Es gibt ja Leute, die haben heute was Besseres vor, als wählen zu gehen. Nichts gegen Briefwahl, wenn sie sein muss. Aber freiwillig würde ich das nie machen. 

Ich steh total auf diesen Tag und dieses Gefühl: Durch die Straßen zu gehen, mir die Leute anzugucken und mich zu fragen, ob sie wohl gerade im Wahllokal waren. Eltern zuzuhören, die ihren Kindern erklären, heute müsse man unbedingt in die Schule, "ein Kreuz machen". 

Und daran, wie sie das sagen, merkt man, dass es etwas Besonderes ist, dieses eine Kreuz.

Man kann nach außen immer so tun, als sei einem dieses Gewähle egal, behaupten, man glaube eh nicht daran, dass man irgendwas bewegt, aber in meinem Fall wäre das vor allem: Selbstschutz. Weil es mir eben doch wichtig ist.

Ich hoffe und bange für meine gewählte Partei wie für meinen Lieblingsverein. Ich will, dass manche Parteien gewinnen und andere verlieren – und dass manche am besten nie in die erste Liga aufsteigen. 

Wenn ich mich dem Wahllokal nähere, habe ich auch immer das Gefühl, die Menschen werden ein bisschen netter zueinander: Auf einmal ist da Zeit für ein Lächeln und eine aufgehaltene Tür mitten in Hamburg, ein verschwörerisches Grinsen, als sei man Teil eines Geheimbundes, der sich hier trifft. Das rührt mich.

Und ein bisschen stimmt das ja auch: Wir sind die, die mitmachen.

Wenn du noch nicht weißt, wen du wählen willst, helfen dir diese Artikel bestimmt weiter:

Das sind die 5 dümmsten Gründe, nicht wählen zu gehen

Das sind die absolut dümmsten Gründe, nicht wählen zu gehen (laut Crowdspondent):

Posted by bento on Friday, September 22, 2017

Die, die nicht aufgegeben haben, die dem frustrierten Chorus aus "Meine Stimme bringt doch eh nichts" bis "Das ist doch egal wen man wählt, die sind eh alle gleich" etwas entgegen halten. Die sich trauen, sich auf etwas festzulegen, auch wenn sie nicht von allem zu hundert Prozent überzeugt sind.  

Wählen gehen im Wahllokal ist für mich, was für andere an Weihnachten in die Kirche gehen ist: ein Ritual, das mich mit meiner Gesellschaft und den Menschen um mich rum näher verbindet. Es erinnert mich daran, dass unsere Demokratie eine gute Sache ist. Ich will daran teilhaben. Will in alten Schulgebäuden Bohnerwachs riechen, meinen Nachbarn auf dem Gang "Hallo" sagen und mich freuen, dass auch sie Teil des Clubs sind.

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Ich bin auch jedes Mal ein bisschen aufgeregt, wenn ich meine Wahlbenachrichtigung oder meinen Ausweis vorlege: Vielleicht darf ich, aus irgendwelchen komischen Gründen, doch nicht teilnehmen an der Wahl? Hab einen Dreher im Namen oder in der Postleitzahl übersehen? 

Ist zum Glück noch nie passiert.

Und dann kommt immer dieser winzig kleine Moment Panik, nachdem der Zettel in der Wahl-Mülltonne (ja, mit Symbolik haben die Demokraten es halt nicht so) verschwunden ist, der mich durchzuckt: Hast du ganz sicher das Kreuz bei der richtigen Partei gemacht? Ja doch! 

Ich weiß nicht, wovon die Leute reden, wenn sie übers Wählen gehen sprechen, als sei es die langweiligste Bürgerpflicht der Welt.

Für mich ist es Pokalsieg Borussia Dortmund meets Weihnachtsmann. Ernsthaft!


Gerechtigkeit

Ohne Wahlbenachrichtigung wählen? So geht es

Die Wahlbenachrichtigung kommt schon Wochen vor der Wahl per Post. Darin erfährt der Wahlberechtigte wann und in welchem Wahllokal, er seine Stimme abgegeben kann. Wer die Wahlbenachrichtigung verloren oder aus Versehen weggeworfen hat, kann trotzdem wählen. (bpb)