Bild: Julian Stratenschulte/dpa

Berlin schafft als erstes deutsches Bundesland die Kita-Gebühren ab. Vollständig. Am 1. August soll es losgehen. Egal, wie alt das Kind ist oder wie viele Stunden am Tag es betreut werden soll. Gleichzeitig soll auch noch der Betreuungsschlüssel verbessert werden: Weniger Kinder sollen auf eine Erzieherin oder einen Erzieher kommen.

Ausgerechnet Berlin? Das war doch unter allen Bundesländern jenes, das immer pleite ist, seit Jahren seinen Flughafen nicht gebaut bekommt und junge Eltern mit chaotischen Kita-Zuständen zur Verzweiflung treibt. Nun klappt alles?

Wie kann sich Berlin kostenlose Kitas leisten? Und woher kommen die zusätzlichen Erzieherinnen und Erzieher? 

Wir haben nachgefragt.

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Was steckt hinter dem Kita-Plan?

Iris Brennberger, Pressesprecherin in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie in Berlin, erklärt, dass es sich dabei um ein mehrstufiges Programm handelt, das schon seit mehr als zehn Jahren läuft. Am 1. August tritt lediglich die letzte Stufe in Kraft.

Berlin hat schon seit 2007 die Kita-Gebühren stufenweise abgeschafft und seinen Haushalt entsprechend verteilt: 

  • Zuerst wurde das letzte Kita-Jahr vor der Einschulung beitragsfrei. 
  • Ab 2010 fielen dann nach und nach die Gebühren für weitere Kita-Jahre weg. Zuletzt mussten nur noch die Eltern von Kindern, die unter einem Jahr alt waren, einkommensabhängige Kita-Beiträge zahlen. Dies betraf rund 15.800 Kinder. Die Elternbeiträge summierten sich im Kita-Jahr 2017/18 auf insgesamt rund sieben Millionen Euro.
  • Nun, im letzten Schritt, entfallen auch noch die letzten Kita-Gebühren für die Eltern.

Was die Eltern auch weiterhin noch zahlen müssen, ist ein Beitrag für das Mittagessen – 23 Euro pro Monat. 

Sollten Eltern außerdem "Extra-Angebote" einer Kita, zum Beispiel besondere Sport-, Sprach- oder Kreativangebote nutzen wollen, werden die Extra-Zahlungen ab dem 1. September auf maximal 90 Euro im Monat begrenzt. (Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie)

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Woher kommen die zusätzlichen Erzieherinnen und Erzieher?

Es soll eine Verbesserungen beim Betreuungsschlüssel für Kinder im Krippenalter geben. Ab dem 1. August gilt eine Fachkraft-Kind-Relation (bezogen auf einen Ganztagsplatz) von 1:4 bei den Unter-Zweijährigen (vorher 1:4,25) sowie 1:5 bei den Zwei- bis Dreijährigen (vorher 1:5,25).

Auch das ist Teil eines lange beschlossenen Stufenplans, der bereits seit 2016 läuft. Nächstes Jahr soll die vierte und letzte Stufe in Kraft treten und eine Fachkraft-Kind-Relation von 1:3,75 bei den Unter-Zweijährigen und 1:4,75 bei den Zwei- bis Dreijährigen erreichen.

Gleichzeitig erklärt Brennberger, man um neue Erzieherinnen und Erzieherr buhle. Berlin habe in der vergangenen Zeit viel Werbung für den Beruf gemacht und die Ausbildungskapazitäten an den Erzieher-Fachschulen in den vergangenen Jahren verdoppelt

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Außerdem erleichtere man Quereinsteiger die Ausbildung: 

  • So werden mittlerweile mehr verwandte Berufe anerkannt. Wenn also Sport- oder Theaterpädagoginnen oder -pädagogen in den Erzieherberuf wechseln wollen, so geht das jetzt einfacher. 
  • Berlin fördert die berufsbegleitende Ausbildung, indem den Kitas sogenannte Anleitungsstunden finanziert werden, und wirbt intensiv für diese Ausbildungsform. Berufsbegleitende Ausbildung heißt, dass jemand schon während seiner Ausbildung zur Erzieherin oder zum Erzieher arbeiten kann: So verbringt der zukünftige Erzieher zum Beispiel zwei Tage pro Woche in der Schule im Theorie-Unterricht und drei Tage pro Woche in der Kita, lernt in der Praxis und unterstützt seine zukünftigen Kolleginnen und Kollegen schon während der Ausbildung.
  • Eine Umschulung mit Unterstützung durch das Jobcenter ist jetzt auch möglich: Wenn eine Arbeitsuchende oder ein Arbeitsuchender Interesse an dem Beruf Erzieher zeigt, so wird sie oder er nun besser finanziell unterstützt. Die Bundesagentur für Arbeit zahlt die ersten beiden Jahre der Ausbildung weiterhin das Arbeitslosengeld, im dritten Jahr zahlt der Kita-Träger das Gehalt.

Auch Projekte mit Geflüchteten als Erzieher sind in Arbeit. Außerdem soll der Zugang zum Beruf erleichtert werden. Zum Beispiel soll eine Zulassung zur Ausbildung schon mit einer Mittleren Reife möglich werden, so Brennberger. Das sei allerdings noch Zukunftsmusik.

Kita? Krippe? Was ist was?

  • In der Krippe werden nur Kleinkinder bis 3 Jahre betreut. In den meisten Bundesländern können Eltern ihre Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr zur Betreuung hinbringen.
  • Die Kita steht für Kindertagesstätte – und betreut Kinder bis zur Einschulung. Entsprechend gibt es hier auch erste Lernangebote als Vorbereitung.

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Ist also alles rosig in Berlin?

Nein. Wer sein Kind in einem Kindergarten anmelden möchte, lässt sich in Berlin derzeit auf ein Glücksspiel ein. Denn es gibt nicht ausreichend Plätze für jedes Kind. Allein 3000 Kindern fehlten nach Schätzungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Berlin im Frühjahr noch ein Kitaplatz. (rbb)

Kurzfristig wurde eine "Taskforce" eingerichtet, um fehlende Plätze besser zu vermitteln – ohne große Auswirkung (Tagesspiegel). Denn an Räumen mangelt es nicht – aber an Erzieherinnen und Erziehern. Mindestens 900 fehlen in den kommenden Monaten.

Entsprechend loben nicht alle die Kostenlos-Kitas. Paul Fresdorf, bildungspolitischer Sprecher der FDP, meint, mehr statt weniger Geld wäre besser gewesen:

Viele Eltern in der Stadt hätten sich gewünscht, dass die Gebühren nicht wegfallen, so dass dieses Geld für eine Qualitätsverbesserung in den Kindertagesstätten eingesetzt werden kann.
Paul Fresdorf, Der Tagesspiegel

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Wie sieht es in anderen Bundesländern mit Kita-Gebühren aus?

  • In Niedersachsen ist die Kinderbetreuung ab 1. August für Kinder ab drei Jahren für bis zu acht Stunden täglich an fünf Tagen pro Woche beitragsfrei. (SPD Niedersachen)
  • In Hessen ist der Kita-Besuch für Kinder ab drei Jahren für sechs Stunden am Tag kostenlos. (hessenschau)
  • In Brandenburg müssen Eltern ab 1. August für das letzte Kita-Jahr kein Geld mehr zahlen.
  • In Rheinland-Pfalz gibt es die Beitragsfreiheit für Kinder ab zwei Jahren bereits seit 2010. 
  • In Hamburg können Eltern ihr Kind seit 2014 fünf Stunden pro Tag kostenlos betreuen lassen. 
  • Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern haben die kostenlose Kita langfristig anvisiert. (SPIEGEL ONLINE)
Kitas sind Bildungseinrichtungen, und Bildung muss gebührenfrei sein.
Sandra Scheeres

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Welche Rolle spielt die Bundesregierung?

Die Große Koalition hat im Koalitionsvertrag festgelegt, deutlich in Erziehung zu investieren. Das Kindergeld soll erhöht werden, Kitas sollen bundesweit schrittweise komplett beitragsfrei werden. 

Die Bundesregierung hat speziell für die Kitas Investitionen in Höhe von 3,5 Milliarden Euro vorgesehen. Das wird aber laut einer Berechnung der Bertelsmann Stiftung noch lange nicht reichen: Mehr als 15 Milliarden Euro wären nötig, um alle Kitas kostenfrei zu machen und gleichzeitig ihre Qualität zu verbessern. (Die Zeit)


Mit Material von dpa


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