Bild: dpa/Maurizio Gambarini
"Der fitteste Neue ist ein Türke, die beiden Nieten Biodeutsche."

Die Berliner Polizei hat ein Problem. Entweder feiert sie zu hart – wie beim G20-Gipfel in Hamburg. Oder sie pöbelt gegen Ausländer – das wird zumindest gerade einem Ausbilder der Polizeiakademie in Berlin-Spandau vorgeworfen. 

Die Akademie bildet den Nachwuchs für die Berliner Polizei aus. Unter den Azubis sind auch viele Deutsche mit Migrationshintergrund, ein Ausbilder hatte sich darüber beschwert. Die Araber und Türken seien "dumm" und "frech" – und "der Feind in unseren Reihen".

Die rassistischen Sprüche sorgen nun für Diskussionen innerhalb der Polizei – und ein anonymer Brief gießt Öl ins Feuer.

In dem Brief, der unter anderem dem Berliner "Tagesspiegel" vorliegt, behauptet ein mutmaßlicher LKA-Beamter, die Berliner Polizei würde kriminelle Mitglieder arabischer Großfamilien aufnehmen. Die Clans würden so die Polizei unterwandern: 

Bewerber aus diesen Großfamilien werden – trotz Strafakte – in der Polizei angenommen.
Anonymer Polizist

Der Beamte gibt an, seit 31 Jahren im Dienst zu sein und die Entwicklung seit längerem zu beobachten. Seinen Brief hat er mit "Wann fällt der erste Schuss?" überschrieben. 

Was sagen denn ganz normale Polizisten zur Debatte? Wir haben uns im größten deutschen Polizisten-Forum umgesehen.

In der "CopZone" können sich Polizisten und Juristen über ihre Arbeit und alles drum herum austauschen. Nach dem Bekanntwerden der Anschuldigungen des Berliner Ausbilders wurde ein Thread geöffnet, der die Vorwürfe diskutiert.

  • Ein Forumsnutzer bestätigt die anonymen Vorwürfe, er schreibt von türkischen und arabischen Azubis:
"Ich selbst bin regelmäßig auf dem Gelände in Spandau und bekomme in der Umkleidekabine mit, wie sich diverse Schüler unmöglich verhalten. Es wird herumgeschrien, andere Lehrer und Mitschüler werden auf´s Übelste beleidigt."
  • Ein anderer Polizist bestätigt ebenfalls mangelnde Disziplin bei "den Neuen", sieht das aber mit den Nationalitäten anders:
"Ich halte das Auftreten der 'Neuen' auch verstärkt für unangemessen,  kann das aber ausdrücklich nicht auf bestimmte Volksgruppen festlegen. Wobei doch, der fitteste Neue ist ein Türke, die beiden Nieten Biodeutsche."

Die beiden Polizisten sind eine Ausnahme. Die Mehrheit im Thread zweifelt die Anschuldigungen an und hält die Anschwärzer für unkollegial. Einer schreibt: "Um das letztlich sauber prüfen zu können, müssten konkrete Vorwürfe her". Auch andere Beamte bleiben vorsichtig. Eine Auswahl:

"Da nützt [...] keine angeblich authentische Audiodatei mit Generalauskotzcharakter was, da muss man das halt zu Papier bringen und dem Disziplinarvorgesetzten vorlegen.​​"
"Ich halte das für maßlos übertrieben, wenn nicht sogar frei erfunden." – Es werde gearbeitet mit "plumpen Sprüchen, die mir etwas zu rechtslastig sind."
"Wirkt eher so als ob der angebliche anonyme LKA-Beamte eine eigene Agenda verfolgt."
"Aus meiner Sicht sind die beiden Beschwerdeführer 'Lappen'. Wer als Polizeibeamter in unserer Organisation konkrete Feststellungen dieser Art macht, wird sich nach Beratung mit Vorgesetzten o.ä. ganz sicher nicht anonym und in dieser Art und Weise äußern."
Auch ein Vorwurf: Der anonyme Brief sei "eine trumpische selektive Wahrnehmung von vermeintlichen nebulösen Vorfällen".
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Auch zur Frage, ob die Polizei überhaupt ehemalige Straftäter oder Mitglieder aus Clan-Familien einstellen könne, wird diskutiert: 

  • Einer argumentiert, dass das vollkommen okay sei. Man könne einzelne Familienmitglieder nicht für die Taten ihrer Verwandtschaft verurteilen. 
  • Andere pflichten ihm bei. Viele "strafrechtlich belastete" Anwärter würden gar nicht auffallen, weil ehemalige Straftaten längst im Register gelöscht sind. 

Selbst wenn man davon wisse, schreibt einer, sei das kein Hinderungsgrund – "da der vor 20 Jahren geklaute Kaugummi wenig Aufschluss über die heutige charakterliche Eignung zu geben vermag."

Insgesamt gehen die Polizisten mit den angeblichen Enthüllungen entspannt um – und warnen davor, schlechtes Verhalten auf die Ethnie zurückzuführen.


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