Und was hat die Parlamentswahl in Großbritannien verändert?

Jetzt hat es also auch noch der französische Präsident gesagt: Wenn Großbritannien wolle, könne es in der EU bleiben. Das verkündete Emmanuel Macron am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der britischen Premierministerin Theresa May. Bis die Verhandlungen zu Ende seien, bestehe immer noch die Möglichkeit, die Tür wieder zu öffnen, sagte Macron – auch wenn es natürlich mit der Zeit immer schwieriger werde. (The Guardian)

Zuvor hatte schon Finanzminister Wolfgang Schäuble gesagt, die Briten würden "auf offene Türen stoßen", wenn sie ihre Entscheidung ändern wollten. (Bloomberg)

Was ist da los? Kommt der Brexit jetzt doch nicht? Und wenn doch, wann geht es los?

Momentan ist alles ein bisschen unklar auf der Insel. Wir haben die wichtigsten Positionen zum EU-Austritt Großbritanniens gesammelt.

Das sagt die britische Premierministerin:

Theresa May hält nach wie vor am vorgesehenen Plan fest – zumindest nach außen. Bei der Pressekonferenz mit Präsident Macron am Dienstag sagte sie, die Brexit-Verhandlungen würden in der kommenden Woche wie geplant beginnen. Als sie gefragt wurde, ob das Wahlergebnis zu einem "weicheren" Brexit führen würde, sagte May, sie sei nach wie vor entschlossen, den Ausstieg zu einem Erfolg zu machen. (The Guardian

Auch Mays Sprecher James Slack sagte als Reaktion auf Schäubles Aussage, die Briten hätten für den Ausstieg aus der EU gestimmt – und die Regierung werde diesen Willen in die Tat umsetzen. (Bloomberg)

Unter anderem der Guardian berichtet allerdings, dass die Regierung wohl eine weitere Mitgliedschaft in der Zollunion sowie eine weniger harte Haltung bei der Einwanderung erwäge. Das würde von Mays Aussage wegführen, kein Deal sei besser als ein schlechter Deal. Allerdings wurden diesbezüglich noch keine Entscheidungen öffentlich.

Das sagen andere konservative Politiker:

Viele von Mays Parteikollegen drängen die Premierministerin, von ihrer Forderung nach einem "harten" Brexit abzusehen. Mays Vorgänger David Cameron zum Beispiel sagte, May müssen sich mehr mit den anderen Parteien beraten. "Ich denke, es wird ein Drängen für einen weicheren Brexit geben", sagte Cameron.

Auch der frühere Premierminister John Major sagte, die Wähler würden keinen harten Brexit wollen. (Independent)

So sieht der Brexit-Plan bisher aus:
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Das sagt die Koalitionspartei:

Bei der Wahl am vergangenen Donnerstag verlor May ihre absolute Mehrheit im Parlament – deshalb braucht sie jetzt einen Koalitionspartner. Momentan läuft alles auf die Democratic Unionist Party (DUP) aus Nordirland hinaus (bento). Die DUP-Chefin Arlene Foster spricht sich allerdings gegen einen harten Brexit aus.

Sie will zum Beispiel eine durchlässige Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland – May hatte in der Vergangenheit das Gegenteil gefordert. (Telegraph)

Das sagt die Opposition:

Auch wenn sie sich uneins sind über die Herangehensweise – im Prinzip steht auch die britische Opposition hinter dem Brexit, die Labour-Partei von Jeremy Corbyn eingeschlossen. Die einzige Partei, die offen für einen Verbleib in der EU wirbt (und sogar ein zweites Referendum fordert), sind die Liberal Democrats – und die kommen gerade mal auf zwölf Sitze im Parlament. (The Guardian)

Weil sie keine Mehrheit mehr hat, muss May nun allerdings noch mehr als vorher auf die anderen Parteien hören – und viele von ihnen wollen weiterhin enge Beziehungen zur EU.

Das sagt die EU:

Auch die EU will zunächst einmal am vorgesehenen Plan festhalten. "Wir werden vernünftig, aber streng und ohne Naivität verhandeln", sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in einem Interview mit dem SPIEGEL. Er sagte aber auch: "Ich halte den Brexit nach wie vor für eine Tragödie. Ich habe mehr Spaß am Heiraten als am Scheiden."

Donald Tusk, Präsident des Europäischen Rates, twitterte kurz nach der Wahl in Großbritannien:

Momentan sieht es also nicht so aus, als würde das Brexit-Votum rückgängig gemacht werden.

Aber es könnte zumindest sein, dass die britische Regierung ihre bisherige "no deal is better than a bad deal"-Haltung aufgibt – und man sich am Ende doch auf einen weicheren Ausstieg einigt. Viele Briten wünschen sich jedenfalls, dass die Verhandlungen endlich losgehen, dass es endlich ein bisschen mehr Klarheit gibt.


Today

Ein Schreibfehler ist am Terroralarm bei "Rock am Ring" schuld

Ein simpler Schreibfehler bei den Namen zweier Helfer haben den Terroralarm bei "Rock am Ring" ausgelöst. "Die Namen der Verdächtigen waren falsch geschrieben, wiesen aber eine phonetische Ähnlichkeit mit den realen Schreibweisen auf", sagte der Präsident des rheinland-pfälzischen Landeskriminalamts (LKA), Johannes Kunz, der Mainzer "Allgemeinen Zeitung".

Soll heißen: Die Verwirrung um die Helfer entstand aufgrund falsch übermittelter Namen.

"Rock am Ring" war Anfang Juni für einen Abend unterbrochen worden, weil die Polizei eine konkrete Terrorgefahr nicht ausschließen konnte (bento).