Bild: dpa/ Rico Löb
Was ist in Bautzen passiert?

In der Nacht zum Sonntag hat es in einem leer stehenden Hotel im sächsischen Bautzen gebrannt. Eigentlich sollten dort 300 Flüchtlinge einziehen. Glücklicherweise stand das Haus leer, niemand wurde verletzt. Nicht allein der Brand sorgte für Aufsehen: Betrunkene Schaulustige jubelten und störten die Feuerwehr beim Löschen. Flüchtlinge seien als "Kanacken" beschimpft worden. "Manche kommentierten das Brandgeschehen mit abfälligen Bemerkungen und unverhohlener Freude", sagt die Polizei. (SPIEGEL ONLINE)

Welche Erkenntnisse hat die Polizei?

Am Sonntag gingen die Ermittler von Brandstiftung aus. Die Untersuchungen liefen aber noch, sagte der zuständige Leiter des Operativen Abwehrzentrums (OAZ) der sächsischen Polizei, Bernd Merbitz. Klar ist, dass ein Spürhund Spuren von Brandbeschleuniger entdeckt hat. Einen Tatverdacht gebe es bisher nicht. Es werde in "jede Richtung" ermittelt. Das bedeutet, das noch nicht klar ist, ob die mutmaßlichen Täter aus der rechten Szene stammen.

Wie aufgeladen ist die Stimmung in Sachsen?

Hässliche Szenen haben das Wochenende in Sachsen geprägt. Erst am Donnerstag war im rund hundert Kilometer entfernten Clausnitz die Situation eskaliert. Ein rechter Mob grölte ankommenden Flüchtlingen “Wir sind das Volk” entgegen und blockierte die Anfahrt zu einer Asylunterkunft. Die zahlenmäßig unterlegene Polizei zerrte Flüchtlinge grob aus dem Bus in die Unterkunft. Auf Videos waren weinende Frauen und Kinder zu sehen, aufgebrachte Männerstimmen zu hören.

Am Samstagabend setzten rund hundert Menschen ein Zeichen gegen Rassismus und Gewalt. Sie trafen sich zu einer Solidaritätskundgebung in Clausnitz. Auf Transparenten forderten die Demonstranten eine menschenwürdige Unterbringung von Geflüchteten. "Geflüchtete sind hier willkommen. Ohne Wenn und ohne Aber", heißt es auf der Facebook-Seite der Veranstalter. (bento)

In Bautzen hieß es auf Plakaten: "Wenn Häuser brennen, darf man nicht klatschen."

Was bedeute die Vorfälle für Sachsen?

Nach den beiden Vorfällen verstärkt sich das Bild, dass rechter Hass dort besonders verbreitet ist. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass Rassismus auch in anderen Bundesländern ein Problem darstellt. Sächsische Politiker verurteilen die Aktionen in Bautzen und Clausnitz lautstark: Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sagte, es sei "widerlich und abscheulich". "Das sind keine Menschen, die so was tun. Das sind Verbrecher."

Der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU) sagte zu Bautzen: Es sei "unerträglich, wie offen und respektlos der Hass auf Ausländer zur Schau getragen wird."