Bild: Bundesbereitschaftspolizei
Was daran schwierig ist.

Tiefer Bass dröhnt, Rauchschwaden steigen auf. Vermummte schmeißen Steine, es könnten Linksautonome sein oder Rechtsextreme. Dann fährt die Kamera auf die andere Seite: Dort steht die Bereitschaftspolizei. 

Erst marschieren sie ruhig auf die Demo zu, dann stürmen sie los. Dazu ertönt die Stimme von Reiner Schöne, er spricht sonst in Hollywoodfilmen den Kampfroboter Optimus Prime und Darth Vader. "Wir sind ein Team, wir gehen Seite an Seite", sagt er mit reibender Stimme aus dem Off. Dann:

Wir sind nicht nur Hunderte. Wir sind Tausende.

Was wie der Trailer zu einem Action-Blockbuster von Michael Bay wirkt, ist der neue Imagefilm der Bundesbereitschaftspolizei.

Drei Minuten lang werden Polizistinnen und Polizisten bei der Arbeit gezeigt. Und die scheint bei der Bundesbereitschaftspolizei (eine Wortneuschöpfung für die größte Einheit der Bundespolizei) vor allem eins zu sein: Draufhauen! Nach der Demo zum Einstieg wird ein Schießtraining gezeigt, bei einer Razzia wird ein mutmaßlicher Terrorist zu Boden gerungen. Sein Komplize, der observiert wird, trägt einen langen Fusselbart.

Das ist der Clip der Bundesbereitschaftspolizei:

Wer soll sich eigentlich angesprochen fühlen, wenn die Arbeit bei der Bundesbereitschaftspolizei aussieht wie eine Hollywood-Keilerei ?

Die Bundespolizei erledigt in Deutschland wichtige Aufgaben. Sie beschützt Großveranstaltungen, Fußballspiele und Konzerte, sie stellt sicher, dass wir friedlich demonstrieren können. Für den Staat schützt sie Flughäfen und Bahnhöfe, packt nach Umweltkatastrophen und Anschlägen an.

  • Kurz: Die Bundespolizei soll dein stabilster Freund und Helfer sein. 

Im Film wirken die Polizistinnen und Polizisten aber eher wie eine Dampfwalze im Namen des Staates, nicht wie die Beschützer des Volkes. 

"Die Werbekampagne zielt auf Machokultur und Abenteuer mit Waffen", sagt Rafael Behr. Er ist Professor für Polizeiwissenschaft mit den Schwerpunkten Kriminologie und Soziologie an der Akademie der Polizei Hamburg. Das Bild sei aber schief, "beim Bewerbungsgespräch heißt es dann: So dürft ihr euch den Dienst bitte nicht vorstellen."

Trotzdem entspreche der Film ganz dem neuen Selbstverständnis der Polizei, sagt Behr. Es gehe um einen neuen Rigorismus. Früher sollten Beamtinnen und Beamte gute Sozialarbeiter sein, Disziplin galt als wichtigste Tugend. Bei Gefahren sollten Polizisten deeskalierend und besonnen agieren. Sie hätten auch verletzlich sein dürfen, die, die den Kopf hinhielten, sagt Behr. 

Heute sei das anders: "Unter der Supermetapher Sicherheit werden die Budgets aufgepumpt, Kriminalität wird mit Gewalt beantwortet." Viele Werbefilmchen liefen daher nach der immer gleichen Struktur: "Starke Männer überwältigen gefährliche Männer."

Der Polizist als Schutzmann wird mehr und mehr ersetzt durch den Polizisten als Krieger.
Rafael Behr

Ist das wirklich das Ziel? Die Bundespolizei selbst sieht es ein bisschen anders. Der Imagefilm soll die "vielfältigen Aufgaben und Funktionen" darstellen, heißt es von der Behörde. Aber ja, der Film soll "gezielt junge Menschen im Rahmen der Nachwuchswerbung ansprechen".

Empirische Studien, wie viele junge Männer sich durch die martialischen Filme begeistern lassen, gebe es nicht, sagt eine Sprecherin zu bento. Aber aus Bewerbungsgesprächen höre man, dass "die Imagefilme bei der Zielgruppe sehr positiv aufgenommen werden".

Und nicht nur für künftige Bewerber seien die Filme gedacht: "Die Kampagnen stärken auch das Wir-Gefühl unter den Kollegen", sagt die Sprecherin.

Nicht nur die Bundespolizei wirbt mit solchen Filmen. Auch die Hamburger Polizei inszenierte sich jüngst als eine Art Rambo von der Waterkant. Hinter Kampagnen wie diesen stehe ein Imagewandel, sagt Kriminologe Behr:

Die Bilder zeigen eine Abkehr von der Friedensinstanz hin zur Law-and-Order-Polizei.
Rafael Behr

Dieses Bild sei politisch gewollt – oder es werde zumindest begünstigt. Viele Bundesländer haben jüngst schärfere Polizeigesetze verabschiedet, noch ist nicht klar, ob diese vor dem Verfassungsgericht Bestand haben werden (bento). Gleichzeitig darf die Polizei viele neue Geräte einkaufen, unter anderem Sachsen und Berlin haben sich eigene Panzer geleistet (bento). 

Die Imagefilme sind die Reaktion auf die Erwartungen aus der Politik: Der Wille ist da, jetzt brauchen wir nur noch die neuen Rekruten!

Fragt sich nur, welche künftigen Polizistinnen und Polizisten damit angesprochen werden.


Grün

Ist der Klimastreik mehr als nur ein Greta-Hype?
Wir haben Streikende gefragt, was sie über den Greta-Hype denken

In der U-Bahn-Station am Hamburger Gänsemarkt, wo sich morgens sonst meist Anzugträger tummeln, geht es am Freitag bunt und laut zu. Zug für Zug kommen immer mehr Schülerinnen und Schüler an, drängeln sich auf den Rolltreppen, bekleben die letzten Schilder. Seit Wochen geht das so. Doch heute ist hier besonders viel los.

Der Grund dafür ist 1,53 Meter groß, weltberühmt und heißt Greta: Greta Thunberg, die 16-Jährige Initiatorin von "Fridays for Future" hat für diesen Freitag ihren Besuch beim Hamburger Klimastreik angekündigt. Für viele Teilnehmende ist sie ein Vorbild. Vor Ort ist dann von Greta nur wenig zu sehen, sie wird gut abgeschirmt und läuft ganz vorn. In den vergangenen Wochen war viel los.