Bild: Frank Rumpenhorst/dpa
Und wer zahlt das dann?

Der Urlaub war schön, du willst wieder zurück nach Hause fliegen, immerhin warten Verpflichtungen auf dich: Arbeit, Uni, Mamas Geburtstag... Doch dann wird dein Flug von der Fluggesellschaft um mehrere Stunden verschoben. Was tun? Schnell selbst einen anderen, schnelleren Flug buchen?

Der Bundesgerichtshof hat am Dienstag geklärt, wer zahlen muss, wenn man sich bei einer Flugverspätung selbst um einen neuen, schnelleren Rückflug gekümmert hat: 

Pauschalurlauber müssen vom Veranstalter ihrer Reise (also Tui, Neckermann, Expedia oder wer auch immer) in den Reiseunterlagen darüber informiert werden, dass der Reisende dazu verpflichtet ist, Reisemängel zu melden. Reisemängel sind zum Beispiel starke Flugverspätungen, Baulärm am Hotel oder Ähnliches. So dass der Veranstalter dann die Chance hat, den Mangel zu beheben oder für Ersatz zu sorgen.  

Wurden sie darüber nicht ordentlich informiert, dürfen sie das Problem selbst aus der Welt schaffen und dann das Geld dafür vom Veranstalter zurückverlangen. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe am Dienstag entschieden.

Worum ging es in dem Fall vorm Bundesgerichtshof?

Folgendes ist einer Familie passiert: Sie war im Türkeiurlaub, einem Pauschalurlaub, und sollte eigentlich um 20 Uhr zurück nach Frankfurt fliegen. Am Flughafen angekommen, erfuhr die Familie allerdings, dass ihr Rückflug erst um 22:40 Uhr starten solle, nur nach Köln gehe und dass dann noch einen Bustransfer nach Frankfurt organisiere. So wäre die Familie mit mehr als sechs Stunden Verspätung zu Hause ankommen – erst in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages.

Die Eltern wollten das nicht mitmachen. Bei einer anderen Fluggesellschaft buchten sie eine Flugverbindung nach Frankfurt am selben Abend. Die 1235 Euro, die sie das kostete, forderten sie später vom Reiseveranstalter zurück. 

Was war das Problem?

Erst sah es schlecht aus für die Familie: Eine solche Verspätung ist natürlich ein Reisemangel, erläutert Felix Methmann vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. 

Aber: Pauschalreisende, wie diese Familie, müssen dem Veranstalter die Chance geben, eine Lösung zu finden, bevor sie selbst einen Alternativflug buchen. Die Familie hatte in diesem Fall eine Service-Telefonnummer bekommen, dort aber nicht angerufen

Außerdem hatte die Familie erst mehrere Monate nach der ganzen Geschichte das Geld für den Rückflug angefordert – hätte das aber spätestens einen Monat nach Reiseende tun müssen. (Diese Einmonatsfrist gilt wegen Neuerungen im Reiserecht seit dem 1. Juli nicht mehr. Jetzt sind nach dem Urlaub zwei Jahre Zeit.)

Warum hat der Bundesgerichtshof der Familie nun doch Recht gegeben?

Der Familie kam zugute, dass sie auf ihre Pflicht, erst den Veranstalter um "die Behebung des Reisemangels" zu bitten, nicht ordnungsgemäß hingewiesen wurden. Die Information fand sich nur in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen versteckt. Sie müsste aber in der Reisebestätigung stehen, so die Richter. 

Welche Rechte habe ich normalerweise, wenn mein Flug verspätet ist?   

  1. Eine mehrstündige Verspätung bei Flügen gilt als "Reisemangel", wofür du beim Veranstalter eine Minderung des Reisepreises durchsetzen kannst. 
  2. Unabhängig davon muss nach der EU-Fluggastrechteverordnung die Fluggesellschaft für Verspätungen (die nichts mit dem Wetter oder einer höheren Macht zu tun haben) geradestehen: Bei mehr als drei Stunden Verspätung steht Reisenden eine Ausgleichszahlung zu – je nach Flugstrecke und Zeitverlust zwischen 250 und 600 Euro. Egal wie teuer der Flug ursprünglich war.

Hast du das Geld von der Fluggesellschaft (Punkt 2) schon bekommen, muss das allerdings bei der Minderung beim Reiseveranstalter (Punkt 1) mit berücksichtigt werden. 

Wie der EuGH am Mittwoch entschieden hat, muss bei einem Flugausfall oder einer Verspätung von mehr als drei Stunden immer die Airline eine Entschädigung zahlen, die den Flug angeboten hat.

Also: Wenn du einen Flug bei TUIfly gebucht hast (so war es in dem Fall, der vorm EuGH verhandelt wurde), der Flug dann aber von Thomson Airways ausgeführt wird (auf dem Ticket steht dann "ausgeführt von Thomson Airways") und der Flug ist verspätet oder wird annulliert, dann muss trotzdem TUIfly zahlen. (SPIEGEL ONLINE)

Ich stehe am Flughafen, mein Flug hat Verspätung. Was tue ich?

  • Lass dir von der Airline noch am Flughafen schriftlich und mit Begründung (!) die Verspätung deines Fluges bestätigen. 
  • Hebe alle Quittungen für Ausgaben, die wegen der Verspätung zustande kamen, auf: Taxi, Hotel, Essen, Trinken... 
  • Sind auch andere Mitreisende betroffen? Tauscht Kontaktdaten aus, gemeinsam kämpft es sich am besten. 

Zu Hause angekommen, wende dich direkt an die Fluggesellschaft oder an deinen Reiseveranstalter, um dein Geld zurückzufordern. (WDR)

Update: Wir haben das neues Urteil vom Europäischen Gerichtshof, wer bei Verspätung zahlen muss, hinzugefügt.


Mit Material von dpa


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