Bild: epa/ Christophe Petit Tesson
Fragen und Antworten zu den Anschlägen in Brüssel
Was ist passiert?

In Brüssel hat es am Dienstagmorgen mehrere Anschläge gegeben: um kurz nach 8 Uhr am Flughafen, knapp eine Stunde später am U-Bahnhof Maelbeek. Dabei sind mehrere Menschen ums Leben gekommen, Dutzende wurden schwer verletzt. Die belgische Gesundheitsministerin Maggie De Block sprach am Mittwoch von "ungefähr 31 Toten" und rund 260 Verletzten. Die Zahl der Toten könne noch steigen, hieß es. (RTL Belgien) Auch mehrere Deutsche sind nach Angaben des Auswärtigen Amts verletzt worden.

Wie die Staatsanwaltschaft am Mittwoch auf einer Pressekonferenz bekannt gab, haben die beiden Brüder Ibrahim und Khalid El Bakraoui die Anschläge verübt. Laut der Ermittlungen habe Ibrahim das Attentat am Flughafen begangen, Khalid das Attentat in der U-Bahn. Auf einem Fahndungsfoto mit drei Verdächtigen, das am Dienstag veröffentlicht worden war, ist lediglich Ibrahim zu sehen. Die anderen beiden seien bislang nicht identifiziert. (SPIEGEL ONLINE)

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat sich bereits am Dienstag zu den Anschlägen bekannt. Auf der Seite ihrer selbst ernannten Nachrichtenagentur Amaq schreibt sie: "The attacks resulted in more than 230 dead and wounded." Die Dschihad-Beobachtergruppe SITE bestätigte die Authentizität des Bekennerschreibens. Islamisten hatten bereits zuvor via Twitter vom IS als Verantwortlichen der Angriffe geschrieben.

Im Video: Aufnahmen zeigen nach den Anschlägen Rauchwolken über dem Flughafengebäude

Schon wenige Stunden nach den Attacken waren die belgischen Sicherheitsbehörden von Terroranschlägen ausgegangen. Bei dem Attentat im Flughafen soll es sich um einen Selbstmordanschlag gehandelt haben. Die Staatsanwaltschaft habe Antiterror-Ermittlungen aufgenommen, berichtete der öffentlich-rechtliche Sender RTBF.

Fotostrecke: Bilder aus Brüssel
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Die Terrorwarnstufe in Belgien wurde auf vier gesetzt, teilte das Innenministerium mit (tagesschau), das ist der höchstmögliche Terroralarm. Denn: "Wir fürchten, dass Personen noch auf freiem Fuß sind", sagte Außenminister Didier Reynders im belgischen Fernsehsender RTBF. Der Sender meldete zudem, Ermittler seien im Raum Brüssel auf der Suche nach Verdächtigen, die mit den Attentaten zu tun haben könnten. (RTBF)

Am Nachmittag und Abend führte die Polizei in ganz Belgien Razzien durch, insbesondere in den Gemeinden Jette und Schaerbeek (RTBF). Dabei wurden eine IS-Flagge, ein Sprengsatz und Chemikalien gefunden (tagesschau).

Was wissen wir über die Hintergründe?

Am Nachmittag tauchte ein Bekennerschreiben des "Islamischen Staats" auf der dem IS nahestehenden Nachrichtenseite Amaq Agency auf. Darin beschreiben die Dschihadisten den Tathergang der Anschläge: "Islamic State fighters carried out a series of bombings with explosive belts and devices on Tuesday, targeting an airport and central metro station in the center of the Belgian capital Brussels, a country participating in the international coalition against the Islamic State."

Brüssel steht seit Monaten im Fokus des Anti-Terror-Kampfes: Im Stadtteil Molenbeek hatten in der Vergangenheit mehrere islamistische Kämpfer im Untergrund gelebt. Die Attentäter der Anschläge in Paris im vergangenen November kamen von hier, unter anderem der mutmaßliche Drahtzieher Salah Abdeslam.

Französische und belgische Polizisten hatten Abdeslam erst vor vier Tagen festgenommen. Ein Team aus beiden Ländern hatte in den vergangenen Monaten in Molenbeek ermittelt. Laut der belgischen Staatsanwaltschaft war nicht klar, ob der 26-jährige Abdeslam weitere Anschläge geplant hatte. (SPIEGEL ONLINE)

Der Umfang der Angriffe deutet darauf hin, dass dieser Tag länger geplant wurde – eine spontane Racheaktion für Abdelslams Festnahme dürfte es demnach nicht sein. Allerdings könnten die Täter aus seinem Umfeld stammen. Ermittler prüfen aktuell, ob es einen Zusammenhang zwischen Abdelslams Verhaftung und den Anschlägen am Dienstag gibt (SPIEGEL ONLINE).

Was wissen wir über die Attentäter?

Die belgische Polizei hat ein Foto einer Überwachungskamera aus der Abflughalle veröffentlicht. Darauf sind drei Männer zu sehen, zwei in schwarz gekleidet, einer in einer weißen Jacke. Bei den schwarz Gekleideten soll es sich um die Selbstmordattentäter handeln, die die beiden Explosionen ausgelöst haben. Nach dem dritten Mann wird nun gefahndet. Über den oder die möglichen Attentäter des Anschlags im U-Bahnhof ist noch nichts bekannt.

Ob es einen Zusammenhang zu den Attentätern von Paris gibt, ist bislang unklar. "Für den Augenblick ist es nicht möglich, eine formale Verbindung zu den Anschlägen von Paris herzustellen", sagte der belgische Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw am Dienstag. (tagesschau)

TERRORISME - Suspect à identifierLa police cherche à identifier cet homme. Il est suspecté d'avoir commis l'attentat à...

Posted by Politie Brussel HOOFDSTAD Elsene - Police de Bruxelles CAPITALE Ixelles on Dienstag, 22. März 2016
Wie groß ist der Flughafen Brüssel?

Der Flughafen liegt in Brüssel-Zaventem. Nach eigenen Angaben fertigte er im Jahr 2015 zuletzt 23,5 Millionen Passagiere ab – und ist damit der mit Abstand größte Flughafen Belgiens. Berlin-Tegel bedient ähnlich viele Passagiere im Jahr, Frankfurt kommt auf rund 60 Millionen.

Aufgrund seiner Lage ist Zaventem auch über Belgien hinaus wichtig: Passagiere aus den Niederlanden, Westdeutschland und Nordfrankreich nutzen den Flughafen als Drehkreuz. Für viele Politiker der Europäischen Union (EU) ist Zaventem ein Pendelflughafen.

Wo liegt die U-Bahn-Station Maelbeek?

Die U-Bahn-Station Maelbeek befindet sich direkt im EU-Regierungsviertel von Brüssel – einem der bestbewachten Viertel Europas. Wenige hundert Meter entfernt stehen die Gebäude des EU-Parlament, des Europäischen Rates und der Europäischen Kommission. Die Sicherheitsvorkehrungen sind dementsprechend hoch, bewaffnete Polizisten sichern hier täglich die Gebäude. Laut EU-Kommission wurden alle Tagungen abgesagt.

Welche Sicherheitsvorkehrungen wurden getroffen?

Aktuell werden alle Flüge mit dem Ziel Brüssel-Zaventem umgeleitet, wie auf dem Bild des Planefinders bei Twitter zu sehen ist; wann der Flughafen wieder geöffnet wird, ist noch unklar. Die Rue de la Loi, an der die Metrostation Maelbeek liegt, wurde gesperrt. Auch der Zugverkehr in Brüssel stand zwischenzeitlich still, am Abend waren aber fast alle Bahnhöfe wieder geöffnet. Wie die belgische Nachrichtenagentur Belga berichtet, wurden außerdem die Sicherheitsvorkehrungen an den Atomkraftwerken des Landes verstärkt.

Auch in zahlreichen anderen europäischen Ländern wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Frankreichs Innenminister kündigte an, 1600 zusätzliche Polizisten an den Grenzen und in Zügen einzusetzen. Auch in Deutschland gab es zusätzliche Kontrollen an den Grenzen zu Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Luxemburg. (tagesschau)

Außerdem wurde der internationale Zugverkehr unterbrochen. Am Dienstagabend kündigte die Deutsche Bahn allerdings an, dass am Mittwoch wieder Züge nach Belgien fahren würden.

Wie äußern sich Politiker?

Der belgische Premierminister Charles Michel sprach am Dienstag von einem terroristischen Anschlag. "Was wir befürchtet haben, hat sich bewahrheitet", sagte Michel. Die Attentate nannte er "feige".

Am Abend wandte sich König Philippe mit einer Fernsehansprache an die belgische Bevölkerung. "Für jeden von uns wird dieser 22. März nie mehr ein Tag wie jeder andere sein", sagte er. Außerdem beschwor er Zusammenhalt unter den Belgiern: "Im Angesicht der Bedrohung werden wir fortfahren, gemeinsam zu antworten – mit Entschiedenheit, mit Ruhe und Würde. Lasst uns das Vertrauen in uns selbst bewahren. Dieses Vertrauen ist unsere Stärke." (RTBF)

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete die Täter als "Feinde aller Werte, für die Europa heute steht" – Freiheit, Demokratie und das friedliche Zusammenleben der Bürger. Merkel sagte, ein Krisenstab in Berlin prüfe, ob Deutsche von den Attentaten betroffen sind. Bundesjustizminister Heiko Maas sprach von einem "schwarzen Tag für Europa".

Am Dienstagabend erstrahlten Sehenswürdigkeiten auf der ganzen Welt in den belgischen Nationalfarben:
Das Auswärtige Amt hat eine Krisenhotline eingerichtet:

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