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Witze über den Namen von Annegret Kramp-Karrenbauer zu machen, ist nicht besonders originell. Spätestens seit Hunderte ausländische Journalisten vergebens versuchten, den Doppelnamen auszusprechen, wissen wir: Ja, er ist kompliziert. Das ist bei Doppelnamen oft so.

Comedian Bernd Stelter wollte bei seinem Karnevalsauftritt in Köln trotzdem ein paar Witze über Annegret Kramp-Karrenbauer machen.

Das kann man natürlich machen. Es kam nur nicht bei allen gut an.

Erst redete Stelter über den Mädchennamen seiner Frau Anke: Rumpen. Ein möglicher Doppelname sei daher Rumpen-Stelter. "Der Standesbeamte hat da gesagt: Nee. Sie wollen keinen Doppelnamen." So erzählte es Stelter der Deutschen Presse-Agentur. 

Nach der Einleitung auf der Bühne kam er dann auf AKK zu sprechen: "Die Frau heißt Annegrrrrret Krrrramp-Karrrrrenbauer", sagt Stelter und fügt an:

Hätte nicht ein Standesbeamter Frau Kramp-Karrenbauer warnen müssen?
Bernd Stelter

In diesem Moment kann man entweder leicht gelangweilt die Augenbrauen hochziehen. Ist halt Karneval. Oder man fragt sich: Was soll das unreflektierte Rumgeblödel? Warum sollten Frauen irgendeinen Standesbeamten brauchen, um sich für einen Namen zu entscheiden?

Eine Zuschauerin ist so genervt, dass sie alles auf eine Karte setzt. Sie schreckt auch nicht davor zurück, den Feminist Killjoy zu spielen.

Sie fängt zunächst an, zu pfeifen. Laut "Kölnischer Rundschau" ruft Stelter ihr zu: "Gehen Sie doch bitte raus ein Kölsch trinken."

Die Zuschauerin macht das offenbar nicht. Stattdessen geht sie auf Stelter zu, erklimmt die Stufen zur Bühne. Die Frau stellt sich nur wenige Zentimer vor Stelter, der Schatten ihrer Mütze verdeckt Stelters Gesicht zum Teil.

Es entwickelt sich ein Dialog, der in seiner brutalen Offenheit lustiger ist als die meisten Witze, die Bernd Stelter jemals gemacht hat.

  • "Ich habe gerade gepfiffen", stellt die Frau fest. Noch immer steht sie nur wenige Zentimeter von seinem Gesicht entfernt.
  • "Sie haben gepfiffen?", fragt Stelter zurück.
  • "Ja."
  • "Ja."
  • "Fragt mal irgendjemand, was für ein Scheiß-Name ein Mann hat, den die Frau annimmt?", fragt die Zuschauerin.
  • "Ja."
  • "Ja."
  • "Ja."
  • "Ja."
  • "Ja, und was sagen sie jetzt?", möchte die Zuschauerin wissen.
  • "Ja, ich sage..."
  • "Ja, Männernamen sind immer toll. Und Frauennamen sind immer scheiße. Und Doppelnamen sind doppelt scheiße."
  • "Soll ich Ihnen was sagen?", setzt Stelter an.
  • "Oder wie?"
  • Dann berappelt sich Stelter doch noch ein bisschen: "Wir machen hier... Wir machen hier... Wir machen hier ganz einfach Karneval. Und was ich mache, sind Witze."

Hier ist die Szene im Video, der WDR hat sie zusammengeschnitten.

Die Aktion trendet inzwischen auf Twitter, entsprechend viele Leute reagieren auf das Video des Vorfalls.

Die Reaktionen im Überblick:

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Auf Twitter gibt es überwiegend Beifall. Festkomitee-Chef Christoph Kuckelkorn sieht es anders. Im Gespräch mit der "Kölnischen Rundschau" sagte er: "Die Geschmäcker sind verschieden, und nicht jeder Programmpunkt muss jedem Gast gefallen. Aber wir erwarten Respekt gegenüber den Künstlern und dem Publikum. Es ist nicht fair, mit dem eigenen Unmut allen anderen die Freude an der Veranstaltung zu nehmen."

Auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) war der Zeitung zufolge unter den Zuschauern. Er bezeichnete den Zwischenfall als "überflüssig", Stelter habe souverän reagiert.

Was wissen wir über die Frau?

Die "Kölnische Rundschau" zitierte die Frau mit dem Satz: „Ich habe selbst einen Doppelnamen und muss das nicht über mich ergehen lassen". In einer Bildunterschrift nennt die Zeitung ihren Namen: Gabriele Möller-Hasenbeck, der Zeitung zufolge ist sie 57 Jahre alt. Sie habe impulsiv reagiert, sagt Möller-Hasenbeck. Die Aktion sei nicht geplant gewesen.

Wie ging die Sache aus?

Wachleute hätten die Frau nach draußen gebracht, sagte eine Sprecherin des Festkomitees Kölner Karneval (FAZ). 

Was sagt Stelter?

"Ich will mit meinem Humor nie jemandem etwas Böses“, sagte Stelter der "Kölnischen Rundschau". Es müsse auch nicht jedem alles gefallen, "aber deswegen muss man nicht gleich auf die Bühne kommen". Sein Verdacht:

Möglicherweise hat sie einfach keinen Humor.
Bern Stelter

Man möchte anfügen: Möglicherweise ist der Frau auch einfach der Kragen geplatzt, weil in Deutschland immer noch oft wie selbstverständlich erwartet wird, dass nach der Heirat die Frau ihren Mädchennamen aufgibt. Oder einen Doppelnamen annimmt. Und wenn man dann mit Doppelnamen im Publikum sitzt und sich den achtzigsten Witz über Annegret Kramp-Karrenbauer anhören muss, kann man schon mal ausrasten.

Mit Material von dpa


Fühlen

Ab wann ist zu wenig Schlaf ungesund?
Für diesen Freund, der behauptet ihm "reichen fünf Stunden"

Der Wecker klingelt, wir fühlen uns platt. Die letzte Nacht war viel zu kurz – genau wie die davor. Am Wochenende mussten wir eine Nachtschicht einlegen, um die Hausarbeit fertig zu schreiben. Und davor wollten wir unbedingt eine komplette Staffel der neuen Serie auf Netflix bingen.

Aber ab wann ist zu wenig Schlaf eigentlich ungesund? Was kann passieren, wenn unser Körper unter Schlafentzug leidet? Wir kennen diese Leute, die behaupten, dass sie nach fünf Stunden Schlaf völlig fit seien – und andere, die jede Nacht zehn Stunden im Bett verbringen. Alles Einbildung oder ist etwas dran?

Wir haben nachgefragt: bei der Professorin Kneginja Richter, Leiterin der Schlafambulanz an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Nürnberg.

Wie viel Schlaf pro Nacht wäre optimal?

"Die meisten erwachsenen Menschen sind Normalschläfer", erklärt Kneginja Richter. "Sie brauchen zwischen sieben und acht Stunden Schlaf." US-Wissenschaftler haben herausgefunden, dass genau diese Länge zum besten Gesundheitszustand und der größten Produktivität am Tag führt. Bei Teenies zwischen 14 und 17 Jahren sind es zwischen acht bis zehn (NHF), ab 65 Jahren nimmt das Schlafbedürfnis eher ab.

Brauchen manche Menschen weniger Schlaf?

Ja, sagt Richter. "Es gibt Menschen, die weniger als sechs Stunden Schlaf benötigen. Andere brauchen mehr als neun Stunden, um dauerhaft leistungsfähig zu sein – wir unterscheiden zwischen Kurz- und Langschläfern." 

Zu welcher Gruppe man zählt, kann man selbst herausfinden. "Wenn man zwei bis drei Tage lang ausschlafen kann und dann merkt, dass man von selbst wach wird und sich ausgeschlafen fühlt, dann hat man die richtige Schlafdauer gefunden." Wir können das im Urlaub oder an einem langen Wochenende testen, wenn wir zu einer normalen Zeit ins Bett gehen – und es keine Babys oder sonstigen natürlichen Wecker in der Wohnung gibt, erklärt Richter.

Was passiert, wenn wir zu wenig schlafen?

"Wenn der Körper ein Schlafdefizit hat, will er es in der dritten oder spätestens vierten Nacht aufholen", sagt Richter. So lange können wir kurze Schlafphasen aushalten, danach wird es kritisch. 

"Man ist unkonzentriert und leicht vergesslich", erklärt Richter. "Das Gehirn wird schneller müde, man kann Aufgaben nicht bis zum Ende folgen, auch körperlich fühlt man sich schlapp." 

Das Gehirn brauche unbedingt genug Schlaf: "Man kann das mit einer Waschmaschine vergleichen", sagt die Professorin. "Das Programm muss bis zum Ende ablaufen, damit wir uns morgens frisch und erholt fühlen. Wenn man es mitten drin abbricht, dann ist der Prozess nicht beendet und wir fühlen uns wie gerädert."

Gibt es auch langfristige Probleme bei Schlafmangel?

"Grundsätzlich leiden Herz und Gehirn, wenn der Körper langfristig zu wenig Schlaf bekommt." Wer dauerhaft zu wenig schläft, setzt also nicht nur Konzentration und körperliche Fitness aufs Spiel – sondern auch die Gesundheit. "Die Gefahr von Fehlern und auch Unfällen steigt durch andauernde Müdigkeit", sagt Richter. Außerdem sinke die emotionale Stabilität.

Ist es egal, wann wir schlafen?

Müssen unsere sieben oder acht Stunden jede Nacht zwischen 22 und 8 Uhr liegen oder können wir die Schlafzeit beliebig verschieben

"Für den Körper ist es ideal, wenn man sich nachts in der Dunkelheit ausruht und tagsüber bei Sonnenlicht aktiv ist", sagt Richter. "Nachts in der Dunkelheit wird das Schlafhormon Melatonin freigesetzt, das für eine erholsame Ruhezeit wichtig ist. Es hat auch eine Bedeutung für Stimmung und Reproduktion." 

Wer zum Beispiel durch Schichtdienst zu anderen Schlafzeiten gezwungen ist, sollte unbedingt in einem dunklen Raum liegen, wenn er den Schlaf tagsüber nachholt. "Die meisten Menschen mit Nachtdienst schlafen insgesamt weniger", sagt die Expertin. "Sie sollten versuchen, trotzdem auf sieben bis acht Stunden Schlaf zu kommen – im Idealfall am Stück." Wer das nicht schafft, kann auch mittags noch einen Power-Nap einlegen. 

Wenn kein langer Schlaf am Stück möglich ist, sollte man versuchen, in zwei Phasen zu schlafen, sagt Richter.

Kann man ein Schlafdefizit aufholen?

Unter der Woche sind wir übermüdet, am Wochenende holen wir den fehlenden Schlaf nach. Oder wir machen am Wochenende die Nächte durch –  um dann Montagabend früh ins Bett zu fallen. Macht der Körper das auf Dauer mit

"In begrenztem Rahmen ist es möglich, Schlaf nachzuholen", sagt Richter. "Das sollte man aber nur als Notlösung sehen, wenn man beispielsweise auf Reisen ist oder es aus anderen Gründen nicht anders geht." Langfristig sei das aber ungesund – und führe zu all den unangenehmen Symptomen, die Schlafmangel mit sich bringt.