Im Büro ist der Blick den ganzen Tag fest auf den Bildschirm geheftet, in der Uni-Bibliothek steht neben den aufgeschlagenen Büchern ebenfalls der Laptop. Auf dem Hinweg scrollt der Finger übers Smartphone, abends läuft auf dem Tablet eine Serie. Spätestens dann macht es sich bemerkbar, dass man den ganzen Tag auf Bildschirme gestarrt hat – die Augen sind trocken, irgendwie tut auch das Blinzeln weh. 

Klären wir das – ein für alle Mal

In dieser Rubrik beantworten wir kleine Fragen des Alltags. Wenn du auch gerne eine beantwortet hättest, schreib uns an fuehlen@bento.de.

Aber wie schädlich ist das permanente Auf-den-Bildschirm-Starren wirklich? Und was können Menschen tun, die für den Job oder die Uni den Tag vor dem Laptop oder PC verbringen müssen?

Wir haben Gerd Geerling von der Universitäts-Augenklinik Düsseldorf gefragt. 

Was belastet die Augen bei Computerarbeit? 

"Problematisch wird es immer, wenn man sehr konzentriert arbeitet und darüber vergisst, zu blinzeln", erklärt Geerling. "Dann verdunstet der Tränenfilm im Auge und die Betroffenen merken, dass sie Schwierigkeiten bekommen." Das kann einfach ein trockenes Gefühl sein, die Augen beginnen zu brennen oder es fühlt sich an, als habe man einen Fremdkörper im Auge. "Das nennt man dann das 'Office Eye Syndrom'". 

Natürlich kann man auch konzentriert über einem Buch oder einem Berg gedruckter Unterlagen sitzen – aber das Blinzel-Problem tritt dabei weniger häufig auf. "Wenn man am Bildschirm arbeitet, ist das Auge weniger mobil", sagt Geerling. "Man neigt eher dazu, zu starren."

Spielt auch das Büro-Umfeld eine Rolle? 

Nicht nur die Bildschirmarbeit selbst belastet das Auge – auch die Umgebung der Arbeitsplätze. "Wenn die Luft zu trocken ist, wirkt sich das auf die Augen aus", sagt Geerling. 

„Man sollte darauf achten, dass die Luft im Winter durch Heizungen und im Sommer durch Klimaanlagen nicht zu trocken wird.“
Gerd Geerling

Also öfter mal lüften oder – wenn das möglich ist – einen Raumluftbefeuchter aufstellen, der das Raumklima angenehmer macht. "Außerdem ist es besser, wenn am Arbeitsplatz nicht geraucht wird." Das ist heute eigentlich grundsätzlich der Fall – aber wer im Home-Office sitzt und dort eigene Regeln aufstellt, sollte dabei auch an seine Augen denken. 

Wie schlimm ist das "Office Eye Syndrom"?

"Wenn man Symptome verspürt, sollte man erst einmal genau darauf achten, welche es sind", rät der Experte. "Wenn es brennt, man ein Fremdkörpergefühl hat oder die Augen tränen, kann man sich zunächst in der Apotheke Tränenersatzmittel beschaffen.“ Denn auch die Tränen können – so paradox es zunächst klingt – durch trockene Augen bedingt sein: Der Körper versucht, die Trockenheit auszugleichen und produziert mehr Flüssigkeit. 

Dauerhaft sollte man die Augentropfen aber nicht anwenden: "Wenn man die über einen kurzen Zeitraum ein- oder zweimal täglich benutzt und dann eine Verbesserung verspürt, ist es okay", sagt Geerling. "Aber wer sie über den Tag verteilt häufiger anwendet oder sie monatelang benutzt, der sollte zum Arzt gehen." Der kann auch herausfinden, ob es sich nur um das klassische Bürosymptom handelt – oder doch mehr dahintersteckt. 

"In der Regel bekommt man das Problem gut mit Tropfen in den Griff und niemand erblindet daran“, sagt Geerling. Experten gehen aber davon aus, dass es auf Dauer kurzsichtig macht, wenn die Augen immer nur einen Bildschirm fixieren – und selten in die Ferne gucken. (SPIEGEL ONLINE)

Wie können wir die Probleme vermeiden? 

Am besten ist es, die Augen im täglichen Alltag zu entlasten. Das funktioniert – neben guter Raumluft – vor allem durch regelmäßiges Blinzeln. Geerling sagt:

„Man kann sich selbst dazu erziehen, nicht zu sehr auf den Bildschirm zu starren und die Augen immer wieder durchs Blinzeln zu befeuchten.“
Gerd Geerling

Auch die richtige Einrichtung des Schreibtisches kann helfen. "Für die Augen ist es gut, wenn man die Sitzfläche des Stuhls etwas höher und den Bildschirm niedriger stellt", erklärt Geerling. "Wenn man leicht nach unten schaut, dann ist das Auge etwas mehr bedeckt und die Verdunstungsfläche wird kleiner." Auch ein größerer Bildschirm hilft: Der sorgt dafür, dass sich die Augen häufiger hin und her bewegen.

Übungen für Zwischendurch

Um die Augen zu entlasten, kann man auch immer wieder aus dem Fenster schauen – am besten auf einen Punkt, der mindestens 40 Meter entfernt ist. So können sich die Augen auf Fernakkomodation umstellen: Die Augenmuskeln werden gelockert, wenn die Augen zwischendurch mal nach oben, unten, rechts und links rollen. Außerdem kann es entspannend wirken, wenn man die Handflächen aneinander warm reibt und sie dann etwa 15 Sekunden lang auf die geschlossenen Augen legt. (SPIEGEL ONLINE)

Noch einfacher: "Es hilft, wenn man immer mal wieder den Blick vom Bildschirm entfernt und sich im Büro umsieht“, sagt Geerling. "Das durchmischt den Tränenfilm im Auge."

Welche Rolle spielen Kontaktlinsen oder Brille? 

Wie sehr Menschen unter dem "Office Eye Syndrom" leiden, hängt auch von persönlichen Sehhilfen ab: "Kontaktlinsen stören den Tränenfilm im Auge in der Regel noch mehr", sagt Geerling. "Dadurch können trockene Augen durch Bildschirmarbeit eher zum Problem werden." Wer als Kontaktlinsenträger öfter Symptome spürt, kann versuchsweise mal mit Brille ins Büro gehen – vielleicht hilft das schon. 

"Eine Brille kann bei Bildschirmarbeit sogar hilfreich sein, wenn sie gut angepasst ist", erklärt der Professor. "Es gibt auch einen speziellen Seitenschutz, den man anbringen kann, um die Verdunstung von Tränen zu reduzieren." Das ist zwar normalerweise eher für Menschen gedacht, die an gefährlichen Arbeitsplatzen unterwegs sind – aber wer im Büro immer sehr trockene Augen hat, kann es auch dort einfach mal ausprobieren. 

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Future

Warum es bei der Feuerwehr so wenige Frauen gibt
Eine Feuerwehrfrau und eine Professorin erklären es.

Die Universität Paderborn hätte ahnen können, was mit der Veröffentlichung dieser Pressemitteilung auf sie zukommt. Es geht um ein Forschungsprojekt für mehr Diversität bei der Feuerwehr. Im Einstieg der Mitteilung die These, dass Frauen und Migranten bei der Feuerwehr häufig unerwünscht seien, im weiteren Textverlauf dann ein Zitat der Forschungsleiterin Ilona Horwath über "weiße, heterosexuelle Männer aus der Arbeiterschicht". Und dann wird das Projekt auch noch mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert. 

Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" war das zu viel: Sie fragt sich, ob es eine "Löschdebatte" wirklich geben müsse, und auch in rechten Kreisen sorgte das Forschungsprojekt "Fortesy" für Aufregung. 

Das nationalkonservative Blog "Tichys Einblick" verbreitete den Inhalt der "FAZ"-Meldung weiter, AfD-Frau Beatrix von Storch empörte sich auf Twitter, dass Professorinnen dafür bezahlt würden zu erforschen, ob es genug "Homosexuelle, Trans- und Bisexuelle, Nicht-Weiße, Akademiker und Frauen" bei der Feuerwehr gebe. 

Brauchen wir wirklich eine Genderdebatte beim Feuerwehrberuf?

Katharina Kresse, 34, ist stellvertretende Feuerwehrchefin von Remscheid – einer Stadt mit 110.000 Einwohnern. Etwa 400 Feuerwehrleute sind in ihrer Truppe. 

Grundsätzlich findet die Brandrätin es wichtig, auch Frauen für ihren Beruf zu begeistern. "In einigen Teilen des Landes hat die Feuerwehr definitiv ein Nachwuchsproblem, da ist es fahrlässig, die Hälfte der Bevölkerung von vornherein auszuschließen", sagte Kresse zu bento.

Sie hält das Problem für nicht allzu groß. Bereits jetzt hätten Kampagnen der Feuerwehren Frauen und Migranten im Blick. "Da ist die Feuerwehr nicht mehr so urdeutsch und urmännlich, wie man meinen möchte." Die Feuerwehr habe einen Wandel durchlebt. Gerade die Vorurteile gegenüber Frauen bauten sich nach und nach ab.

Skepsis habe es ihr gegenüber in ihrer Laufbahn durchaus gegeben, auf Ablehnung sei sie fast nie gestoßen. "Das mag es noch geben, gerade in kleineren Freiwilligen Feuerwehren, das ist aber in meinen Augen nicht die Regel", sagt Kresse. Doch das beste Argument gegen solche Stimmen ist wohl sie selbst: