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Von Donnerstag an treffen sich die Mächtigen dieser Welt – und reden. Worüber genau, weiß leider niemand. So läuft es immer bei der Bilderberg-Konferenz. Nach außen dringt kaum ein Wort. In diesem Jahr findet das umstrittene Treffen in Dresden statt.

Aber was ist die Konferenz wirklich: Eine geheime Weltregierung – wie Verschwörungstheoretiker vermuten? Oder bloß ein harmloser Kaffeeklatsch mächtiger Menschen, die einfach keine Lust auf Transparenz haben? Wir antworten auf die wichtigsten sieben Fragen.

Was ist die Bilderberg-Konferenz?
(Bild: Getty Images/Oli Scarff)

Bei der Bilderberg-Konferenz treffen sich Politiker, Wirtschaftsbosse, Professoren, Adlige und Militärs. Sie alle haben vor allem eines: Macht. Der Veranstaltungsort wird so lange wie möglich geheim gehalten. In diesem Jahr treffen sich die Mächtigen im Luxushotel Taschenbergpalais in Dresden. Vertreter der Zivilgesellschaft sind bei der Konferenz nicht dabei. Beschlossen wird offiziell nichts.

Protokolle oder Berichte über den Inhalt der Gespräche gibt es nicht, das Treffen ist streng vertraulich. Die Teilnehmer dürfen den Inhalt der Gespräche zwar verwenden und in groben Zügen der Öffentlichkeit mitteilen, aber die Standpunkte und Meinungen nicht mit bestimmten Personen in Verbindung bringen – so ähnliche Absprachen gibt es auch bei Hintergrundgesprächen zwischen Politikern und Journalisten. In der Zeitung stehen deshalb dann Sätze wie: "...hieß es aus Kreisen der Regierung".

Wer genau nimmt in diesem Jahr teil?
(Bild: dpa/Kay Nietfeld)

Die Liste der insgesamt 130 Teilnehmer ist öffentlich. Folgende Deutsche sind in diesem Jahr dabei:

Wirtschaft

  • Paul Achleitner, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank
  • John Cryan, CEO der Deutschen Bank
  • Mathias Döpfner, CEO von Axel Springer
  • Thomas Ebeling, CEO von ProSiebenSat.1
  • Thomas Enders, CEO von Airbus
  • Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie
  • Timotheus Höttges, CEO der Deutschen Telekom
  • Julia Jäkel, CEO von Gruner + Jahr
  • Joe Kaeser, Präsident und CEO von Siemens
  • Carsten Kengeter, CEO der Deutschen Börse AG

Politik

  • Ursula von der Leyen (CDU), Verteidigungsministerin
  • Thomas de Maizière (CDU), Innenminister
  • Wolfgang Schäuble (CDU), Finanzminister
  • Stanislaw Tillich (CDU), Ministerpräsident von Sachsen

Wissenschaft

  • Hans-Werner Sinn, Präsident des "ifo Instituts für Wirtschaftsforschung"
Wer bestimmt, wer eingeladen wird?
(Bild: Getty Images/Yoan Valat)

Der Vorsitzender des Lenkungsausschusses, Henri de Castries. Der Franzose ist Chef des Versicherungskonzerns Axa. Nur wer von ihm eingeladen wird, darf an der Konferenz teilnehmen. Eine offizielle Mitgliedschaft gibt es nicht.

Im wichtigen Lenkungsausschuss sitzen 31 Mitglieder, darunter:

  • der ehemalige Chef der EU-Kommisison José Barroso,
  • Paul Achleitner, Aufsichtsratvorsitzender der Deutschen Bank,
  • Thomas Enders, der Chef von Airbus.

Einziges Mitglied des "Advisory Boards" ist David Rockefeller, der Patriarch der amerikanischen Industriellenfamilie.

Was besprechen die dort?

Tja, das wissen nur wenige Personen. Die Themen des Treffens werden vom Lenkungsausschuss vorbereitet, einige Stichpunkte werden auf der Webseite der Konferenz vorab veröffentlicht. In diesem Jahr sind das folgende Themen:

  • Aktuelles Geschehen
  • China
  • Europa: Migration, Wachstum, Reform, Vision, Einigkeit
  • Naher Osten
  • Russland
  • Die politische Landschaft der USA und die amerikanische Wirtschaft: Wachstum, Schulden, Reform
  • Cyber-Sicherheit
  • Energie-Politik und Rohstoffpreise
  • Prekariat und Mittelklasse
  • Technologische Innovation

Die Liste ist ziemlich dürftig. Ob nicht zusätzlich über ganz andere Sachen geredet wird, ist ebensowenig bekannt. Die Diskussionen sollen im Stil von Podiumsdiskussionen ablaufen: Mehrere vorher ausgewählte Sprecher stellen ihre Position zu einem Thema vor, anschließend werden Fragen diskutiert. So hat es der Leiter des Lenkungsausschusses zumindest, den Medien im Vorfeld der Konferenz erzählt (N24).

Was meinen die Verschwörungstheoretiker?

Sie glauben, dass die Mächtigen bei den Konferenzen das Schicksal der Welt bestimmen (SPIEGEL ONLINE). Einige erzählen von Echsenmenschen, globalen Nazis oder dem Finanzjudentum.

Richtig ist: Politiker und Wirtschaftsbosse werden nicht plötzlich zu Nazis oder Echsen, nur weil sie sich in einem Luxushotel unter Ausschluss der Öffentlichkeit treffen. Das Weltjudentum ist ein Hirngespinst von Rechtsradikalen, die Idee wurde schon zu Nazizeiten missbraucht. Differenzierter sollte man aber den Vorwurf der Weltregierung betrachten.

Was also steckt dahinter?

Wahrscheinlich nicht viel. Definitiv beantworten lässt sich die Frage nicht, weil kaum etwas nach außen dringt. Der Ausdruck Weltregierung ist aber übertrieben, das Schicksal der Welt lässt sich nicht in wenigen Tagen in einem Hotel entscheiden. Würden sich die Teilnehmer zu einer Weltregierung aufschwingen, hätten sie wahrscheinlich viele reale Probleme längst in ihrem Sinn gelöst. In Wahrheit dürften sich die Teilnehmer der Konferenz nicht so einig sein, wie es der Begriff Weltregierung vorgaukelt.

Viele mächtige Staats- und Regierungschefs sind zudem gar nicht da. Andere internationale Konferenzen eignen sich daher viel besser, um weltpolitisch wichtige Entscheidungen abzusprechen. Zum Beispiel das G20-Treffen der mächtigsten Industrieländer.

Ehemalige Teilnehmer sagen zu den Vorwürfen entweder gar nichts oder weisen ihn zurück. "Die Bilderberg-Konferenzen unterscheiden sich nicht von anderen Formaten, in denen sich Think-Tanks, Politiker und Unternehmen treffen", sagte beispielsweise der Grünen-Politiker Jürgen Trittin. (SPIEGEL ONLINE).

Gibt es auch berechtigte Kritik?
(Bild: Getty Images/Philipp Guelland)

Klar, demokratischen Werten entspricht die Konferenz nicht. Dafür ist sie zu intransparent. Es treffen sich gewählte Wirtschaftspolitiker mit Wirtschaftsbossen, Verteidigungsminister mit Rüstungsvertretern, Finanzpolitiker mit Bankern. Dort werden höchstwahrscheinlich Kontakte geknüpft, vielleicht sogar Deals vorbereitet.

Politiker von demokratischen Staaten sind ihren Wählern aber grundsätzlich Rechenschaft schuldig, sie sollen ja im Sinne des Gemeinwohls handeln. Um das sicherzustellen, müssen sie bis zu einem gewissen Grad transparent machen, was sie tun. So die Theorie. Deswegen haben viele Politiker beispielsweise öffentliche Terminkalender, auch geben viele Politikern öffentlich bekannt, wenn sie sich mit Lobbyisten treffen.

Die Bilderberg-Konferenz missachtet diesen Transparenzgedanken völlig. Daran sind die Chefs der Veranstaltung selbst Schuld.

Die Konferenz gibt es bereits seit 1954, jahrelang wusste die Öffentlichkeit nicht einmal, wer genau teilnimmt. Diese Geheimniskrämerei regt die Phantasie an. Je geheimer eine solche Konferenz ist, desto mehr Mythen entstehen.

Dass es auch anders geht, zeigt zum Beispiel das Weltwirtschaftsforum in Davos: Hier dürfen auch Nichtregierungsorganisationen teilnehmen – allerdings nur an den eher unwichtigen Podiumsdiskussionen. Dort können dann Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ihre Meinung sagen.

Die Bilderberger selbst verteidigen sich, indem sie betonen, dass sie keine Entscheidungen treffen. Das Argument von Bilderberg-Chef Henri de Castries: "Warum sollten diese Menschen nicht das gleiche Recht auf Privatsphäre haben wie jeder normale Bürger?" (N24)

Das Problem: Offiziell mögen die Gäste nicht in ihrer offiziellen Funktion kommen. Wer aber nur die mächtigsten Funktionäre der Welt einlädt, kann nicht glaubhaft versichern, dass sich dort nur Privatleute auf einen Kaffee treffen.

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