Du hast es geahnt: Dealern kann man nicht vertrauen!

Ob Gras, Koks oder MDMA – Rausch wird in Deutschland gekauft und verkauft, auf Straßen, in Clubs und in Wohnzimmern. 

Das ist politisch nicht gewollt, entspricht aber der Realität: laut der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung haben im Jahr 2015 10,2 Prozent der Jugendlichen und 34,7 Prozent der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren mindestens einmal in ihrem Leben illegale Drogen konsumiert, die Zahl der Drogentoten ist 2015 um 18 Prozent gestiegen, auf 1226 Tote. 

Eine zentrale Rolle spielen dabei Dealerinnen. Weil ihre Tätigkeit  illegal ist, funktioniert ihr "Beruf" nach undurchsichtigen Regeln. Gleichzeitig sind Konsumenten aber gezwungen, ihnen zu vertrauen, wenn sie nicht auf die Droge verzichten wollen oder können. 

Deshalb haben wir einen von ihnen Dinge gefragt, die Dealer uns normalerweise nie erzählen würden – und er hat ausgepackt. Anonym natürlich. In seinem bürgerlichen Leben studiert er.

1. Die Gewichtsangaben stimmen nie.  

"Egal wo du deine Drogen kaufst, du kriegst nie die Menge, die du bestellt hast.

Auf der Straße ist es am Schlimmsten. Die Dealer können machen, was sie wollen. Oft läuft der Handel so schnell ab, dass der Kunde sich die Ware gar nicht genau angucken kann. Ein Gramm entspricht dort niemals einem Gramm. Oder du rauchst Petersilie und merkst es gar nicht.

Bei Koks ist es noch schlimmer. Da kriegst du ein kleines Briefchen und fertig. Wenn du zu Hause noch mal wiegen willst, bitte. Aber nicht bei mir! Kauf dein Zeug, stell keine Fragen oder verschwinde direkt. Es kommt garantiert jemand anderes und nimmt mir die Ware ab. 

Gute Dealer verticken ihre Ware bei sich selbst. Bei mir kommen die Leute in meine Wohnung, können sich die Ware in Ruhe ansehen und niemand läuft Gefahr, währenddessen von den Bullen erwischt zu werden.

Doch auch hier werden die Kunden  verarscht. Ich verkaufe zwar immer erstklassige Ware, aber auch bei mir sind ein Gramm niemals ein Gramm. Ich verkaufe kleine Beutel. Die kannst du mitnehmen – oder eben nicht.

Interessant ist auch, dass sich die Zeiten geändert haben. Zu DM-Zeiten war ein 20er wirklich noch ein 20er. Da hast du für 20 DM noch vier Gramm Gras gekriegt. Für denselben Preis, also 10 Euro, kriegst du bei mir ein (vermeintliches) Gramm und mehr nicht. Gut für mich, schlecht für den Kunden. Aber so sind die Regeln. 

Und glaub bitte nicht, ich wüsste, was da alles drin ist. Vielmehr wissen...

 

2. ... die meisten Dealer nicht, was sie genau verkaufen.

Wenn der Dealer den Stoff nicht selber herstellt, dann kann er dir auch nicht sagen, was genau drin ist.

Ich bin ein Mittelsmann. Ich bekomme die Ware von einem Großhändler und verkaufe sie weiter. Keine Ahnung, was ich da genau bekomme. 

Bei Gras kann ich die Qualität noch einigermaßen abschätzen. Aber auch hier wird oft getrickst. Entweder wird die Ware mit Haarspray solange eingesprüht, bis sie schön klebrig und schwer ist (so wollen es die meisten schließlich haben) oder es wird für mehr Gewicht feiner Sand untergemischt.

Kiffen ist mittlerweile keine große Sache mehr.

Das muss aber nicht immer sein und kommt tatsächlich immer seltener vor. Kiffen ist mittlerweile keine große Sache mehr. Es lohnt sich, gutes, reines Gras zu verkaufen – viele Kunden merken das und kommen gerne wieder.  

Geliefert wird immer in einer großen Ladung einmal im Monat. (Bild: bento)

Bei Koks ist das anders. Da hat keiner von irgendwas eine Ahnung. Gestreckt ist es in jedem Fall. Es waren einfach schon zu viele Hände an dem Stoff, bevor er bei mir ankommt. In Deutschland an reines Koks zu kommen, ist sehr (wirklich sehr!) schwer. Da wird immer versucht, mit möglichst wenig Produkt den größtmöglichen Gewinn zu erzielen.

Gestreckt wird oft mit Zucker, Stärke oder im schlimmsten Fall mit Waschpulver. Aber auch Medikamente werden gerne unter den "Schnee" gemischt. Lidocain ist da ein beliebtes Mittel. Es unterstützt das Taubheitsgefühl innerhalb der Nase nach dem Ziehen der Line. Das Koks wird dann mit dem meist feuchten Mittel vermischt, getrocknet und wieder zu einem feinen Pulver gemahlen.

Ich kenne Leute, die haben komplett überreizte Nasennebenhöhlen oder ein Loch in der Nasenscheidewand. Und das nur durch den übermäßigen Gebrauch von Kokain - und den Scheiß, der untergemischt ist.  

 

3. Die Sache mit dem Verdienst.

Ich kann ganz gut vom Dealen leben. 600 bis 1000 Euro kommen bei mir monatlich in bar zusammen. Manchmal auch mehr. Meine Einnahmen richten sich immer nach den Preisen auf dem Markt. Sind die Einkaufspreise höher, musst du auch mehr zahlen.

In der Regel ist es aber so: Ich kaufe ein Gramm Grünes für drei Euro ein und verkaufe es für zehn Euro weiter. Heißt: Sieben Euro  Gewinn. Wie viel da auf 500 Gramm zusammenkommt, kannst du dir selber ausrechnen.

Das große Geld liegt aber im Koks. Da zahle ich für ein Gramm im Schnitt 40 bis 50 und verkaufe es für 100 Euro. Bei den zehn bis zwölf Gramm kommt auch da einiges an Kohle rum.  

Jedes Briefchen beinhaltet ein Gramm Koks. Das machten 500 Euro oder mindestens ein Jahr Knast. (Bild: bento)

Man darf aber nicht vergessen: Davon kriegen meine "Chefs" den größten Anteil ab. So ist das nun mal. Dafür tragen sie das größere Risiko. Bei denen liegen schließlich die großen Mengen, und sie transportieren den Stoff aus dem Ausland nach Deutschland.  

Ich habe immer eine große Summe Bares zu Hause.

Wir reden hier natürlich auch von Schwarzgeld. Ich muss nichts versteuern und habe immer eine große Summe Bares zu Hause, von der der Staat nichts weiß.

4. Die Polizei macht mir keine Angst.

Der deutsche Rechtsstaat macht mir das Leben als Dealer nicht schwer. Wegen meiner Deals in den  Knast zu kommen, davor habe ich keine Angst. Was soll die Polizei denn machen? Meine Wohnung kann sie nicht so einfach stürmen. Dazu braucht sie einen Durchsuchungsbefehl, und den gibt es nur, wenn etwas gegen mich vorliegt.

Ich nehme seit 13 Jahren Drogen und verticke seit sechs Jahren selbst welche. Mir ist noch nie etwas passiert. Ich bin ein normaler Typ, ich studiere, niemand kommt von außen darauf, dass ich deale.

Wer den Verkauf einigermaßen schlau anstellt und ein gewisses Maß an  Menschenkenntnis besitzt, der braucht vor der Polizei keine Angst zu haben.

Denen sind durch viel Papier- und Organisationskram einfach die Hände gebunden. Bis die irgendwas machen können, bin ich schon längst weg und irgendwo in der Sonne. Dafür habe ich die entsprechenden Rücklagen. Erst wenn sie Marihuana legalisieren, bekomme ich ein Problem.

Der Besitz von Drogen und das Gesetz:

Laut dem deutschen Betäubungsmittelgesetz (BtMG, § 29 ff.) wird der unerlaubte Besitz und Handel von Betäubungsmitteln mit einer Freiheitsstrafe bis fünf Jahren oder einer Geldstrafe bestraft.

In der Regel werden Drogen in weiche, mittelgefährliche und harte Drogen aufgeteilt. Je nach Kategorie fällt auch das Strafmaß aus. Der Besitz von 5 Gramm Kokain (harte Droge) wird schon mit mindestens einem Jahr Freiheitsentzug bestraft, bei Cannabis (weiche Droge) fällt das Strafmaß milder aus.

Es ist wichtig wie viel Drogen man laut BtMG besitzt:

  • Die "Geringe Menge" ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Vor allem bei Cannabis kommt es dann nicht immer zu einer Verurteilung oder Strafverfolgung. So sind 6 Gramm in Brandenburg noch im Rahmen. 10 Gramm in NRW. 
  • Anders ist es bei der "Nicht-Geringen Menge". Entscheidend ist hier die Qualität der Droge, sprich die Konzentration des Wirkstoffes. Ein Beispiel: Hat das besessene Cannabis einen höheren THC-Gehalt (also das was high machen soll) von 7,5 Gramm, kann man mit einer Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren rechnen.

Übrigens: 2017 gingen mehr als die Hälfte der Verfahren in Deutschland auf das Konto von Cannabis. 

 

5. Die Legalisierung würde einiges ändern. 

Gras zum freien Verkauf in lizensierten Shops: das wäre mein Ruin.

Mal ehrlich: Wie dumm ist der deutsche Staat eigentlich? Anstatt sich die Kohle selbst zu holen, überlässt er uns Dealern den ganzen Kuchen. Monat für Monat machen wir uns die Taschen voll, ohne dass wir davon irgendwas abgeben müssen.

Ich habe das Gefühl, dass heutzutage mehr gekifft wird denn je.

Ich habe das Gefühl, dass heutzutage mehr gekifft wird denn je. Mein Geschäft boomt. Den Verkauf und die Qualität von Drogen staatlich zu überwachen, wäre in meinen (bürgerlichen) Augen nur sinnvoll. Die Politik sollte im Sinne der Bürger handeln. Und was wäre mehr im Sinne der Bürger, als gutes und sauberes Gras, das nichts Schlimmeres anstellt als high zu machen? Geraucht wird es doch sowieso.

Als Dealer drücke ich natürlich beide Daumen, dass das nicht passiert. Der Staat soll mal schön weiter den illegalen Markt fördern.

 

6. Es ist nicht so leicht, wie es klingt

Die Polizei ist kein Problem, es kommt leichtverdientes Geld rein, das auch noch unversteuert und in bar. Das klingt nach einem lukrativen Job.

Eben nicht. All das hört auf, entspannt zu sein, wenn dein Chef mit einem Baseballschläger vor deiner Tür steht. Mit den schweren Jungs ist wirklich nicht zu spaßen. Ein Schlag mit einem "Basi" tut weh. Glaub mir.

Was richtig Schlimmes ist mir noch nicht passiert. Mehr als eine geprellte Rippe und eine geplatzte Lippe gab es nicht. Ich kenne aber Jungs, denen wurde erst die gesamte Bude auseinandergenommen und dann das Gesicht. Die lagen eine Weile im Krankenhaus, weil sie vom "Auto angefahren" wurden. Denn was willst du machen? Anzeige erstatten? Geht ja nicht.

Die zeigen mir einen Vogel und wackeln mit dem Baseballschläger.

Auch kann ich nicht einfach aufhören. Einmal drin im Verkauf kommt man da nicht wieder raus. Nur mit einer Selbstständigkeit in Produktion und Verkauf geht das. In meinem Fall kann ich aber nicht einfach sagen: "Jungs, ich bin raus." Die zeigen mir einen Vogel und wackeln mit dem Baseballschläger.

Und damit ist der Spaß vorbei. Ich mache mittlerweile nur noch gute Miene zum bösen Spiel, nehme mein Geld und hoffe, dass ich irgendwie da rauskomme."


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In den Niederlanden spielt eine Straße Musik, wenn man auf ihr fährt
"Es ist Folter"

Die Niederlande haben weder Autobahnen noch Autos erfunden, doch wie man Spaß hat, wissen sie oft besser als wir. Neuester Beweis dafür ist eine Landstraße in der Provinz Friesland. "Sie nähern sich einer singenden Straße", warnen Schilder bereits im Voraus rund um das Dorf Jelsum. Kurz darauf folgen Notenschlüssel auf dem Asphalt und spezielle Rillen, die Musik machen, sobald man über sie fährt.