Die Bässe wummern, langsam fährt ein Traktor beim Bremer Freimarkt-Umzug vorbei. Der Polizist, der hier für die Sicherheit sorgt, wippt erst mit den Beinen im Takt. Dann kommt der Drop – und für den "Kollegen Tobias" gibt es kein Halten mehr. Für seine Tanzeinlage wird er jetzt gefeiert.

Die Bremer Polizei hat das Video einer Zuschauerin auf Facebook geteilt. Darin ist zu sehen, wie sich auch andere Besucher des Umzugs mit dem Polizisten freuen. Einer schlägt mit ihm im Vorbeilaufen die Fäuste zusammen, im nächsten Moment stehen sie sich tanzend gegenüber:

+++ Ischa Polizei +++ Gerne nehmen wir dieses Video einer Zuschauerin vom Freimarktumzug auf. Wenn Sie auch so viel Spaß und Leidenschaft bei der Arbeit haben möchten wie unser Kollege Tobias, dann bewerben Sie sich doch bis zum 01.03.2019 bei der Polizei #Bremen. 😉 #Freimarkt #dancingontheceiling Ihr Social Media-Team der #PolizeiBremen

Posted by Polizei Bremen on Monday, October 29, 2018

Die Polizei in Bremen nutzt das virale Video jetzt für ihre eigenen Zwecke: Wenn man auch so viel Spaß und Leidenschaft bei der Arbeit haben möchte, solle man sich doch bei ihr bewerben. Zumindest fürs Image ist das Video also ein Erfolg – in den Kommentaren liest man vor allem positive Reaktionen und Verständnis für die Polizistinnen und Polizisten der Stadt.


Fühlen

Magdalena isst angesabberte Bananen und riecht an Hintern: "Bitte, habt Verständnis mit jungen Eltern"

Ich bekenne: Ich rieche am Hintern meiner Tochter, oft mehrmals am Tag. Mir ist klar, wie das aussieht. Ich spüre die irritierten Blicke von Fremden und Freunden förmlich im Rücken.

Ich erinnere mich auch dunkel daran, dass mich vor nicht allzu langer Zeit absolut nichts dazu gebracht hätte, man kann es nicht anders formulieren, Scheiße zu erschnüffeln. 

Aber dann bekam ich ein Baby – und damit Zugang zu einem Paralleluniversum.

Im Elternkosmos gelten andere Gesetzmäßigkeiten. Gut, die Schwerkraft ist nicht aufgehoben. Gefühle wie Scham oder Ekel hingegen sind Teil der Vergangenheit.

Seit neustem gilt: Gut ist, was praktisch ist. Dinge, die mir früher einen Schauer den Rücken hinunter gejagt haben, nehme ich heute mit einem Achselzucken hin. Wenn ich herausfinden will, ob meine Tochter eine neue Windel braucht, ist Riechen nun mal eine effektive Methode. Ich habe sogar schon Väter beobachtet, die todesmutig einen Finger in die Windelöffnung steckten.

Ich ahne, dass nicht-Eltern bei dem Gedanken leicht übel wird. Und ich möchte trotzdem sagen: Bitte, habt Verständnis mit uns jungen Eltern, diesen Leuten, die doch bis vor kurzem noch wie normale Vertreter der Spezies Mensch erschienen und nun zu Baby-Bedürfniserfüllern verwandeln. Wir haben unsere Gründe. Wirklich!

1. Wir haben Kommunikationsprobleme

Babys und Kleinkinder können nicht sprechen. So trivial diese Einsicht ist, sie liefert in den allermeisten Fällen die Erklärung dafür, warum sich frisch gebackene Eltern oft so seltsam benehmen. Die Kleinen können uns nicht sagen, warum sie schreien, ob ihnen etwas weh tut, ob sie Hunger haben oder die Windel voll. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als Nachforschungen anzustellen und nach dem Prinzip trial and error vorzugehen – und uns auch mal mit anderen Eltern über offene Stuhlgangsfragen auszutauschen. 

Dieser kann vor allem bei Neugeborenen die verschiedensten Farben, Konsistenzen und Gerüche annehmen, und das, obwohl sie doch nichts anderes als Milch trinken. Da ist man als Anfänger schnell mal besorgt, der Austausch darüber – gerne unterstützt durch Fotomaterial – dient vor allem der Beruhigung: Grün und schleimig hatte Linus auch schon mal, also ist mit Emma alles in Ordnung.

2. Angelutschte Bananenreste sind unsere beste Chance auf Nährstoffe

Die Sorge, das Kind könnte zu wenig essen, ist ein ständiger Begleiter. Denn am Gewicht, das wurde uns erklärt, sieht man, ob alles gut läuft, ob das Kind wächst und gedeiht, kurz: ob wir alles richtig machen oder das Jugendamt schnellstmöglich eingeschaltet werden sollte.

Deshalb schleppen wir Eltern immer bergeweise Snacks mit uns herum. Gesunde Snacks, versteht sich. Vielleicht möchte das Kind ja einen geschmackneutralen Hirseflip oder ein Stück Melone? Ich hätte auch noch Dinkelcracker oder eine leicht angedätschte Banane im Angebot. Am Ende hat das Kind von allem einmal abgebissen und wir halten die angesabberten Reste in den Händen.

Und weil man als Elternteil die Hände möglichst schnell wieder frei haben muss, landen die Überbleibsel kurzerhand im eigenen Mund. Wäre ja auch schade um all das teure Biozeug. Außerdem kommen wir so auch mal zu ein paar Nährstoffen, wo wir doch vor lauter Führsorge fürs Kind gerne vergessen, dass wir auch essen müssen.

3. Zahlen geben uns Sicherheit

Wer den Gesprächen zwischen Neueltern zuhören muss und dabei nicht einschläft, wird schnell feststellen, dass es sehr oft um absurd exakte Zahlen geht. 

Das beginnt schon bei der Vermeldung der Geburt ihres Nachwuchses ("Unsere Mia ist da! Sie wog 3541 Gramm und ist 52 süße Zentimeter groß") und äußert sich am deutlichsten wenn man sie nach dem Alter ihres Kindes fragt. "Sieben Monate und zweieinhalb Wochen" ist für viele eine adäquate Antwort. Früher war es mir selbst ein Rätsel, was es mit dieser Genauigkeit auf sich hat. Aber heute weiß ich, wie rasant sich Babys entwickeln. Eine Woche Altersunterschied kann erklären, warum Johann seine Rassel schon selber halten kann, Michel aber noch nicht.

Weitere beliebte Fragen: Wie viele Zähne hat das Kind, wie viel Gramm Brei isst es, wie oft macht es in die Windel (natürlich!) – und vor allem: Wie viele Stunden schläft es am Stück? Für Außenstehende mag dieser Zahlenaustausch wie ein bizarrer Wettbewerb klingen. Ganz falsch ist das nicht. Aber auch hier dient der Vergleich vor allem der Vergewisserung, dass sich beim eigenen Sprössling alles im normalen Rahmen abspielt. Das Baby kann nicht sagen, ob es ihm gut geht. Aber wenn alle Messgrößen dafür sprechen, ist das eine große Erleichterung.

Mir ist schon klar: Für Kinderlose werden diese Gespräche nie wirklich spannend und ein Austausch über Körperflüssigkeiten beim Brunch vielleicht auch nie angenehm.

Aber gebt uns doch einfach ein Zeichen, wenn wir endgültig die Grenzen des Erträglichen überschreiten. Und wir geben euch eines, wenn ihr euch ein bisschen zu hart anstellt. 

Denn es wäre doch wirklich zu schade, wenn die Bagage unsere Freundschaft ruiniert!