Vier Antworten zum Vorfall

Das Video ist verwackelt und dunkel, es ist kaum etwas zu erkennen. Aber umso deutlicher zu hören: "Ausländer raus, Ausländer raus", brüllt eine Menge. "Alle tot", ist eine Stimme zu hören, "du Pisser" ruft jemand. 

Dann ruft jemand: "Auf, auf, alle rein, komm, komm. Lauft, lauft!" In seiner Stimme liegt Angst.

Das Video wird gerade auf Facebook geteilt. Es soll einen rassistischen Angriff auf eine Fußball-Mannschaft nahe Frankfurt zeigen. 

Das Video, sofern der Angriff echt ist, gerät damit mitten in die Debatte um Mesut Özils Rücktritt: Wie will Deutschland mit Mitbürgern umgehen, die mehr als ein Land ihre Heimat nennen?

Was ist passiert?

Die Aufnahme hat Kewin Siwek auf Facebook geteilt. Er spielt beim "1. Spvgg Dietesheim", einem kleinen Fußball-Verein aus Hessen. Mit seinem Team sei er auf ein Volksfest im Main-Kinzig-Kreis gegangen. Dort seien sie dann rassistisch bedroht worden, schreibt er zum Video:

Im Trainingslager ist uns etwas widerfahren, was kaum in Worte gefasst werden kann.

Der Zwischenfall habe sich bereits in der Nacht von Samstag auf Sonntag in Birstein ereignet. Seit Montag teilt sich das Video im Netz, knapp 50.000-mal wurde es bereits angesehen. 

Ich hätte niemals in meinem Leben gedacht, dass es auch mich treffen könnte, doch es ist geschehen, und noch nie habe ich mich auch nur annähernd so erniedrigt gefühlt wie an diesem Tag​
Kewin Siwek

Im Bierzelt seien ihnen "die Einheimischen" von Anfang an feindlich gesinnt gewesen, schreibt Kewin. Einer soll den Spruch "Arbeit macht frei" gesagt haben, der unter anderem über dem Tor zum Konzentrationslager Auschwitz stand. Ein anderer habe ein Shirt mit der Aufschrift "Manche Führen, manche Folgen" getragen. Ein Fußballspieler mit "deutlich erkennbaren Migrationshintergrund" sei direkt angegangen worden.

Das ist die Szene:

Wie ging es weiter?

Die Mannschaft konnte sich nach Angaben Kewins ins Hotel flüchten. Der Angriff habe ihn stark mitgenommen, schreibt er auf Facebook:

"Ich muss Euch zugestehen, dass ich direkt nach der Ankunft im Hotel geweint habe. Geweint, weil ich mich hier in Deutschland zu Hause fühle und dankbar dafür bin, welche Möglichkeiten man mir hier bietet. Geweint, weil ich die Werte, für welches dieses Land steht, mit Stolz vertreten haben und vertreten werde. Geweint, weil mir mein Jura-Studium Werte aus dem Grundgesetz vermittelt und solch ein Verhalten normalerweise unter Strafbarkeit stellt. Geweint, weil mir noch nie so viel Hass entgegengebracht wurde, nur weil mein Geburtsort und der Geburtsort paar wenigen Mannschaftskollegen ein anderer als Deutschland ist."

Der Trainer der Mannschaft bestätigt die Geschichte gegenüber der "Hessenschau". Demnach hätten etwa 30 bis 50 Personen seine Spieler "wie eine Schafherde" bis zum Hintereingang des Hotels getrieben.

Stimmt, was passiert ist?

Kewins Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen, am Mittwoch waren weder er noch der Verein für bento nicht erreichbar. 

Allerdings ermittelt inzwischen der Staatsschutz. Der Verdacht auf Volksverhetzung stehe im Raum, sagte eine Polizeisprecherin am Mittwoch. (OP-Online)

Wie reagierte der Verein?

Auf Facebook hat er Kewins Nachricht geteilt. Dazu das Statement: "Traurig, dass so etwas in der heutigen Zeit passiert. Teamgeist behalten Jungs."

Andere zeigten sich ebenfalls betroffen. Die Gemeinde Birstein, in der sich der Vorfall ereignet haben soll, distanzierte sich auf Facebook von dem Angriff und "der Ideologie derer, die Gäste unserer Großgemeinde beleidigt und beschimpft haben":

Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit haben in unseren dörflichen Strukturen nichts zu suchen.​

Ein befreundeter Fußballverein, der SHV Fischborn, distanzierte sich ebenfalls auf Facebook. Der Verein hat die Feier ausgerichtet, auf der Keins Team zu Gast war. Die Videoaufnahme und die "darin zu vernehmenden Parolen" hätten den Verein schockiert. 

Beide, Verein wie Gemeinde, bieten der Polizei ihre Unterstützung bei der Aufklärung des Vorfalls an.

Kewin selbst schloss seinen Facebook-Post mit einer einfachen Bitte: 

Liebe Mitmenschen, bitte toleriert ein solches Verhalten nicht. Rassismus geht uns alle an.

Rassismus sei keine Science Fiction – sondern eine "Realität, die genau vor unserer Haustür stattfindet." 


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