Bild: Britta Pedersen/dpa
Der Überblick mit allem, was wir wissen – und was nicht.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat den Anschlag in Berlin für sich reklamiert. Ein "Soldat" habe nach dem Aufruf des IS gehandelt, im Westen Anschläge zu verüben, behauptete die IS-nahe Propaganda-Agentur "Amaq" am Dienstagabend.

Bei der Lkw-Attacke waren am Montagabend zwölf Menschen getötet worden, mindestens 48 wurden verletzt, teilweise schwer. Der Lastwagen war absichtlich in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin-Charlottenburg gelenkt worden.

Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Was wir wissen:
  • Der Lkw fuhr gegen 20 Uhr 50 bis 80 Meter über den Markt, zerstörte dabei mehrere Buden und überrollte Menschen. Auf der Straße kam er wieder zum Stehen.
  • In der Fahrerkabine des Lkw einer polnischen Spedition fand die Polizei einen Toten. Bei dem Mann mit polnischer Herkunft soll es sich jedoch nach Polizeiangaben nicht um den Attentäter handeln.
  • Ein Verdächtiger wurde nach der Attacke in der Nähe der Siegessäule festgenommen, später jedoch wieder freigelassen. Die Ermittler konnten keine belastbaren Spuren finden. Bereits am Nachmittag äußerten die Zuständigen ihre Zweifel: "Es ist in der Tat unsicher, dass es der Fahrer war", sagte Polizeipräsident Klaus Kandt am Dienstag (Zeit Online). Es sei kein Haftbefehl erlassen worden, teilte die Bundesanwaltschaft am Dienstagabend mit (tagesschau.de).
Die Fotos aus der Nacht:
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Was wir nicht wissen:
  • Unklar ist, wer der mutmaßliche Täter ist – und wo er sich befindet. Die Berliner Polizei warnt, er könne auf der Flucht und bewaffnet sein.
  • Niemand kann derzeit zudem sagen, ob mehrere Täter an der Tat beteiligt waren.
  • Laut der polnischen Spedition sollte der Lkw Stahlträger aus Italien nach Berlin transportieren. Bisher ist nicht klar, ob der tote Pole in die Tat involviert war – oder vom mutmaßlichen Täter entführt wurde. Der Spediteur sagt, sein Cousin habe den Lkw ursprünglich gefahren. Ob es sich bei dem Toten um den Cousin handelt, ist noch unklar.
So erlebten Augenzeugen den Abend:

Wie ist die Bekennermeldung des "Islamischen Staates" einzuordnen?

Die Tat, einen Lkw in eine Menschenmenge zu lenken, entspricht einem typischen Muster des IS. Bereits für Nizza und Ohio beansprucht die Terrormiliz solche Fahr-Angriffe für sich.

Unklar ist, ob der Täter auf Befehl des IS gehandelt hat und mit der Miliz vernetzt war – oder ob er auf eigene Faust einen Anschlag geplant hat. Im Bekennerschreiben von "Amaq" heißt es lediglich, es handele sich um einen "Soldaten" der Terrormiliz.

Erst Anfang Dezember hatte der IS Anhänger dazu aufgerufen, Anschläge im Westen auf Märkte, Straßen und Diskotheken zu verüben. Die Ziele sollten möglichst beliebig sein.

Welche zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen werden nun in Deutschland ergriffen?

  • Am Dienstag blieben in Berlin zunächst fast alle Weihnachtsmärkte geschlossen. Darum bat Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Allerdings vor allem aus Respekt vor den Opfern und ihren Angehörigen, nicht primär wegen Sicherheitsbedenken. Der Weihnachtsmarkt an der Kulturbrauerei öffnete trotz Empfehlung des Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Nachmittag (tagesspiegel.de).
  • Auch Großveranstaltungen sollen trotz des Anschlags weiter stattfinden, sagte de Maizière. Die Bundespolizei zeige an vielen Orten in Deutschland mehr Präsenz. "Weichen wir nicht zurück und lassen wir unser Leben nicht von Angst bestimmen", sagte er. "Wir trauern und wir kämpfen um unsere Freiheit."
  • Berlins Innensenator Andreas Geisel gab zudem bekannt, dass es an Silvester stärkere Sicherheitsvorkehrungen geben solle – ausfallen werde die Feierlichkeiten jedoch nicht. "Wir bitten die Berlinerinnen und Berliner, ihren Mut zu bewahren", sagte Geisel.
Wie reagieren Politiker?

Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte die Tat als "grausam und unbegreifbar". Sie sei "entsetzt, erschüttert und tief traurig", erklärte sie bei einer Pressekonferenz im Kanzleramt am Dienstag. Merkel äußerte ihr Mitgefühl mit den Opfern, ihren Angehörigen und den Einsatzkräften.

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Ein ganzes Land ist mit Ihnen in Ihrer Trauer vereint.

Merkel erklärte, dass man nach bisherigen Erkenntnissen von einem "terroristischen Anschlag" ausgehen müsse. Die Tat werde bestraft, "so hart es unsere Gesetze verlangen."

Außerdem äußerte sich die Kanzlerin bereits zu dem möglichen Täter. Es sei "widerwärtig, wenn sich herausstellt, dass die Tat ein Flüchtling begangen hat". Besonders gegenüber Deutschen, die sich täglich in der Flüchtlingshilfe engagierten.

Merkel appellierte an die deutsche Bevölkerung:

(Bild: dpa)

Sie ergänzte: "Auch, wenn es in diesen Stunden schwer fällt: Wir werden die Kraft finden für das Leben, wie wir es in Deutschland leben wollen – frei, miteinander und offen."

So reagierten weitere Politiker auf Twitter:

Zum Zeitpunkt von Trumps Tweet war nicht klar, ob es sich in Berlin wirklich um einen Terroranschlag handelt.
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Gerechtigkeit

Wie Berlin den Tag nach dem Anschlag erlebte

Am Tag nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche ist es ruhig in Berlin. Immer wieder senken sich Köpfe über Handys, Gespräche über die neusten Informationen entspinnen sich in Restaurants: Gibt es Neuigkeiten? Weiß man inzwischen mehr?

Aber auch der Alltag geht weiter: Die Bahnen fahren schon lange wieder normal, ohnehin war auch in der Nacht nur eine einzige Haltestelle gesperrt. Auf dem Ku'damm besorgen Berliner und Touristen die letzten Weihnachtsgeschenke.

Wie war die Stimmung an diesem Tag in Berlin? Wie haben sich die Menschen gefühlt?

Wir haben uns in der Stadt umgesehen, an der Gedächtniskirche, wo die Menschen zusammenkamen, am Brandenburger Tor, das für einige Anlaufstelle war an diesem Tag nach dem Schock. In Friedrichshain, wo die Menschen zusammensaßen und über die Ereignisse diskutierten. Und am einzigen Weihnachtsmarkt, der an diesem Dienstag in Berlin nicht geschlossen hatte.