Bild: Getty Images / Win McNamee
Ein alter Sozialist mit jungen Fans ist ihr größter Konkurrent.

Heute Nacht um halb drei treten die demokratischen Präsidentschaftskandidaten zu ihrer ersten TV-Debatte an. CNN überträgt live aus Las Vegas.

Barack Obama kann nach zwei Amtszeiten nicht noch einmal antreten, wenn 2016 ein neuer US-Präsident gewählt wird. Mit ihren hitzigen Debatten haben die Republikaner bislang fast die komplette Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Nun sind die Demokraten dran.

Die Ausgangslage

Bei der Auswahl ihres Kandidaten ringen die Demokraten jedes Mal aufs Neue zwischen Liebe und Vernunft. So auch diesmal:

Einerseits gibt es gemäßigte Kandidaten, die gefühlt näher am Mainstream der US-Wählerschaft sind als an der linken Parteibasis: Diese Rolle hat diesmal Hillary Clinton, in den Neunzigern war es ihr Mann Bill. Geliebt wurden die Clintons von ihrer Partei selten, doch mit ihrem Pragmatismus gewannen sie auch konservative Wähler in umkämpften "swing states" wie Ohio oder Tennessee.

Herausgefordert werden sie meist von strammen "liberals", linken Überzeugungstäter wie John Edwards 2008. Diese Rolle übernimmt diesmal Bernie Sanders. Sie versprechen höhere Steuern für Reiche, mehr Umverteilung und begeistern so sozialdemokratisch gesinnte Wähler in Ostküstenstaaten wie New York oder Sanders’ Heimat Vermont.

Das Ergebnis fällt seit Jahrzehnten ähnlich aus: Der Gemäßigte startet als Favorit ins Rennen, doch während der Vorwahlen flirtet die Basis einige Monate mit der linken Alternative, um sich schließlich doch für den Zentristen - oder diesmal die Zentristin - zu entscheiden.

Im Clinton-Lager hofft man, dass die Wähler aus Angst vor einem republikanischen Präsidenten dann doch Kopf statt Bauch entscheiden lassen.

Die Favoritin: Hillary Clinton

Bisher kommt Clintons Kampagne nicht in Gang. Vom demokratischen Establishment und den reichen Geldgebern bekommt sie so viel Unterstützung, dass sich viele potenzielle demokratische Präsidentschaftskandidaten nicht getraut haben, gegen sie anzutreten.

Trotzdem hat sie Probleme - vor allem, weil sich viele Amerikaner gerade fragen, ob sie eine Präsidentin wollen, die für ihre offizielle Kommunikation als Außenministerin einen privaten E-Mail-Server benutzt. Eigentlich war die Affäre eine Petitesse. Geschadet hat sie ihr trotzdem.

Clinton weiß: Sie muss die Demokraten endlich ähnlich stark begeistern wie Sanders. Sonst könnte es tatsächlich noch einmal eng werden.

Der Herausforderer: Bernie Sanders

Der bisherige Erfolg von Bernie Sanders ist ein kleines Wunder. Er bezeichnet sich selbst als demokratischer Sozialist. In den USA ist das eigentlich politischer Selbstmord. In Umfragen holt er trotzdem kontinuierlich auf.

Seine Unterstützer sind vor allem junge Linke. Sie haben online eine Welle der Begeisterung losgetreten. Und das, obwohl Sanders selbst mit seinen 74 Jahren auf den ersten Blick nicht gerade inspirierend wirkt. Zu verlieren aber hat er nichts. Sanders redet Klartext, ganz anders als die anderen Kandidaten.

In seiner Kandidatur kämpft Sanders gegen den Einfluss von Reichen auf die amerikanische Politik. Kostprobe: Wall-Street-Manager seien “too big to jail” (Vox), das wolle er ändern. Spenden von großen Unternehmen bekommt er nicht, einen Super-PAC will Sanders auch nicht. Diese Sammelstellen für Geld von reichen Spendern und Konzernen hält sich sonst praktisch jeder Kandidat, um den extrem teuren Wahlkampf in den USA zu finanzieren.

Entscheidend wird sein, ob die Wähler wirklich glauben, dass Sanders gegen die Republikaner gewinnen kann. Falls er die Demokraten davon überzeugen kann, hat er eine Chance. Sonst nicht.

Die Zwerge

Martin O'Malley, Jim Webb und Lincoln Chafee dürfen auch mitmachen, weil alle auf mehr als ein Prozent im Durchschnitt der Umfragen kommt. Eine Chance hat wohl keiner der drei.

Für den vor Monaten noch als chancenreich eingeschätzten Ex-Gouverneur Martin O’Malley ist die Debatte heute die letzte Chance, um auf sich aufmerksam zu machen. Vielleicht reicht es für den Posten des Vizepräsidenten.

Der Schattenkandidat: Joe Biden

Der amtierende Vizepräsident könnte zum großen Überraschungskandidat aufsteigen. Noch überlegt Biden, ob er wirklich gegen Clinton kandidieren möchte. Theoretisch könnte er auch noch an der Debatte auf CNN teilnehmen, die Regeln erlauben das.

Wahrscheinlich ist das zwar nicht. Vorbereitet ist CNN trotzdem: Der Sender hält extra ein Notfall-Pult für Biden bereit:

Die Themen

Die fünf Demokraten sind sich in vielem einig. Sie wollen die Kosten im Gesundheitswesen senken und die astronomischen Studiengebühren an Unis eindämmen.


In einigen Details wird es aber zum Schlagabtausch kommen:

  • Neben Clintons E-Mail-Affäre könnte auch das transpazifische Freihandelsabkommen TPP der USA (das Gegenstück zu TTIP, nur mit Asien) zum Streitpunkt werden. Der frisch ausgehandelte Vertrag stößt bei Demokraten auf Kritik, weil sie durch Billigimporte aus Asien amerikanische Arbeitsplätze gefährdet sehen.

    Das hat auch Clinton bemerkt. Sie lehnt das Abkommen neuerdings ab – als Außenministerin hatte sie TPP allerdings noch unterstützt. Gerade Arbeiterfreund Sanders könnte die Ernsthaftigkeit der Neubekehrten Clinton in Frage stellen.
  • Auch Sanders hat eine Schwachstelle: Waffengesetze. Vermont ist ein ländlicher Bundesstaat, viele seiner Wähler sind Jäger und besitzen Waffen.

    Ihr Senator ist kein Waffennarr. Aber Sanders stimmte in der Vergangenheit häufiger gegen härtere Regeln. Gerade nach dem Massaker in Oregon wird sich der Senator sehr kritische Fragen anhören müssen.
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