Bild: Getty Images / Steffi Loos
Die AfD gewinnt stetig leicht hinzu.

Wir haben es alle miteinander geschafft: Dies ist der letzte Wochenüberblick vor der Wahl – und tatsächlich kommt in die Umfragen noch einmal Bewegung, einige Zahlen sind sogar leicht widersprüchlich zueinander. Fünf Umfragen sind erschienen und die FDP verliert in zwei, gewinnt in drei, die Linke gewinnt zwei Mal, bleibt zwei Mal gleich und verliert ein Mal.

Deutlicher sind aber zwei Trends: Die Union hat noch einmal verloren, von 12 Umfragen in den letzten 14 Tagen ging es in 9 nach unten. Im S&R-Schnitt verloren CDU/CSU rund zwei Prozentpunkte, in der Prognose etwa 1,5 Prozentpunkte, so dass die Union nun bei knapp 37 Prozent steht. 

Die AfD dagegen gewinnt in vier Umfragen diese Woche hinzu, in den letzten beiden Wochen gab es in 9 von 14 Umfragen ein Plus. Um die zehn Prozent sind derzeit unser Schnitt und unser vorhergesagtes Ergebnis.

Was das jetzt heißt

Die SPD bleibt weiter konstant hinter der Union, daran gibt es nichts zu rütteln. Oder vielleicht doch? Es gibt noch einen winzigen Lichtblick für die Sozialdemokraten, aber die Hoffnung ist winzig. Die Forschungsgruppe Wahlen veröffentlicht die Politische Stimmung unter den Befragten mit – und dort konnte die SPD die Lücke auf die Union von 20 Prozentpunkten vor zwei Wochen auf nur noch 6 Punkte in dieser Woche verkürzen. 

Ein wichtiges Wort der Vorsicht: Es handelt sich nur um ein Institut und auch nicht die Projektion, sondern nur die Wiedergabe der Stimmung einer Woche. In der Projektion bewegt sich deutlich weniger und die SPD kann den Rückstand nur von 17 auf 13 Punkte verkürzen.

Mehr über die Prognose hier

Wir bleiben bei unserer vorsichtigen Bewertung der AfD: Seit Donald Trumps Wahl schnitten rechte und rechtskonservative Parteien oft schlechter ab als zuvor erfasst. Die Institute scheinen aus Angst vor der angeblichen "schweigenden Mehrheit" die Parteien überzubewerten – oder möglicherweise gelingt den Gruppierungen eben doch die Mobilisierung schlechter als wahrgenommen.

Trotzdem muss es deutlich gesagt werden: Die fremdenfeindliche und rückwärtsgewandte Alternative für Deutschland hat eine realistische Chance, die stärkste Oppositionspartei Deutschlands zu werden, derzeit mit rund zehn Prozent aller Stimmen.

Diese Woche erleben wir dann die letzten Umfragen vor der Wahl, YouGov will zudem am Mittwoch eine Prognose für Sonntag veröffentlichen.

Was wirklich wichtig war

Wahlkampf, Wahlkampf, Wahlkampf. In dieser Phase jetzt noch mit frischen Ideen durchdringen zu wollen, dürfte beinahe unmöglich sein und die Parteien besinnen sich eher darauf, ihre Kernklientel überhaupt zur Stimmabgabe zu motivieren.

Für ein wenig Furore hat da vielleicht noch am Ehesten ein von vielen Parteien unterstützter Vorschlag gesorgt, wonach die Legislaturperiode künftig fünf statt vier Jahre dauern soll. Spitzenpolitiker aus CDU, CSU, SPD, Grüne und FDP haben den Vorstoß befürwortet.

Signal & Rauschen

Logo_L.png#asset:1580048Christian Fahrenbach und Dominik Wurnig von Signal & Rauschen erklären den Stand zur Bundestagswahl: Wer liegt in den Umfragen vorne, warum bekommen die Zahlen so viel Aufmerksamkeit und wie zuverlässig sind sie überhaupt? Das Projekt wird unterstützt vom MIZ-Babelsberg. Hier geht's zur aktuellen Prognose


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Die AfD hat 35 Rechtsradikale auf vorderen und aussichtsreichen Listenplätzen
94 Kandidaten, 35 Rechtsradikale: Unsere Recherche über die AfD-Kandidaten zur Bundestagswahl

Wir haben uns 94 Kandidaten der AfD angesehen. Wir wollten wissen: Wen wählt die Partei auf die vorderen Listenplätze zur Bundestagswahl? Und: Wer von ihnen hat gute Aussichten, künftig als Abgeordneter im Bundestag zu sitzen?

Gefunden haben wir 35 Rechtsradikale. 

Kommt die AfD auf 10 Prozent, könnten 28 von ihnen im Bundestag sitzen. (Welche Partei wie viele Plätze im Bundestag bekommt, lässt sich zum Beispiel auf mandatsrechner.de ausrechnen.) Mehr als jeder Dritte AfD-Abgeordnete wäre dann rechtsradikal.