Männer, Männer, Männer und ein vorhersehbares Ende

Dass Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Sonntag zum Bundespräsidenten gewählt wird, ist genauso sicher wie eine Nachricht deiner Mutter bei WhatsApp, dass du dich ja auch mal wieder melden könntest.

Als Bundespräsident wird nämlich derjenige gewählt, der die Mehrheit der Stimmen der Bundesversammlung gewinnt. Steinmeier braucht 631 für den Sieg. CDU, CSU und SPD haben ihn nominiert und kommen zusammen auf 923 Stimmen – sollte also reichen.

Spannender als der Ausgang der Wahl sind dafür diese 5 Fakten:
1. Die Männerversammlung
(Bild: Imago/ Bettina Strenske)

In Deutschland leben insgesamt 41 Millionen Frauen – macht zwei Millionen mehr als Männer. Wer bestimmt über das höchste Amt im Land, den Bundespräsidenten? Männer!

Bei nur 36,3 Prozent liegt der Frauenanteil in der Bundesversammlung nach den Berechnungen von Blogger Till Westermayer, der alle 1260 Teilnehmer durchgezählt hat. (Liste aller Teilnehmer, Berechnungen von Westermayer) Im Bundestag ist die Lage ebenso unausgeglichen – erliegt bei bei 37,1 Prozent (bundestag.de).

2. Frank Thelen wählt mit
Investor Frank Thelen(Bild: dpa/ Christian Charisius)

Schade, dass "Höhle des Löwen"-Juror Frank Thelen den zukünftigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier nicht so mit Fragen löchern kann wie die TV-Kandidaten: "Wie willst du damit Geld verdienen?", "Ist das skalierbar?", "Wie bist du auf die Idee gekommen?", "Wer braucht das?" Fragen, auf die wir wirklich gern mal eine Antwort hätten.

Bei der Bundespräsidentenwahl aber wird Multimillionär Thelen zwischen den 1259 anderen Mitgliedern der Bundesversammlung Platz nehmen und ohne vorherige Befragung seine Stimme abgeben. Eingeladen hat ihn FDP-Chef und Mitglied des NRW-Landtages Christian Lindner, als Vertreter für den Bereich Technologie und Startups. Thelen investiert als Vorstand einer Risikokapital-Firma in kleine Unternehmen und berät unter anderem Tochterfirmen von Microsoft (Wirtschafts Woche).

Wieso auch Prominente in der Bundesversammlung sind?

Neben den 630 Abgeordneten des Bundestages entsenden die Landesparlamente noch einmal genauso viele Vertreter – darunter sind meistens Landtagsabgeordnete, Kommunalpolitiker und immer wieder einige Promis.

Also lieber Herr Thelen, werden sie in Steinmeier investieren oder steigen sie aus?

Diese Promis sind unter anderem in diesem Jahr dabei:
1/12
3. Der chancenlose Konkurrent: Richter Alexander Hold

Noch nie war eine Frau Bundespräsidentin und auch dieses Mal steht keine zur Wahl. Neben unserem ehemaligen Außenminister Steinmeier tritt unter anderem dieser Herr an:

Richter Alexander Hold(Bild: dpa/ Daniel Reinhardt)

Ihr kennt ihn vielleicht noch aus der Fernsehsendung "Richter Alexander Hold", seit Jahren ist er aber auch in der Kommunalpolitik aktiv. Seit 2013 sitzt Hold für die Freien Wähler auch im Bezirkstag Schwaben (Merkur). Die Partei hat ihn jetzt auch für die Wahl des Bundespräsidenten nominiert.

Steinmeier steht als Bundespräsident so gut wie fest, aber Hold ist überzeugt: "Wenn man in Deutschland allerdings den Bundespräsidenten direkt wählen könnte, dann hätte ich bessere Chancen." (Bayerischer Rundfunk).

4. Noch ein aussichtsloser Kandidat: Engelbert Sonneborn ist dein Vater

Wie man ein guter Bundespräsident wird? Einfach die Reden des bisherigen Amtsinhabers Joachim Gauck kopieren und das Wort Freiheit durch Freizeit ersetzen! So zumindest stellt sich Satire-Politiker Martin Sonneborn das Erfolgskonzept für seinen Vater Engelbert vor.

Er hat zusammen mit seiner Partei "Die Partei" und der Piratenpartei seinen Vater als Kandidaten aufgestellt. "Mein Vater ist prädestiniert für das Amt: Er besitzt einen dunklen Anzug", sagte der Europaabgeordnete und Die-Partei-Vorsitzende Sonneborn über die Nominierung. Zudem sei er "ein Mann von Manieren und großer Höflichkeit".

Das wären ja schon einmal ganz gute Voraussetzungen. Engelbert selbst äußert sich übrigens vor der Wahl nicht. Das Sprechen übernimmt der Sohn und wirbt mit dem Plakat: "Mein Vater – Euer Vater".

Hier ein möglicher zukünftiger Redeausschnitt von Sonneborn-Senior:
Da dem Menschen Freizeit und Würde vom Schöpfer selbst gegeben seien, dürften sie ihm von niemandem genommen werden.

Gauks Originalrede findet ihr hier.

5. Beinahe hätte es doch eine Frau werden können
(Bild: dpa/ ´Tobias Kleinschmidt)

Denn Angela Merkel hatte eigentlich Marianne Birthler für den Posten vorgesehen. Die frühere brandenburgische Bildungsministerin und ehemalige Beauftragte für die Stasi-Unterlagen wäre als Kandidatin von CDU, CSU und Grünen nominiert worden, sagte aber nach SPIEGEL-Informationen kurz vorher ab.


Streaming

"Split" ist der Psychothriller, den gerade alle sehen wollen. Warum eigentlich?