Seit drei Tagen wissen die Briten, dass sie aus der Europäischen Union austreten werden. Nun wird klar, was viele Brexit-Unterstützer mit ihrer Stimme auch erreichen wollten: Weniger Ausländer oder ausländisch aussehende Menschen in ihrem Land.

Seit dem Referendum haben zahlreiche Briten fremdenfeindliche Übergriffe erlebt und sie auf Twitter und Facebook dokumentiert. Unter dem Hashtag #PostRefRacism und mit eigens eingerichteten Accounts werden die Beispiele gesammelt.

Die Aktivisten wollen nicht zulassen, dass der Rassismus alltäglich wird.
Es gibt kein demokratisches Mandat für rassistische Beschimpfungen, Aggression, Einschüchterung oder Hassrede, nur weil wir dafür gestimmt haben, die Europäische Union zu verlassen.
Einer der ersten Posts von "Post Ref Racism"

Es ist unklar, ob es tatsächlich einen Anstieg fremdenfeindlicher Beschimpfungen gibt, oder diese nach dem Referendum nur bewusster wahrgenommen werden. Erschreckend sind die Schilderungen dennoch. Die Masse der Posts wirft ein Schlaglicht auf die Stimmung in Großbritannien.

Von der Polizei bestätigte Vorfälle:
  • In Cambridgeshire fanden Schüler und Lehrer Postkarten mit dem Aufdruck “Leave the EU/No more Polish vermin” und der entsprechenden polnischen Übersetzung. Polen bilden die größte ausländische Gruppe in Großbritannien.
  • Auch an den Eingang der Polish Social and Cultural Association (POSK) in Hammersmith, im Westen Londons, haben Unbekannte vermutlich rassistische Graffiti gesprüht. Die Polizei hat nicht bekannt gegeben, welcher Spruch auf der Wand stand. Das Graffito ist bereits wieder entfernt worden.
Auf Facebook und Twitter haben Nutzer noch viel mehr rassistisch motivierte Beschimpfungen dokumentiert.

As these seem like incidents we should all be aware of I've made an album for them.

Posted by Sarah Childs on Saturday, June 25, 2016

Viele sagen, dass sie noch nie so beschimpft worden seien.

Der vermutete Zusammenhang zwischen dem Brexit-Referendum und den Beschimpfungen ist nicht aus der Luft gegriffen. Die Wortführer der Brexit-Kampagne hatten das Referendum bewusst in eine Abstimmung über Einwanderer verwandelt. Die rechtspopulistische UKIP-Partei warb mit dem Slogan "Breaking Point" und zeigte dazu eine anonyme Masse von arabisch aussehenden jungen Männern. Kritiker werteten das Poster schlicht als rassistisch (Guardian).

Auch die großen englischen Boulevardmedien haben Stimmung gegen Einwanderer gemacht, wie diese Collage zeigt.

Was diese Bilder zeigen: Offenbar haben sich tatsächlich einige Fremdenfeinde die Logik der Brexit-Befürworter zu eigen gemacht. Im Wahlkampf haben die Populisten ihnen versprochen, dass durch den EU-Austritt die Anzahl der in Großbritannien lebenden Einwanderer reduziert werden würde. Nun scheinen sich einige Briten dafür sorgen zu wollen, dass das auch geschieht. Und zwar sofort.

Das Ergebnis wirkt enthemmend, so die Befürchtung zahlreicher Briten.

Natürlich denken nicht alle Briten so.

Die Gegenbewegung formiert sich unterdessen unter dem #PostRefLove

Gerechtigkeit

Demo und gemeine Zwischenrufe: Das passiert gerade beim Gina-Lisa-Prozess in Berlin
Große #TeamGinaLisa-Demo vor dem Gericht

Heute soll in Berlin entschieden werden, ob Gina-Lisa Lohfink schuldig ist, zwei Männer fälschlicherweise der Vergewaltigung und der Verabreichung von K.O.-Tropfen beschuldigt zu haben. Von der mutmaßlichen Tat existiert ein Video, dass kurz nach der gemeinsamen Nacht im Netz verbreitet wurde. Auf dem Video ist zu hören, wie die Frau den beiden Männern mehrmals "Hör Auf!" sagt. Ob dieser Wunsch allerdings dem Geschlechtsverkehr oder dem Filmen gegolten hatte, konnte vom Gericht nicht abschließend geklärt werden (bento I). Für die Verbreitung des Videos wurde einer der Männer verurteilt, vom Vorwurf der Vergewaltigung wurden sie allerdings freigesprochen.

Vor dem Gerichtssaal wird seit Montagmorgen demonstriert. Unter dem Hashtag #TeamGinaLisa hatten sich in den sozialen Netzwerken bereits seit Wochen Unterstützerinnen und Unterstützer zusammengefunden und sich über die Gesetzeslage und eine mögliche Vorverurteilung von Gina-Lisa Lohfink beschwert. Auf der Straße vor dem Gericht entlädt sich nun die Wut über die gefühlte Ungerechtigkeit gegenüber Gina-Lisa Lohfink. Unter anderem wurden auf der Demo Erfahrungsberichte von Vergewaltigungsopfern vorgelesen, Sprechchöre mit "Du bist nicht allein"-Rufen unterstützen die Angeklagte.