Bild: dpa/Christoph Schmidt, Screenshot; Montage: bento
Wie der Tübinger Oberbürgermeister Stimmung im Netz macht.

Boris Palmer hat es wieder getan. Er hat wieder für Ordnung und Sicherheit in seiner Stadt gesorgt. Findet er zumindest.

Der Grünen-Politiker und Oberbürgermeister von Tübingen hat nach eigenen Angaben am Donnerstagabend einen Fahrer angezeigt, der sein Auto nicht ordnungsgemäß geparkt hat. Sich selbst nannte Palmer in einem am Freitagmorgen auf Facebook veröffentlichten Post dabei einen "Hilfssheriff im Einsatz"

Es ist das zweite Mal innerhalb von wenigen Wochen, dass sich Boris Palmer in Tübingen zum "Sheriff" aufschwingt – und Bürger seiner Stadt als eine Art Behelfspolizist belehrt und fotografiert.

Erst kürzlich war Palmer nachts in Tübingen mit zwei Studierenden aneinandergeraten. Als diese sich weigerten, sich gegenüber dem Oberbürgermeister auszuweisen, soll Palmer sie fotografiert haben. Die Begleiterin zeigte Palmer daraufhin wegen Nötigung an. Palmer selbst hat den Vorfall genüsslich auf Facebook geschildert. (SPIEGEL ONLINE)

Was genau war nun passiert?

Laut Palmer sah er gegen 23 Uhr ein Auto auf dem Gehweg, "niemand drin, aber laufender Motor". Zwei Männer Mitte 20 seien dann gekommen, er habe sie "freundlich" darauf hingewiesen, künftig den Motor auszumachen und nicht mehr auf dem Gehweg zu halten. Die Männer erkannten ihn jedoch nicht und wollten sich auch nicht entschuldigen: "keine Einsicht, sondern höhnisches Gelächter". Also griff Palmer nach eigenen Angaben durch:

Was tue ich also? Ein Foto vom Nummernschild und Anzeige.

In seinem Facebook-Post zeigte Palmer außerdem einen Auszug aus der Straßenverkehrsordnung. Demnach ist bei Fahrzeugen "insbesondere das unnötige Laufen von Motoren" verboten.

Hilfssheriff im Einsatz Gestern Abend ging es Gemeinderat mal wieder bis nach 22h. Als ich die Akten zu hatte, war es...

Posted by Boris Palmer on Thursday, December 6, 2018

In den Kommentaren äußern sich viele positiv über Palmers Aktion und schreiben "richtig so". Andere wünschen sich ironisch eine "Doku-Soap auf RTL" für Palmers nächtliche Sheriff-Aktivitäten oder legen ihm nahe, die Arbeit des Ordnungsamtes lieber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Ordnungsamtes zu überlassen. Einige Kommentatoren streiten auch darüber, ob und wie viel Zivilcourage angebracht ist. 

Das Problem ist: Bei Palmers "Sheriff"-Meldungen geht es nicht um Zivilcourage – es geht um sein Image.

Palmer ist seit 2007 Oberbürgermeister von Tübingen. Seit einiger Zeit dreht er allerdings vor allem im Netz immer wieder auf, vermeldet mal aus Spaß den angeblichen Rücktritt von Angela Merkel und Horst Seehofer (bento) oder startet Meinungsumfragen, ob Schwarze nicht häufiger "Fehlverhalten" zeigen würden als weiße Menschen (bento). Dass das rassistisch ist, bestreitet Palmer dann ausführlich.

Längst distanzieren sich Grüne von ihrem Parteimitglied. Die Sprecherin der Grünen Jugend, Ricarda Lang, unterstellte Palmer auf bento "autoritären Wahnsinn". Er würde mit seinen Posts immer mehr "AfD-Trolle" und "Rassisten" anlocken.

Tatsächlich dürfte es Palmer einfach nur um Aufmerksamkeit gehen, um Likes. Der Eintrag über den laufenden Motor aht in nur drei Stunden bereits knapp 600 Reaktionen hervorgerufen. Ähnlich viele Likes bekam ein Post über einen umgekippten Tannenbaum. Palmer vermutete nicht etwa den Wind, sondern "Radaubrüder":

Erster Advent und schon kommen Radaubrüder daher und werfen um, was Händler in privater Initiative aufgestellt haben. In...

Posted by Boris Palmer on Sunday, December 2, 2018

Das Problem an Palmers selbstgewählter Rolle als "Hilfs-Sheriff": Sie sorgt nicht für ein entspannteres Miteinander, sondern wiegelt die Menschen auf. 

Denn es vermittelt: Die Polizei reicht nicht mehr aus, um für "Ordnung" zu sorgen. Wenn ein Sheriff nötig wird, sind wir bald nicht mehr in einer beschaulichen Studierendenstadt, sondern ganz schnell im Wilden Westen. 


Fühlen

Findest du den Kiffer unter 40 Menschen?
Oder auch: Wieso Anderssein okay ist!

Sie leben mitten unter uns. Allen ist das klar, aber kaum einer traut sich, es auszusprechen. Sie tun Verbotenes, und genießen den Rausch. Die Rede ist von, klar: 
Menschen, die Pizza mit Ananas essen.

Manche sagen, es seien die gleichen, die auch kiffen. Oder schlimmer noch, Songs von Ed Sheeran hören. Andere behaupten, die sähen wiederum ganz anders aus.

Das Netz hat nun das richtige Meme dafür gefunden.

Unter "find the one" – finde den einen – posten Nutzerinnen und Nutzer eine Gruppe von Emoji-Männchen. Dann gilt es, den Sonderling zu finden. 

Das ganze begann harmlos: