es noch weniger.

Das traurige Symbol dafür sind die Slogans auf den Wahlplakaten:

  • "Ungeduld ist auch eine Tugend." 
  • "Zukunft kann man wollen. Oder machen."
  • "Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben." 
  • "Zum Land der Dichter und Denker passt eine Politik, die in Ideen investiert."

Ja, stimmt alles. Irgendwie. Diese Sätze sagen nichts aus – selbst die AfD könnte ihnen zustimmen. Wie sollen sich Wähler bei solchen Null-Aussagen entscheiden? Wo sind die Ideen?

(Hier übrigens die Auflösung der Reihenfolge nach: FDP, Grüne, CDU, SPD.)

Das Problem: Die Kandidaten haben bisher wenig Lust, sich öffentlich zu streiten. 

Den Atomausstieg wollen sie fast alle, das ist keine Kernkompetenz der Grünen mehr. Investitionen in Kita-Plätze, Bildung fördern – auch allen wichtig. Die "Ehe für alle" ist schon da, nur die CSU zuckt noch ein wenig. 

Okay, bleibt die Frage: Wer hat das beste Konzept dafür, Flüchtlinge zu integrieren? Wie sollen wir damit umgehen, wenn noch einmal so viele Menschen zu uns kommen wie im vergangenen Jahr? Martin Schulz wagte sich hier mit einer Idee vor. Er will Europa in die Pflicht nehmen und hält Angela Merkel vor, das Problem einfach zu ignorieren.

Und wie reagierte die Kanzlerin? Wie so oft: gar nicht.

Das ist taktisch sicherlich total klug. Aber Merkel langweilt uns damit zu Nichtwählern. 

Wo sind die wichtigen Themen? Mit welchen Autos werden wir fahren, wenn Benziner und Diesel unsere Umwelt zerstören? Wann macht ihr Bafög endlich verständlich? Wann verdienen Frauen endlich mehr? Wie werden wir leben, wenn wir in Rente gehen? 

Visionen? Nirgends zu sehen!

Dabei geht es gerade um grundlegende und die wohl schwerwiegendsten Entscheidungen seit Jahrzehnten. Wie gehen wir mit Nachbarländern wie Polen um, die dabei sind, die Demokratie abzuschaffen? Lassen wir unsere Grenzen weiterhin offen – ja oder nein? Was macht der Staat mit seinen Mehreinnahmen – Autobahnen bauen? Schulden tilgen? Umverteilen?

Wie verhalten wir uns gegenüber Trump, der mit seinen radikalen Aussagen die Welt in Gefahr bringt? 

Mit diesen Fragen werden wir allein gelassen.

Schluss damit! Ich wünschte, es gäbe schon jetzt TV-Duelle zwischen den Spitzenkandidaten. Dann können sie sich nicht hinter inhaltsleeren Plakaten verstecken.

Und endlich kommen Inhalte zur Sprache.
(Bild: Giphy )

Queer

Philipp ist schwul und so reagiert er auf blöde Sprüche

Abgeknicktes Handgelenk, affektiertes Luftzugewedele und nasale Stimme – so geht das Klischee von der schwulen Tucke. Alles nur Spaß? Nein, immer noch haben Schwule mit Klischeedenken und Vorurteilen zu kämpfen. 

Auf dem Land ist die Toleranzgrenze teilweise sogar noch geringer (bento). Die Vorurteile ziehen sich durch das gesamte Alltagsleben. So dürfen Schwule kein Blut spenden, weil sie aufgrund ihrer Sexualität Aids haben könnten – auch wenn das Gesetz nun bald gelockert werden könnte (bento).

Philipp aus Gütersloh hat uns erzählt, welche Vorurteile er immer wieder hören muss und wie er mit ihnen umgeht.