Bild: Julian Stratenschulte/dpa
Einfach so.

Wahlplakate stehen aktuell wieder auf der Abschussliste. Im Osten der Bundesrepublik wird vor allem auf Plakate der Linken, Grünen und der Regierungsparteien SPD und CDU Jagd gemacht, in Großstädten trifft es auffällig viele FDP- und AfD-Plakate. Nachts werden sie heimlich verschandelt, besprüht, zerrissen oder geklaut und in der Hecke entsorgt. 

Das Problem dabei: Das ist illegal. 

Denn dabei handelt es sich um Sachbeschädigung, und diese wird mit Geldstrafen bis hin zu zweijährigen Haftstrafen geahndet (Frankfurter Rundschau). Eine kreativere und vollkommen legale Alternative hat sich das Berliner Künstlerkollektiv "einfachso" überlegt. 

Sie drehen die Plakate einfach um: 

Man könnte Wahlplakate zerstören. Man könnte Wahlplakate abhängen. Man könnte Wahlplakate bemalen. Man kann sie aber...

Posted by EinfachSo on Wednesday, August 30, 2017
Was steckt hinter der Aktion "Wahlplakatwende"? 

In einer Pressemitteilung erklären die anonymen Aktivisten, dass die weißen Rückseiten von Bürgern gerne nach ihrem eigenen Gusto verziert werden dürfen, immerhin seien diese von den Parteien ja bewusst frei gelassen worden: "Wie werden die Bürger die Flächen nutzen? Für Forderungen an die Politik? Für Kunst? Für Liebeserklärungen mit Herzchen?“

Wir haben bei ihnen nachgefragt. Ein anonymes Mitglied der Gruppe, nennen wir ihn Max, sagt uns im Telefoninterview: "Wir machen das einfach so. Die Interpretation der Aktionen überlassen wir bewusst den Betrachtern."

Wir drehen alle Plakate um, egal, ob sie sie extrem linken, extrem rechten oder extrem mittelmäßigen Parteien gehören.
Max

Die Legalität der Aktion wurde den Künstlern von der Polizei bestätigt, erzählt Max: "Sie haben uns beim Umdrehen beobachtet und angesprochen. Nach einem langen Gespräch mit der Zentrale war klar, dass das Durchtrennen der Kabelbinder unerheblich und keine Sachbeschädigung sei."

In einem offenen Brief an die Werbeagenturen und Parteien hinter den Plakaten erklären "einfachso", was sie an den Plakaten stört: 

unser offener Brief an die Parteien und PR-Agenturen #einfachso #btw17 #bittewenden17 #wahlplakatwende

Posted by EinfachSo on Wednesday, August 30, 2017


Die Künstler haben im Jahr 2016 bereits mit einer anderen Guerilla-Aktion auf sich aufmerksam gemacht. Damals hatten sie über 30 Schaukeln an öffentlichen Orten in Berlin aufgehängt. (BZ) Vielleicht als kunstvoller Protest und als Aufforderung, den gemeinsamen Raum spielerisch zu nutzen. Vielleicht aber auch einfach so. 


Food

Nein, die Lebkuchen kommen nicht jedes Jahr früher. Aber sie sollten es!

Lebkuchen, Spekulatius, Brezeln-Herzen-Sterne – die Läden sind wieder voller Weihnachtskram. Und das bedeutet: In 3...2...1... geht wie immer das große Meckern los. 

Das Wichtigste vorweg: Nein, es wird nicht jedes Jahr früher. (bento) Dabei würde ich mir das sogar wünschen! Denn ich bin einer dieser Menschen, die schon im Spätsommer Spekulatius naschen.