Bleiben oder gehen? Am 23. Juni stimmen die Briten darüber ab, ob Großbritannien die Europäische Union verlässt.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Referendum.
Brexit oder Bremain?

Beide Begriffe gibt es: Brexit setzt sich aus "Britain" und "Exit" zusammen, Bremain aus "Britain" und "Remain" (bento). Jene, die für den Verbleib Großbritanniens in der EU kämpfen, sprechen also lieber vom Bremain.

In der Fotostrecke: Das Wichtigste zum Brexit
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Warum wollen einige Briten aus der EU austreten?

Die zentralen Argumente der Brexit-Befürworter: Großbritannien zahle zu viel Geld an die EU. Außerdem kämpfen sie gegen die "ungeregelte Einwanderung" in ihr Land. In vier Jahren – so ein Mythos der Befürworter – trete die Türkei der EU bei, deswegen gehören die britischen Grenzen schnell geschlossen.

Dabei befürworten vor allem ältere Engländer den Brexit, früher gehörten sie der Arbeiterschicht an. Im aktuellen SPIEGEL spricht Matthew Goodwin, Politologe an der University of Kent, von den "Vernachlässigten", vergessen von den beiden großen Parteien, weil sie sich lieber um die gesellschaftliche Mitte kümmern.

In Erinnerung: Margaret Thatcher starb im April 2013 im Alter von 87 Jahren(Bild: dpa / Raminder Pal Singh)

Dabei stand Großbritannien dem europäischen Gedanken nie wahnsinnig nah: Bereits 1975 stimmten die Briten darüber ab, ob sie aus der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) austreten. Das Referendum scheiterte jedoch.

In den Achtzigerjahren schaute die damalige Premierministerin, die eiserne Lady Margaret Thatcher, kritisch auf den "europäischen Superstaat". Und mit der Gründung der Europäischen Union 1992 formierte sich in Großbritannien die UKIP (United Kindom Independence Party), eine rechtspopulistische Partei. Ihr Hauptziel: der Austritt Großbritannien aus der EU. Bereits seit 1999 sitzt die Partei im Europaparlament.

UKIP-Vorsitzender Nigel Farage gehört neben Londons Ex-Bürgermeister Boris Johnson zu den wichtigsten Befürwortern des Brexits. International wollen alle verbündeten Nationen, dass Großbritannien bleibt. Nur einer spricht sich laut für den Austritt aus: Donald Trump.

Wir bereiten uns auf alle möglichen Szenarien vor, um die Gefahren einzudämmen.
Wolfgang Schäuble, CDU
Warum wollen die Bremainer bleiben?

Der Premierminister David Cameron trat jahrelang als Euroskeptiker auf; er versprach das Referendum, um wiedergewählt zu werden. Heute gehört er in Großbritannien zu den Bremain-Vorkämpfern.

Er argumentiert mit der nationalen Sicherheit und der wirtschaftlichen Entwicklung. Die EU ist der wichtigste Handelspartner der Briten, unter einem Austritt könnte besonders die Finanz- und Automobilindustrie leiden. Was genau ein Brexit für die britische Wirtschaft und den internationalen Finanzmarkt bedeutet, ist allerdings völlig unklar. Im aktuellen SPIEGEL sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU): "Wir bereiten uns auf alle möglichen Szenarien vor, um die Gefahren einzudämmen."

Was passiert nach einem Brexit in Europa?

Selbst wenn die Briten für den Brexit stimmen, rechtlich bindend wäre dieses Votum nicht. Trotzdem hat Premierminister Cameron angekündigt, sich dem Wählerwillen zu beugen.

In der EU gibt es natürlich Regeln, was passieren muss, wenn ein Land die Gemeinschaft verlässt – allerdings eher in der Theorie. 1985 hat sich Grönland verabschiedet, nach zweijähriger Verhandlung. Bei England dürfte das vermutlich deutlich länger dauern. Aber: In Wahrheit weiß niemand, welche Folgen ein Brexit hätte.

Jo Cox(Bild: dpa/Yui Mok / Pa)
Wie wahrscheinlich ist ein Brexit?

Zuletzt hatten die EU-Gegner in Umfragen vorn gelegen. Das allerdings hat sich jetzt noch mal gedreht: Am Sonntag veröffentlichen BBC und "Sunday Times" eine Umfrage, wonach 45 Prozent für eine Fortsetzung der Mitgliedschaft stimmen wollen, 42 Prozent für den Austritt, der Rest ist unentschieden. (BBC).

Umfrage-Institute erkennen darin ein typisches Muster: Kurz vor dem Votum entscheiden sich doch die meisten für die Fortsetzung des Status quo. Auch der Mord an der Labour-Abgeordneten Jo Cox könnte die Wähler beeinflussen. Während des Angriffs soll der Täter "Sorgt dafür, dass Großbritannien unabhängig bleibt" gerufen haben. (bento)

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Die wichtigsten Antworten zum Fall Harry S.

Der Kampf für eine islamistische Welt ist aus der Sicht von Harry S. mittlerweile "einfach totaler Schwachsinn, totale Lüge". Der 27-jährige Bremer hatte sich im vergangenen Jahr der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) angeschlossen, kehrte später desillusioniert nach Deutschland zurück. Jetzt muss er sich hier für seine Taten vor Gericht verantworten. (Radio Bremen I)

Was wird Harry S. vorgeworfen?

Er soll Mitglied des IS gewesen sein – nach deutschem Recht wird die "Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorvereinigung" mit Haft zwischen sechs Monaten und fünf Jahren bestraft (§ 129a StGB). Außerdem soll er gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen haben, das unter anderem den Besitz und Transport von Waffen regelt, die zur Kriegsführung bestimmt sind (KrWaffKontrG).